Cosy Langeweile auf über 600 Seiten

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Das Buch spielt in einer eher mittelalterlichen Welt am Hofe eines Königspaares, die stark an Märchen erinnert. Die Charaktere bleiben jedoch sehr oberflächlich und entwickeln kaum Tiefe. Die Handlung wirkt wie eine Aneinanderreihung eher unwichtiger, teils sogar unangenehmer Nebenstränge, verstärkt durch repetitive Slapstick-Einlagen und einen unaufregenden einfachen Schreibstil.


Es wird versucht, sehr viele aktuelle Themen einzubauen und kritisch zu beleuchten, etwa Probleme im Umgang von Männern mit Frauen und homosexuellen Personen sowie verbale und sexuelle Übergriffigkeit. Hinzu kommen Aspekte wie Frauenrechte/Zwangsheirat, Kinderwunsch, Fehlgeburten und patriarchaler Machtmissbrauch von Vätern gegenüber ihren Ehefrauen und Kindern. Außerdem werden stereotype Motive eingebracht, etwa die „Sugar-Daddy“-Thematik, die hier als große Liebe dargestellt wird, trotz eines Altersunterschieds von 50 Jahren. Das wirkt unnötig und konstruiert.


Verwunderlich ist zudem, dass das Thema Alkoholismus stark verharmlost und teilweise sogar für humoristische Zwecke genutzt wird. Ein weiteres großes Problem war für mich der übertriebene, stellenweise kindische Humor, der sich durch das gesamte Buch zieht.


Insgesamt passt vieles nicht zusammen: Das märchenhafte Setting harmoniert nicht mit den modernen Themen, die zudem nur teilweise verantwortungsvoll behandelt werden. Dazu kommen zahlreiche Nebenfiguren, ein kaum erkennbarer roter Faden und ein fehlender Spannungsbogen. Obwohl ich Hexengeschichten sehr gerne lese, spielen Hexen hier kaum eine Rolle – dieses Element tritt stark in den Hintergrund und hätte deutlich präsenter sein können.


Ich hatte eine Fantasy-Detektivgeschichte erwartet, habe dann aber 600 Seiten lang darauf gewartet, dass vielversprechende Ansätze weiter ausgearbeitet werden und überhaupt einmal etwas wirklich Interessantes passiert. Dabei wäre durchaus Potenzial vorhanden gewesen (z. B. in Richtung Spionage oder Krieg, bzw mehr Leidenschaft in der Liebesbeziehung). Die Geschichte wirkt insgesamt sehr langatmig und hätte deutlich gekürzt werden können, um mehr Fokus zu gewinnen.


Die zwei Sterne vergebe ich lediglich für die gemütliche Atmosphäre, insbesondere die „cosy“ Szenen in Fins Küche mit seinem Küchenteam, die mir tatsächlich ein wenig ans Herz gewachsen sind.