Ein Wohlfühlroman aus der Schlossküche

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„The House Witch“ von Emily Nikota ist ein klassischer Cozy-Fantasy-Roman, der mit viel Charme, liebenswerten Figuren und einer besonderen Wohlfühlatmosphäre überzeugt. Nur in puncto Spannung verliert er aus meiner Sicht ein paar Punkte.

Im Mittelpunkt steht Fin, eine sogenannte Haushexe, der eine Stelle als Koch am Königshof annimmt. Was zunächst nach einem ruhigen Leben hinter dem Herd klingt, entwickelt sich schnell zu einer Geschichte voller zwischenmenschlicher Dynamiken, leiser Entwicklungen und unterschwelliger Bedrohungen. Besonders gelungen ist dabei die Darstellung des Alltags in der Küche: Die Küchencrew wächst einem schnell ans Herz, und obwohl sich viele Szenen ums Kochen drehen, wird es nie langweilig. Im Gegenteil, gerade diese alltäglichen Momente sorgen für eine warme, fast heimelige Stimmung, die das Buch prägt.

Auch die Figuren sind eine große Stärke des Romans. Fin ist ein sympathischer Protagonist, den man gerne begleitet. Er tut zwar sehr abweisend, aber als Leser schließt man ihn sofort ins Herz. Annika blieb für mich lange geheimnisvoll und schwer greifbar, was sie aber interessant machte. Überraschend positiv fällt auch das Königspaar auf, das sehr menschlich und nahbar dargestellt wird. Nebenfiguren (allen voran die Mitglieder der Küchencrew) verleihen der Geschichte zusätzliche Tiefe und sorgen für viele schöne und auch humorvolle Momente.

Typisch für das Cozy-Genre steht weniger die große Handlung als vielmehr das Miteinander im Fokus. Zwar deutet sich im Hintergrund ein größerer Konflikt an, ein drohender Krieg wirft seine Schatten voraus, doch dieser bleibt zunächst eher im Hintergrund. Wer hier große Spannung erwartet, wird vielleicht nicht ganz abgeholt. Stattdessen punktet das Buch mit kleinen Episoden, zwischenmenschlichen Entwicklungen und Themen wie Freundschaft, Zusammenhalt und auch gesellschaftlichen Fragen, etwa im Umgang mit Homosexualität innerhalb der dargestellten Welt.

Die Liebesgeschichte zwischen Fin und Annika nimmt vor allem im letzten Drittel mehr Raum ein. Hier verliert der Roman für meinen Geschmack etwas an Leichtigkeit, da die Dynamik zwischen den beiden teilweise etwas anstrengend wirkt. Dieser Abschnitt konnte mich nicht ganz so überzeugen wie der Rest der Geschichte.

Positiv hervorzuheben ist zudem die hochwertige Gestaltung des Buches: Der Farbschnitt und das Cover sind sehr gelungen und passen hervorragend zur Thematik. Lediglich das schlichte Design unter dem Schutzumschlag wirkt im Vergleich etwas unspektakulär.

Insgesamt ist „The House Witch“ ein stimmungsvoller, ruhiger Fantasy-Roman, der besonders durch seine Atmosphäre und seine Figuren besticht. Trotz für mich kleiner Schwächen im Spannungsbogen und in der Liebesgeschichte macht das Buch viel Freude und hinterlässt den Wunsch, die Geschichte weiterzuverfolgen, zumal noch einige Handlungsstränge offen sind. Ich wäre bei Band 2 auf jeden Fall wieder mit dabei.

Fazit: Ein gemütlicher Fantasy-Roman mit viel Herz und liebenswerten Charakteren. Ideal für alle, die weniger Wert auf Action und mehr auf Atmosphäre legen.