Die Konsequenzen einer Nacht

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merleredbird Avatar

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Danke an LovelyBooks und den dtv Verlag, die mir dieses Buch im Rahmen einer Leserunde zur Verfügung gestellt haben. Meine Meinung ist davon jedoch unabhängig.

Ich bin ein großer Fan von Abby Jimenez, besonders ihre „Part of Your World“ Reihe hat es mir angetan. Auch das Vorgängerbuch hierzu, „Say You’ll Remember Me“ hatte ich gelesen – zum Kontext: die männlichen Love Interests aus den drei Bänden sind befreundet. Sam und Xavier (ein Tierarzt) erhalten im 1. Band ihr Happy End und dürfen natürlich auch in diesem Buch nicht fehlen. Ich wusste also schon grob, worauf ich mich einlasse bei Abby Jimenez: toller Schreibstil, komplexe Elternbeziehungen, süße Hunde und eine nicht zu kitschige Liebesgeschichte.

Das Setup von The Night We Met ist einfach: Larissa hat nach einem Konzert die Wahl, wer sie aus einer Freundesgruppe nach Hause fährt: der nette Mike oder der schüchtere Chris. Sie entscheidet sich für Mike und die beiden kommen schnell zusammen. Das Problem? Chris steht immer noch auf sie, aber als Mikes bester Freund will er sich nicht dazwischendrängen. Im Laufe des Buches treffen die beiden immer wieder aufeinander und Larissa muss feststellen, dass sie in dieser Nacht vielleicht doch nicht die richtige Entscheidung getroffen hat…

Dem Buch liegen ein paar Konzepte bzw. tropes zugrunde, die ich an sich gut finde. Es geht einerseits um den Schmetterlingseffekt, also wie eine einzige (kleine) Entscheidung den Verlauf des Lebens beeinflusst. Gleichzeitig geht es auch um „Fehlkommunikation“ bzw. um unterschiedliche Auffassungen ein- und derselben Situation. Denn Larissa entscheidet sich in der Nacht des Konzertes für Mike, da dieser netter und motivierter wirkt. Was sie nicht weiß: die Mutter von Chris ist kürzlich verstorben und er war noch am Trauern, und deshalb an dem Abend nicht so extrovertiert wie sonst – Larissa versteht sein Verhalten allerdings als Schüchternheit und Desinteresse.

„Ich kann entweder meinem Traum hinterherjagen oder mich mit dem Leben zufriedengeben, das ich habe. Letzteres werde ich auf keinen Fall tun, aber das heißt nicht, dass ich damit irgendetwas erreiche, nur, dass ich nie aufhören werde, es zu versuchen.“

Larissa und Chris als Charaktere haben mir gut gefallen. Larissa hat es nicht einfach im Leben, ihr Vater hinterlässt ihr einen Berg Schulden und ihre Mutter fällt ständig auf die falschen Männer rein. Sie hangelt sich von Job zu Job und kommt irgendwie so um die Runden.

Chris ist Apotheker (übrigens gibt’s da mehrere echt witzige Szenen von Kundeninteraktionen aus der Apotheke!) und hat sich ein gutes Leben aufgebaut. Die Familie von Mike ist wie seine eigene, da er quasi dort aufgewachsen ist, während seine eigenen Eltern ebenfalls nicht die besten Vorbilder waren. Und so hat Chris auch eine extrem hohe Loyalität gegenüber Mike – auch wenn dieser sich Larissa gegenüber nicht sehr vorbildlich verhält.

Und so ist auch ein großes Thema des Buches platonische Freundschaftsbeziehungen und den Herzschmerz, die diese verursachen können, wenn man sich weiterentwickelt und ggf. auch der Freundschaft entwächst.

Moralisch gesehen hat sich die Story für mich überraschend lange in einer Grauzone bewegt – sich während einer Beziehung in wen anders verlieben kann passieren, aber Larissa braucht wirklich seeeehr lange, um sich dem ganzen bewusst zu werden und je nach Interpretation der Grenzen wird hier jemand (emotional) betrogen. Zudem muss ich sagen, dass ich das Verhalten von Chris etwas too much fand. Okay, vielleicht ist seine Sprache der Liebe „Taten der Zuneigung“. Aber nachts das Auto vom Schnee freischaufeln, ohne was zu sagen? Bezüglich ihrer Allergie nicht nur ihren EpiPen immer kontrollieren, sondern auch selber ungefragt einen eigenen Pen mit sich rumtragen?? Sorry, aber das fand ich schon fast etwas übergriffig, und definitiv nicht süß und fürsorglich.

Deshalb: ich mochte die Charaktere – an sich. Ich mag Abbys Schreibstil und in diesem Buch sind einige extrem lustige Szenen drin (wie die Apothekengespräche – oder die Wanderung des Grauens). Aber wie lange das „nach der Freundin des besten Freundes gaffen/dem besten Freund des boyfriends nachlüstern“ hinausgezogen wurde, fand ich wirklich schwierig und war irgendwann auch genervt davon. Das kann die Autorin besser, und mit einem anderen Pacing hätte mir das Buch ziemlich sicher besser gefallen.

Von mir gibt’s 3.5-4 Sterne und ich muss zugeben, dass die vorherige Reihe der Autorin (Part of Your World, Yours Truly, Just for the Summer) mir deutlich, deutlich besser gefallen haben als jetzt diese Reihe. Ich werde aber trotzdem noch den dritten, für Frühjahr 2027 angekündigten Band Feels Like Falling lesen – denn der soll wohl Mikes Redemption Arc sein und ich bin extrem gespannt darauf, wie Abby ihn da zu einem sympathischen Protagonisten machen will und ob sein toxisches Verhalten hier irgendwie erklärt/relativiert werden kann.