Wenn es kein Richtig und kein Falsch gibt
Chris und Mike kennen sich schon ewig und sind enge Freunde. Natürlich springt Chris also ein, wenn Mike ihn um Hilfe bittet: Die Mutter seiner Freundin zu einer OP fahren, eine geplante Wanderung ohne ihn unternehmen, im Restaurant einspringen als seine Kreditkarte nicht funktioniert. Dass die Gründe für Mike’s Ausfälle weniger wie von ihm behauptet Migräneattacken sind, sondern vielmehr seine häufiger werdenden Eskapaden, durchschaut Chris schnell. Doch er kommt nicht an seinen Freund ran, egal wie sehr er versucht, ihm zu helfen. Währenddessen führt Chris Einspringen ihn immer wieder mit Mike’s Freundin Larissa zusammen. Es wird immer deutlicher, wie gut sie sich verstehen und wie viel sie gemeinsam haben. Sie wären ein perfektes Match, doch niemals würde Chris seinen Freund so hintergehen. So setzt er im Verborgenen alle Hebel in Bewegung, um Larissa zu unterstützen. Währenddessen wird die Situation mit Mike immer schwieriger und droht, zu eskalieren.
Abby Jimenez ist mir seit einiger Zeit ein Begriff und ich schätze ihren Schreibstil und die Geschichten, die sie erzählt, sehr. Diese sind immer etwas Besonderes, haben Charakter, heben sich von anderen Büchern ab und nehmen einen beim Lesen mit auf eine emotionale Reise. So auch hier wieder: Die Autorin schafft es wie keine Zweite, ihre Leser in die komplizierte Gefühlswelt von Chris und Larissa mitzunehmen und stellt die Zerissenheit zwischen jahrelanger Freundschaft, Beziehung, Vertrauen, Sorge, Beschützerinstinkt und Liebe wunderbar plastisch dar. Zu keinem Zeitpunkt hätte ich sagen können, welcher der Charaktere richtig und welcher falsch handelt, wer im Recht oder wer im Unrecht ist. Mike’s Handlungen waren mir zwar mehr und mehr zuwider, gleichzeitig aber unheimlich nachvollziehbar und ich konnte ihn nicht als den Bösen betrachten. Das wird auch stark von Chris‘ und auch Larissa’s Sicht auf Mike getragen und bei allem Entsetzen ist auch immer Verständnis da. Chris‘ steht völlig zwischen seinen starken Empfindungen für Larissa und seinem Ehrgefühl und seiner Sorge um seinen besten Freund, an den er einfach nicht herankommt. Larissa wird sich ihrer Gefühle für Chris irgendwann klar, ihr moralischer Kompass macht aber eine Trennung von Mike unmöglich.
Tragisch – mit diesem Begriff lässt sich das Gesamtgefühl dieses Buchs sehr treffend zusammenfassen. Man leidet mit, wünscht sich eine Weiterentwicklung, weiß jedoch gleichzeitig nicht, in welche Richtung eigentlich, denn es scheint keine gute Lösung zu geben. Zwischendrin gab es meiner Meinung nach immer wieder mal ein paar Längen, ggf. aber auch ein stilistisches Mittel, weil sie dieses gefühlte Auf-der-Stelle-Treten sehr gut transportieren. Daneben bringt die typische Portion Humor einen, wie in allen Büchern der Autorin, immer wieder zum Schmunzeln.
Nicht vollständig abgeholt hat mich das Verhältnis zwischen Larissa und Chris bzw. die Art und Weise wie Larissa zeitweilig dargestellt wird. Sie ist einerseits eine starke Frau, die niemals aufgibt, sich mit einer Vielzahl an parallelen Jobs durchschlägt und immer wieder neue kreative Ideen auftreibt, um sich selbst zu helfen. So wartet sie eigentlich nicht auf den Retter in der Not, auch wenn man ihr jede Unterstützung wünscht. Bis zu einem gewissen Maße hat es mich somit gerührt, wie sehr Chris sich ihrer Bedürfnisse annimmt, für sie da ist und teils im Verborgenen kleine unterstützende Gesten anbringt. An einem gewissen Punkt schlug es in meinen Augen jedoch fast in eine gewisse Übergriffigkeit um und mir kamen die geleisteten Gefallen einfach etwas überzogen dar. Ein Beispiel: Einmal fährt er morgens um vier Uhr durch die halbe Stadt, um ihr Auto vom vielen Schnee zu befreien, während sie noch schläft, damit sie es morgens nicht selbst machen muss und schnell zu ihrem Job aufbrechen kann. Er ist der Meinung, das sei eigentlich Mike’s Aufgabe, die dieser jedoch nicht erfüllt. Hier wirkt Chris auf mich fast schon etwas besessen im Hinblick auf all die Erwartungen, die er an einen guten Freund stellt. Gleichzeitig lässt diese Art von Chris Larissa irgendwie hilfsbedürftiger erscheinen als sie eigentlich sein sollte. Letztlich war mir ihre Unfähigkeit, sich trotz aller Bemühungen aus ihrer fast schon überzogen tragischen Situation zu befreien, und auch diese tragische Situation selbst einfach ein wenig zu dick aufgetragen.
