Interessante Idee, aber keine spannende Umsetzung

Voller Stern Voller Stern Leerer Stern Leerer Stern Leerer Stern
feliz Avatar

Von

Die Gestaltung des Buches gefällt mir richtig gut. Die gesamte Darstellung der Küche wirkt mit den warmen-ruhigen Farben ungemein cozy und passt perfekt dazu, wie sich Finns Küche anfühlen könnte. Außerdem sind die kleinen Details wirklich toll gestaltet, weil sie Hinweise auf die Geschichte geben, ohne zu viel zu verraten.

Die Geschichte als solche fand ich ebenfalls vielversprechend: Als Finlay Ashowan die Stelle als königlicher Koch am Hof von König Norman von Daxaria annimmt, ahnt noch niemand, welche großen Veränderungen damit einhergehen. Denn Fin ist nicht nur ein begnadeter Küchenchef, sondern obendrein eine Haushexe mit magischen Fähigkeiten, die nicht nur für die Sicherheit der Küche sorgen, sondern nach und nach das gesamte Schloss schützen. Während Derexia am Rande eines Krieges mit dem mächtigen Nachbarland steht, muss Fin aggressive Magier, arrogante Ritter und verstörte Küchenhilfen managen. Doch je größer die Bedrohungen für das Reich werden, desto tiefer wird er in das Netz der Intrigen hineingezogen und muss bald seine sichere Küche verlassen, um die zu schützen, die ihm wichtig sind.

Ich war wirklich gespannt auf die Geschichte, weil die Voraussetzungen so anders erschienen und die Idee von Küchenmagie einen so cozy Vibe hatte. Allerdings konnte mich das Buch leider so gar nicht überzeugen. Das liegt auch am Schreibstil. Zu Beginn fand ich ihn vor allem ungewöhnlich und zum Teil ein wenig umständlich, mochte aber den Humor und habe deswegen auch weitergelesen. Allerdings wurde es mit zunehmendem Verlauf der Geschichte nicht einfacher, der Geschichte zu folgen, weil der Humor wirklich oft ins Alberne abdriftet und mich die Erzählperspektive zunehmend verwirrt hat. Ich habe schon lange kein Buch mehr mit einem omnipräsenten Erzähler gelesen und fand es hier auch immer irritierend, weil man zwar teilweise einen Einblick in alle Personen (und hin und wieder in die Katze Kraken) bekommt, aber man gleichzeitig das Gefühl hat, nie alles zu erfahren. Es hat mich jedes Mal wieder leicht aus der Richtung gebracht, wenn sich mitten im Kapitel die Perspektive verschoben hat und ich mich wieder neu orientieren musste.

Die Story als solche hatte wirklich viel Potenzial. Ich habe mich echt darauf gefreut, zusammen mit Fin in der Küche zu kochen und dabei fast schon zufällig auf Geheimnisse und Intrigen zu stoßen, doch nach einem etwas unruhigen, manchmal fast schon gehetzten Auftakt passiert erstaunlich wenig, besonders dafür dass das Buch mehr als 600 Seiten hat. Ich hätte gar nichts dagegen gehabt, wenn sich die Geschichte langsam entwickelt und man nach und nach mehr über die Personen im Schloss erfährt. Aber irgendwie passieren immer wieder kleinere Dinge, die aber oft keinerlei weitere Relevanz haben und die Story nicht wirklich voranbringen, während immer wieder drohende Krieg im Hintergrund schwelt.

Leider sind mir auch die Charaktere nicht wirklich ans Herz gewachsen. Ich mochte Fin zwar durchaus und fand seine Kräfte als Haushexe auch wirklich spannend, aber ich fand nicht alle seiner Handlungen wirklich logisch. Ich hatte immer wieder das Gefühl, ihn jetzt verstehen zu können und dann handelt er doch wieder anders, ich erwartet habe. Ich war auch kein großer Fan davon, dass er oft wenig Selbstbeherrschung hat und sich den höhergestellten Personen zum Teil wirklich respektlos verhalten hat. Ich habe nicht wirklich verstanden, warum er unbedingt am königlichen Hof arbeiten wollte, wenn er sich nicht zumindest ein bisschen in das vorhandene System halten will. Auch die anderen Charaktere konnte ich nie so richtig greifen, manche blieben recht oberflächlich, manche konnte ich lange nicht einschätzen und manche mochte ich schlicht einfach nicht, obwohl sie keine unsympathische Charaktere sein sollten. Vielleicht gab es einfach mit einem Schlag zu viele neue Charaktere und ich hatte nicht genügend Zeit, sie wirklich einschätzen zu können. Die einzige herausstechende Ausnahme ist vermutlich Prinz Eric, den ich wirklich toll fand. Endlich hatte man mal kein verzogenes, arrogantes Prinzlein, sondern ein neugieriges, höfliches, extrem liebenswertes Kind, dem seine zukünftigen Untertanen und sein Reich nicht egal ist. Er war einfach jedes Mal ein kleines Highlight und ich habe mich gefreut, ihn zusammen mit Kraken zu erleben.

Alles in allem hatte das Buch so viel Potenzial und das Setting gefiel mir auch außerordentlich gut, aber es konnte mich leider trotzdem nicht wirklich überzeugen. Das liegt vor allem daran, dass ich weder mit der Erzählart noch mit den Charakteren warm werden konnte und nie das Gefühl hatte, die Story so richtig zu durchschauen oder erkennen zu können, wohin sie eigentlich führen wird. Ich sehe zwar das Potenzial des Buches, aber ich werde einen zweiten Teil nicht lesen, dafür konnte ich mich zu wenig mit der Geschichte und der Welt anfreunden.