Verlorene Seelen finden sich

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madame_bibliophilia Avatar

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Eleonore oder auch Nore genannt, ist wohl der netteste und freundlichste Mensch in ganz Lower Whilby. Wer zieht schließlich schon so ein Maskottchenkostüm an, indem man lediglich schwitzt und das noch nicht einmal schön aussieht? Dennoch macht Nore immer das, was sie denkt, das von ihr erwartet wird. Dabei ist sie ein eher einsamer Mensch, da sie lediglich Jude als neue Freundin gewonnen hat. Nore ist aber auch super hilfsbereit und hilft den Menschen, die sie lieb hat.

Dex oder Joe, wie auch immer er genannt werden mag, hingegen ist das Gegenteil. Er ist nicht direkt unfreundlich, sondern verbringt sein Leben schlicht mit anderen Dingen. Joe versucht mit der Musik und seiner Band genauso erfolgreich wie seine Eltern zu werden. Das gelingt ihm im Moment jedoch nicht, sodass er bei James in Lower Whilby landet.

Gegensätzlicher können zwei Menschen vermutlich gar nicht sein. Noe auf der einen Seite und Joe auf der anderen. Dabei finde ich es schade, dass die beiden sich in der Leseprobe noch nicht begegnet sind. Deswegen bin ich sehr gespannt, wie die Dynamik zwischen Nore und Joe aussieht und sich im Laufe des Romans entwickelt. Verkörpert er das Abenteuer für sie, das sie nie hatte, und sie die Stabilität und Ruhe, die er nie hatte? Und vielleicht sind die beiden auch gar nicht so gegensätzlich. Schließlich sind beide auf eine bestimmte Art und Weise verlorene Seelen, die (hoffentlich) zueinander finden.

Kyra Groh kreiert zwei Charaktere, die auf den ersten Blick eher schmucklos wirken. Doch bei genauerem Hinsehen befindet sich bei beiden unter der Oberfläche so viel mehr Tiefe. Geplatzte Träume und eine gewisse Ausweglosigkeit. Des Weiteren gefällt mir der lockerlustige Schreibstil der Autorin, mit dem sie Schwung in die Geschichte bringt. Dennoch hat Kyra Groh ein gutes Auge für die tiefsinnigen Themen im Leben. Dabei spricht sie Trauer sowie komplizierte Familienverhältnisse an.

Das Cover vermittelt zudem eine fröhliche und leichte Frühlingsatmosphäre. Genauso stellt man sich Lower Whilby vor. Deswegen finde ich das Cover vor allem mit den Pastellfarben sehr passend gewählt. Ich frage mich, was es mit dem Getränk „Iced Caramel Coffee“ auf sich hat, und hoffe, dass das im Laufe des Romans aufgeklärt wird.

Ich würde mich sehr freuen, diese Geschichte weiterhin mitverfolgen zu dürfen. Was hat es mit Nores Einsamkeit und Joes Familienverhältnissen auf sich? Schließlich bin ich sehr gespannt, wie sich Nore und Joe kennenlernen, aber auch wie diese beiden verlorenen Seelen wirklich so richtig und wahrhaftig zueinander finden. Insgesamt erwarte ich von diesem Roman einen temporeichen Wechsel zwischen witzigen Szenen und bemerkenswerter Tiefsinnigkeit. Zudem wünsche ich mir, dass die Leserinnen und Leser einen genauen Einblick in die Gefühle der beiden Protagonisten bekommen und so eine Nähe zu den beiden aufbauen können, die die Leserschaft mitleiden oder besser mitfühlen lässt. Und hoffentlich finden die verlorenen Seelen am Ende zusammen!