Von allem was dabei

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stef9274 Avatar

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Der erste Eindruck von "The Ordeals" hat wirklich Lust auf mehr gemacht: Dark Academia-Vibes, gepaart mit potenziell tödlichen Aufgaben wie in "Die Tribute von Panem", gleichzeitig klang auch ein bisschen "Der Name des Windes" an. Dementsprechend hatte ich vielleicht ein bisschen hohe Erwartungen an den Roman. Vorab: Man bekommt durchaus, was versprochen wurde, aber eben nicht auf dem Level der genannten anderen Werke. Am Ende fehlt irgendwie das letzte Bisschen. Insgesamt eine unterhaltsame Romantasy-Geschichte mit tollem Setting und gutem Potenzial, das aber hier und da noch mehr Tiefe hätte entwickeln dürfen.

Wir begleiten Sophia DeWinter erst einmal auf ihrer Flucht vor "dem Sammler", der sie aufgezogen und ausgebildet hat. Mithilfe eines magischen Armbands und eines Zaubers bindet er sie an sich, und das will Sophia nicht länger hinnehmen. Was genau der Auslöser dafür ist, blieb mir als Leserin verborgen. Insgesamt konnte ich zur Protagonistin nicht die Nähe aufbauen, die ich mir gewünscht hätte. Ihr innerer Monolog ist zwar recht umfangreich, aber redundant und ihre tiefere Motivation wird nicht so richtig greifbar.

Dann geht es für Sophia schlussendlich nach Killmarth, eine magische Akademie, die mich an eine Mixtur aus Hogwarts und Basgiath erinnert hat. Es gibt verschiedene Häuser und Begabungen. Um endgültig aufgenommen zu werden, muss aber jeder Hoffnungsvolle erst die Ordeals bestehen, die potenziell tödlich sind. Auch die Aufgaben bleiben leider eher an der Oberfläche und sind meiner Meinung nach eher wahllos zusammengewürfelt. Teilweise fühlte ich mich auch an "Divergent" erinnert, wo die Protagonisten ab und an in Simulationen gefangen sind und das erkennen müssen - ebenso verhält es sich mit den Illusionen, die bei den Ordeals vorherrschend sind.

Natürlich gibt es mit Alden Locke auch einen Love Interest, den Sophia schon vor den Ordeals in einem Gasthaus trifft. Zwischen den beiden knistert es direkt - aber nach meinem Gefühl nicht so richtig gewaltig. Es bleibt für mich nicht greifbar, woraus diese Anziehung resultiert; auch die Beziehung der beiden bleibt an der Oberfläche - außer, dass man plötzlich um jeden Preis verhindern will, dass der andere getötet wird, sprangen bei mir kaum Gefühle über.

Etwas merkwürdig gewählt fand ich "die Kalten" als Gefahr über die Ordeals hinaus. Das ist aber eine echte Geschmackssache. Für mich passte diese Spezies irgendwie nicht ins Setting und irgendwie habe ich mich auch ein bisschen an der Bezeichung gestoßen. Aber wie gesagt: Geschmackssache.

Es war also von allem, was man in anderen Erzählungen schon geliebt hat, etwas dabei. Sofern man diese Vergleiche nicht anstellt oder aus dem Hinterkopf lässt, hat man auf jeden Fall unterhaltsame und atmosphärische Lesestunden. Das Potenzial ist da - mir fehlte lediglich der Tiefgang.