Wenig Kyra Groh-Essenz

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marcello Avatar

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Kyra Groh halte ich wirklich schon lange die Treue. Deswegen war es schon etwas seltsam, dass sie inzwischen einer größeren Masse der Buchbubble ein Begriff ist, denn spätestens die Lower Whilby-Reihe hat sie echt durch die Decke schießen lassen und alle haben „The Pumpkin Spice Latte Disaster“ in die Kamera gehalten. Mehr Leute bedeutet mehr Meinung und so habe ich doch auch einige entdeckt, die von Groh keine Fans sind. Geschenkt, dafür sind Geschmäcker da, aber oh Schreck, hat mich das vielleicht irgendwie beeinflusst?

Ich stelle die Frage so in den Raum, weil mich „The Iced Caramel Coffee Agreement“ leider nicht abholen konnte. Dabei war ich im Vorfeld eigentlich genau auf den Band gespannt. Wir haben Eleanore und Dex beide schon in Band 1 kennengelernt und dementsprechend fand ich die angedeuteten Gegensätze sehr vielversprechend. Ich bin wieder per Hörbuch eingestiegen. Sandra Voss und Jesse Grimm sprechen Eleanore und Dex und ich fand beide nicht passend. Voss klang für mich für Eleanore zu alt und Grimm klang für Dex nicht frech und draufgängerisch genug. Er hat eine schöne warme Stimme, aber für so einen halben Rockstar hätte es das etwas Kantigeres gerne sein können. Grundsätzlich finde ich beide Stimmen für sich gut und sie haben die Vorlage auch gut eingesprochen, aber weil die Geschichte mich schon nicht so wie gewünscht packen konnte, kamen dann die Stimmen noch oben drauf, weil sie eine weitere Barriere waren. Echt schade.

Warum habe ich aber inhaltlich nicht den Einstieg gefunden? Die leichteste Antwort dafür ist wohl vor allem, dass es einfach zu viel Geschichte gab. Aber da war nicht genug Handlung drin, die mich atemlos bei der Stange gehalten hat. Stattdessen fand ich viele der inneren Prozesse von beiden Figuren zu langatmig, dann waren einige Umstände in der Stadt einfach echt absurd und so stapelte sich eins aufs andere. Da ich im letzten Jahr immer mehr Hörbücher hatte, stellt es sich bei mir kaum noch ein, dass beim Hören meine Gedanken wegwandern, aber hier passierte es leider wieder und es hat mich geärgert, weil ich das bei der Geschichte nicht wollte. Was mich aber wohl am meisten enttäuscht hat, dass war auch, dass der Humor für mich nicht überspringen wollte. Groh ist für mich Humor, das ist ihre Stärke und ich war mir auch sicher, dass sich Eleanore bestens eignet, aber es wollte nicht zünden. Jetzt mag es auch daran liegen, dass Eleanore eine Figur ist, die mir echt sehr nah ist. Ich erkenne mich in vielem davon wieder und auch wenn ich manches selbst schon in den Griff bekommen habe, anderes nicht, so sind es natürlich trotzdem Themen, die auch wehtun können und dementsprechend waren manche von Eleanores Gedanken oder auch geäußerten Bemerkungen echt schmerzhaft, weil ich sie am liebsten dafür geschüttelt hätte.

Dem gegenüber wirkte Dex dann viel zu unbedarft. Auch wenn ich ebenfalls glaube, dass so eine Figur wie Eleanore jemanden braucht, der in gewissen Boxen nicht denkt, so ist für mich leider nicht wirklich ein Diskurs darüber entstanden, was Eleanore fühlt. Dex hat zwar nichts falsch gemacht, aber er wirkte dann in seinen Gefühlen zu schnell und zu perfekt. Und weil so die großen Themen, die ich erwartet hätte, nicht so viel Raum bekommen haben, frage ich mich nun natürlich: Worum ging es eigentlich? Und dann wäre wir wieder bei viel Handlung, ohne dass aber wirklich exakt so viel passiert wäre. Man sollte Bücher nicht aufblähen, nur weil immer dickere Bücher immer beliebter werden. Lieber bei der Basis bleiben und die Basis von Kyra Groh habe ich hier einfach viel zu wenig entdeckt.

Fazit: „The Iced Caramel Coffee Agreement“ ist für mich das bislang schwächste Buch von Kyra Groh. Ich habe den Kern ihrer Erzählstimme hier zu wenig entdeckt und ich fand vor allem, dass es zwar viele Seiten/Hörstunden gab, aber nicht ebenso viel Inhalt. Ich hatte mich im Vorfeld sehr auf die Liebesgeschichte gefreut, aber sie hat mich in diesem Korsett nicht kriegen können. So hoffe ich einfach, dass mich der Abschluss wieder versöhnen kann.