Gemütlicher Einstieg in eine märchenhafte Cosy Fantasy

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odile Avatar

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Der junge Koch Finlay Ashowan tritt seine neue Stelle am Hof von Daxaria an. Was keiner erfahren soll, er ist eine Haushexe! Seine Zauberkräfte bündeln sich in allem, was Heim und Herd betrifft. Zunächst bringt er die Schlossküche in Ordnung, dann liefert er sich eine heftige Diskussion mit der Hausdame Ruby, die im deutlich mehr Helfer anträgt als Fin beschäftigen möchte. Je weniger Menschen der Koch um sich hat, um so sicherer fühlt er sich. Doch die geheimnisvolle Adelige Lady Annika und der siebenjährige Prinz Eric scheinen eine Vorliebe für Finlays Gesellschaft zu entwickeln. Und dann stellt ihn auch noch der Hofmagier auf die Probe.

Was ist Cosy Fantasy? Als solche wurde „The House Witch 1: Der Koch des Königs“ in meiner Lieblingsbuchhandlung beworben. Prompt wurde ich neugierig und gab dem Buch eine Chance. Ich habe es nicht bereut.

Finlay ist eine Haushexe. Genau genommen ist er der einzige seiner Art seit 100 Jahren. Viele der anderen Hexen schauen auf ihn herab, da er eine hybride oder „unreine“ Hexe ist, wie fanatische Puristen sagen. Zu diesen gehört auch sein eigener Vater, den er seit 20 Jahren nicht mehr getroffen hat. Die Menschen misstrauen allen Hexen, die erst seit 50 Jahren nicht mehr verfolgt werden. Das erklärt, warum Fin so eigenbrötlerisch ist und häufig unhöflich bis schroff erscheint. Erst im Schloss lernt er Freundschaft, Loyalität und Zuneigung abseits der Mutterliebe kennen. Das beginnt mit seinem tierischen Sidekick, dem kleinen Kater Kraken und setzt sich mit dem blitzgescheiten Prinzen Eric fort. Später beschützt er das Küchenmädchen Hannah vor den derben Späßen übergriffiger Ritter und gewinnt eine loyale Freundin. Dass er sich auch noch verliebt, damit hätte Fin selbst nicht gerechnet. Doch natürlich stehen dieser Verbindung große Hindernisse im Weg. Während dieser Entwicklungen im Schloss mehren sich im Land unheilvolle Zeichen. Das aggressive benachbarte Königreich Troivack rüstet zum Krieg gegen Daxaria. Annikas widerlicher Bruder Lord Piereva und Fins machtgieriger Vater Aidan Helmer, der dort als Militärchef agiert, sind daran maßgeblich beteiligt.

Nach und nach werden die zahlreichen Protagonisten vorgestellt, die dank des gemächlichen Erzähltempos den Leser nicht überfordern. Die Charaktere haben mich schnell begeistert. Der sympathische Fin, der sich seiner Fähigkeiten nicht voll bewusst ist und trotz einer liebevollen Mutter keine schöne Kindheit hatte. Die geheimnisvolle, mutige Annika, die sich als Frau in einer männerdominierten Welt durchsetzen will und eine fähige Spionin ist. Das Küchenmädchen Hannah, eine meiner Lieblingsfiguren, die mit Fins Hilfe ihr Selbstbewusstsein entdeckt und sehr loyal ist. Das sympathische Königspaar, Norman und Ainsley, mit ihrem liebenswürdigen Sohn. Auch die Nebencharaktere sind individuell gezeichnet, bspw. die drei bzw. vier ungehobelten Ritter, die eine erstaunliche Entwicklung durchlaufen.

Das Worldbuilding überzeugt, wir finden uns in einer mittelalterlichen Zeit wieder, die magische Elemente aufweist. Besonders gefallen hat mir die märchenhafte Atmosphäre und die gemütliche Entwicklung der Erzählung. Für manchen Leser kommt vermutlich die Spannung zu kurz, aber die Autorin stellt im Einstiegsband ihre Charaktere und die Schauplätze vor. Damit füllt sie locker die 624 Seiten des ersten Bandes, ohne dass bei mir Langeweile aufkam. Vielmehr hatte ich den Eindruck, dass nun die Weichen für den Fortgang der Geschichte gestellt sind. Lediglich mehr Raum für Kätzchen Krakens eigene Geschichte hat mir gefehlt. Insgesamt hat mich diese warme, märchenhafte Cosy Fantasy aber bestens unterhalten. Im englischen Original existieren bereits zwei weitere Bände, was mich auf eine baldige Fortsetzung der Reihe hoffen lässt.