Insgesamt halte ich The Night We Met nicht für das stärkste Buch von Abby Jimenez, aber dennoch für sehr lesenswert. Eine Empfehlung für alle, die gerne in eine emotionale Geschichte abtauchen und ihr Gefühl für Richtung und Falsch auf die Probe stellen wollen, ohne dabei jedoch auf das eine oder andere Schmunzeln zu verzichten.
Abby Jimenez ist mir seit einiger Zeit ein Begriff und ich schätze ihren Schreibstil und die Geschichten, die sie erzählt, sehr. Diese sind immer etwas Besonderes, haben Charakter, heben sich von anderen Büchern ab und nehmen einen beim Lesen mit auf eine emotionale Reise. So auch hier wieder: Die Autorin schafft es wie keine Zweite, ihre Leser in die komplizierte Gefühlswelt von Chris und Larissa mitzunehmen und stellt die Zerissenheit zwischen jahrelanger Freundschaft, Beziehung, Vertrauen, Sorge, Beschützerinstinkt und Liebe wunderbar plastisch dar. Zu keinem Zeitpunkt hätte ich sagen können, welcher der Charaktere richtig und welcher falsch handelt, wer im Recht oder wer im Unrecht ist. Mike’s Handlungen waren mir zwar mehr und mehr zuwider, gleichzeitig aber unheimlich nachvollziehbar und ich konnte ihn nicht als den Bösen betrachten. Das wird auch stark von Chris‘ und auch Larissa’s Sicht auf Mike getragen und bei allem Entsetzen ist auch immer Verständnis da. Chris‘ steht völlig zwischen seinen starken Empfindungen für Larissa und seinem Ehrgefühl und seiner Sorge um seinen besten Freund, an den er einfach nicht herankommt. Larissa wird sich ihrer Gefühle für Chris irgendwann klar, ihr moralischer Kompass macht aber eine Trennung von Mike unmöglich.
Tragisch – mit diesem Begriff lässt sich das Gesamtgefühl dieses Buchs sehr treffend zusammenfassen. Man leidet mit, wünscht sich eine Weiterentwicklung, weiß jedoch gleichzeitig nicht, in welche Richtung eigentlich, denn es scheint keine gute Lösung zu geben. Zwischendrin gab es meiner Meinung nach immer wieder mal ein paar Längen, ggf. aber auch ein stilistisches Mittel, weil sie dieses gefühlte Auf-der-Stelle-Treten sehr gut transportieren. Daneben bringt die typische Portion Humor einen, wie in allen Büchern der Autorin, immer wieder zum Schmunzeln.
Nicht vollständig abgeholt hat mich das Verhältnis zwischen Larissa und Chris bzw. die Art und Weise wie Larissa zeitweilig dargestellt wird. Sie ist einerseits eine starke Frau, die niemals aufgibt, sich mit einer Vielzahl an parallelen Jobs durchschlägt und immer wieder neue kreative Ideen auftreibt, um sich selbst zu helfen. So wartet sie eigentlich nicht auf den Retter in der Not, auch wenn man ihr jede Unterstützung wünscht. Bis zu einem gewissen Maße hat es mich somit gerührt, wie sehr Chris sich ihrer Bedürfnisse annimmt, für sie da ist und teils im Verborgenen kleine unterstützende Gesten anbringt. An einem gewissen Punkt schlug es in meinen Augen jedoch fast in eine gewisse Übergriffigkeit um und mir kamen die geleisteten Gefallen einfach etwas überzogen dar. Ein Beispiel: Einmal fährt er morgens um vier Uhr durch die halbe Stadt, um ihr Auto vom vielen Schnee zu befreien, während sie noch schläft, damit sie es morgens nicht selbst machen muss und schnell zu ihrem Job aufbrechen kann. Er ist der Meinung, das sei eigentlich Mike’s Aufgabe, die dieser jedoch nicht erfüllt. Hier wirkt Chris auf mich fast schon etwas besessen im Hinblick auf all die Erwartungen, die er an einen guten Freund stellt. Gleichzeitig lässt diese Art von Chris Larissa irgendwie hilfsbedürftiger erscheinen als sie eigentlich sein sollte. Letztlich war mir ihre Unfähigkeit, sich trotz aller Bemühungen aus ihrer fast schon überzogen tragischen Situation zu befreien, und auch diese tragische Situation selbst einfach ein wenig zu dick aufgetragen.
Insgesamt halte ich The Night We Met nicht für das stärkste Buch von Abby Jimenez, aber dennoch für sehr lesenswert. Eine Empfehlung für alle, die gerne in eine emotionale Geschichte abtauchen und ihr Gefühl für Richtung und Falsch auf die Probe stellen wollen, ohne dabei jedoch auf das eine oder andere Schmunzeln zu verzichten.