Zurück in eine Welt, die sich wie zu Hause anfühlt

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frieda500 Avatar

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Ich muss direkt vorweg sagen: Ich liebe die Bücher von Abby Jimenez. Wirklich. Ich habe jedes einzelne, das bisher auf Deutsch erschienen ist, bei mir im Regal stehen – und ich habe sie alle geliebt. Deshalb war meine Vorfreude auf diese Leseprobe riesig. Und ich hatte ein bisschen Angst. Weil man bei einer Autorin, die man so vergöttert, immer hofft, dass dieses besondere Gefühl wieder da ist. Und was soll ich sagen? Es war nach wenigen Seiten sofort wieder da.

Schon das Cover mit dem Feuerwerk über dem See wirkt ruhig, fast sanft – und wenn man dann den Hinweis der Autorin liest, dass trotz des comicartigen Designs ernste Themen behandelt werden, weiß man eigentlich schon: Das wird wieder genau diese Mischung aus Humor, Tiefe und emotionalem Realismus, für die ich sie so liebe.

Der Einstieg aus Chris’ Perspektive um 5:15 Uhr morgens, als sein bester Freund ihn bittet, Larissa und ihre Mutter ins Krankenhaus zu fahren, hat mich sofort gepackt. Man ist direkt drin. Keine unnötige Vorgeschichte, kein langes Warmwerden – sondern mitten im Geschehen. Und genau das kann Abby Jimenez einfach unfassbar gut: Figuren so natürlich einführen, dass sie sich nach wenigen Seiten wie echte Menschen anfühlen.

Chris mochte ich auf Anhieb. Diese Mischung aus leicht grummeliger Müdigkeit, Loyalität gegenüber seinem Freund und dieser stillen Fürsorge, die dann im Krankenhaus so richtig durchscheint – ich war sofort Team Chris. Besonders die Szene im Café hat mich komplett abgeholt. Dieses Brot-Bewerten, diese kleinen Dialoge, das vorsichtige Abtasten, während im Hintergrund eigentlich existenzielle Sorgen stehen – das ist so typisch für die Autorin. Leichtfüßiger Humor, während emotional eigentlich alles brennt.

Larissa hat mich genauso berührt. Ihre finanzielle Situation, der Kreditkartenbetrug ihres Vaters, die Angst um ihre Mutter, die OP – das alles fühlt sich so real an. Und trotzdem kippt es nie ins Melodramatische. Man merkt, wie erschöpft sie ist, wie sehr sie versucht, irgendwie stark zu bleiben. Und dann kommt da dieser Moment, in dem Chris einfach bleibt. Ohne großes Drama. Ohne Heldengeste. Er bleibt einfach. Und genau das hat mich.

Was ich besonders liebe – und das war auch hier wieder sofort da – ist dieser Dialogwitz. Die Gespräche über Bücher, über Verfilmungen, über Lesegewohnheiten – ich habe beim Lesen wirklich geschmunzelt. Und als jemand, der selbst Bücher verschlingt, habe ich mich da natürlich doppelt abgeholt gefühlt. Diese Dynamik zwischen den beiden wirkt nicht konstruiert, sondern echt. Man spürt das Knistern, obwohl eigentlich noch gar nichts „passiert“.

Gleichzeitig schwingt so viel mehr mit: Chris’ Trauer um seine Mutter, Larissas Überforderung, die moralische Zerrissenheit gegenüber Mike. Und dann dieser kleine Hund hinter den Müllcontainern – ganz ehrlich, spätestens da hatte mich die Geschichte komplett. Diese Szene war gleichzeitig niedlich, traurig und irgendwie symbolisch für beide Figuren: Zwei Menschen, die selbst gerade ein bisschen verloren sind, kümmern sich um etwas noch Verletzlicheres.

Für eine Leseprobe passiert hier erstaunlich viel, ohne überladen zu wirken. Es wird Spannung aufgebaut, nicht durch Drama im klassischen Sinn, sondern durch emotionale Komplexität. Ich frage mich jetzt schon: Wie wird sich das zwischen Chris und Larissa entwickeln? Was passiert mit Mike? Wie gehen beide mit ihrer Trauer und ihren Baustellen um? Und vor allem: Wird dieses zarte Band, das sich hier anbahnt, stärker oder zerreißt es?

Was ich von der Geschichte erwarte? Ehrlich gesagt genau das, was Abby Jimenez für mich immer liefert: Humor, der nicht oberflächlich ist. Schmerz, der nicht erdrückt, sondern nachvollziehbar ist. Und eine Liebesgeschichte, die sich nicht kitschig anfühlt, sondern verdient.

Diese Leseprobe hat bei mir sofort wieder dieses Gefühl ausgelöst, das ich bei ihren Büchern immer habe: Dieses „Ich will hier bleiben. Ich will wissen, wie es weitergeht. Und ich werde dieses Buch vermutlich in zwei Tagen durchsuchten.“ Ich bin emotional schon komplett investiert – und das nach nur wenigen Kapiteln.

Kurz gesagt: Meine Erwartungen sind hoch. Aber wenn diese Leseprobe ein Vorgeschmack ist, dann wird dieses Buch wieder genau das, was ich mir von Abby Jimenez erhoffe. Und ich kann es kaum erwarten, den Rest zu lesen.