Kurzweilig, aber nicht besonders originell

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caro la Avatar

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„The Ordeals“

ist ein Romantasy‑Roman mit Dark‑Academia‑Elementen, in dem eine junge Magiebegabte in tödlichen Aufnahmeprüfungen um ihre Freiheit und einen Platz an einer Elite‑Akademie kämpft
Protagonistin ist die 20‑jährige Sophia DeWinter, eine Illusionistin, die durch einen Blutpakt an ihren grausamen Onkel „den Sammler“ gebunden ist. Ihre einzige Chance auf Freiheit ist Killmarth College, eine Elite‑Akademie für Magiebegabte; um aufgenommen zu werden, muss sie erst ein Eingangsexamen und dann die eigentlichen „Ordeals“, eine Reihe brutaler Prüfungen, überstehen, bei denen viele Bewerber sterben. Die Welt ist von unterschiedlichen Magiearten geprägt (Illusionisten, Botaniker, Alchemisten usw.), und das Setting trägt starke Dark‑Academia‑Züge mit einer abgelegenen, gefährlichen Hochschule. Zentral sind Sophia und der rätselhafte Botaniker Alden Locke, mit dem sie eine widerwillige Allianz eingeht, die sich zu einer romantischen Spannung entwickelt. Thematisch geht es um Selbstbestimmung gegen Missbrauch und Kontrolle, Vertrauen in einem Umfeld von Konkurrenz und Verrat sowie um die Frage, wie weit man für Freiheit und Zugehörigkeit gehen will. Eine zusätzliche Ebene bildet ein politischer Hintergrund: Killmarth dient nicht nur der Bildung, sondern fungiert auch als Rekrutierungsort für einen drohenden übernatürlichen Krieg – etwa gegen vampirische Wesen („die Kalten“), die es auf magisches Blut abgesehen haben.
Der Roman kombiniert Konkurrenz‑Plot (Prüfungen, Eliminierungen von 52 auf 20 Bewerber) mit Mystery‑Elementen, da Bewerber außerhalb der Prüfungen ermordet werden und unklar ist, wem man trauen kann. „The Ordeals“ bietet solide Romantasy‑Unterhaltung mit viel Tempo und Drama, bleibt aber in Figurenzeichnung, Magiesystem und Originalität deutlich hinter seinen großen Vorbildern zurück.
Die deutsche Ausgabe ist gut lesbar, aber nicht besonders sprachlich herausragend übersetzt; zudem hat es einige ärgerliche Rechtschreib‑ und Tippfehler, was bei einem hochpreisigen Hardcover negativ auffällt.
The Ordeals liest sich wie eine Mischung aus „The Hunger Games“, „Fourth Wing“ (ohne Drachen) und „Harry Potter“ - tödliche Prüfungen, Magie‑College, Häuser‑Struktur und Dark‑Academia‑Schule inklusive. Das sorgt zwar für einen gewissen Wohlfühl‑Wiedererkennungseffekt, macht den Roman aber auch vorhersehbar, weil Tropen wie: gefährliche Auswahlspiele, magische Eliteschule, Rivalen‑zu‑Liebenden‑Beziehung und Schüler‑Häuser kaum neu variiert werden.
Klassische Genre‑Elemente wie Magier, Werwölfe und Vampire tauchen eher als vertraute Versatzstücke auf und sind wenig originell.
Die beschriebene Welt bleibt nur skizziert – moderne Elemente wie Autos und Züge treffen auf alte Magie und Götter, ohne dass politische oder gesellschaftliche Strukturen klar erklärt werden.
Die Magiearten (Illusionisten, Botaniker, Maskierer, Alchemisten) werden angerissen und in den Prüfungen eingesetzt, bleiben aber zu wenig ausgearbeitet, sodass das System eher wie Kulisse wirkt.
Wer sich detaillierte Erklärungen der Funktionsweise der Magie, ein komplexes Setting oder innovative Fantasy‑Konzepte erhofft, bekommt hier eher „viel Drama, viele Tote, wenig tiefes Worldbuilding“ – kurzweilig, aber nicht besonders neu.