Gegensätze ziehen sich an

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Eleanore, die offenbar noch nie einen Freund hatte, bekommt plötzlich Herzklopfen, als sie auf Dex trifft. Sie ist groß, trägt eine Brille, hat ein kleines Bäuchlein und ist auch sonst nicht Aufsehen erregend. Und das möchte sie auch gar nicht sein. Sie besucht andauernd das Grab ihrer verstorbenen Mutter und hadert mit sich und ihrem Selbstbewusstsein. Sie würde gern mehr aus sich herausgehen, aber dazu fehlt ihr schlicht und ergreifend der Mut.
Dex ist ein ausgebrannter Musiker, der sich langsam zugrunde richtet. Er lebt das Motto Sex, Drugs und Rock 'n Roll praktisch und versucht dennoch, seine Richtung im Leben zu finden. Seine berühmten Eltern, die Rockstars waren, dienen ihm als Vorbild. Doch langsam kommt er immer mehr vom Weg ab.

In der Kleinstadt Lower Whilby, wo Eleanore lebt, besucht Dex seinen Bruder James, der ein Café führt. Ab diesem Zeitpunkt verändert sich sein Leben - und auch das von Eleanore.

Die Liebesgeschichte zwischen Eleanore und Dex entwickelt sich langsam und bedächtig. Das fand ich total schön. Die beiden könnten nicht gegensätzlicher sein, und gerade das macht den Reiz aus. Keine scheinbar perfekte Menschen, die innerlich und äußerlich bestechen. Gerade die Unebenheiten machen jemanden interessant. Hinter die Fassade blicken, denjenigen herausfordern, andere Aspekte des Lebens dem Gegenüber zu zeigen, das ist spannend.
Eleanore gefiel mir als weiblicher Hauptcharakter sehr gut. Mit ihrer scheuen Art musste sie erst von Dex aus ihrem Schneckenhaus gelockt werden. Die Autorin macht anhand ihres Charakters deutlich, dass es auf die inneren Werte ankommt.

Dex habe ich auch von Anfang an gemocht. Man spürt, dass hinter seiner Fassade eine sensible Seele wohnt. Seine Verbitterung ist greifbar, aber nicht aussichtslos.

Auch das Thema Musik spielt eine Rolle in Form des alljährlich stattfindenden Springtide-Festivals.

Das Cover ist hübsch gestaltet. Allerdings hätte hier besser für Dex eine Figur gepasst, die mehr wie ein Rocker aussieht.

Der Schreibstil ist leicht und angenehm.

Ich möchte das Buch allen empfehlen, die gern über den Tellerrand hinausschauen, und Geschichten mögen, in denen die Protagonisten Ecken, Kanten und Rundungen haben.