Wenn die Fantasy überzeugt, die Liebe aber stolpert

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franeeeeee Avatar

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The Ordeals von Rachel Gleenlaw hat mir insgesamt sehr viel Spaß gemacht und war für mich auch das erste Buch dieser Art mit tödlichen Spielen bzw. Prüfungen. Genau dieses Element hat mich sofort angesprochen. Die Geschichte punktet mit originellen Themen, kreativen Fantasy-Elementen und einem sehr packenden Einstieg, der mich von Anfang an in seinen Bann gezogen hat.

Erzählstil & Perspektive

Das Buch ist klar und übersichtlich strukturiert. Zu Beginn bekommen wir einen gelungenen Einstieg in die Handlung. Erzählt wird die Geschichte ausschließlich aus der Ich-Perspektive von Sophia. Dadurch ist man sehr nah an der Protagonistin und kann ihre Gedanken und Gefühle gut nachvollziehen. An manchen Stellen wirkte diese Perspektive jedoch etwas einseitig, da mir gelegentlich andere Blickwinkel oder zusätzliche Informationen gefehlt haben. Das ist jedoch nicht ausschließlich dem Erzählstil geschuldet.

Schreibstil & Atmosphäre

Der Schreibstil ist insgesamt sehr treibend, atmosphärisch und sorgt dafür, dass man schnell durch die Seiten fliegt. Nur in wenigen Szenen fiel es mir etwas schwer, mir alles bildlich vorzustellen, was jedoch meinen Lesefluss kaum gestört hat. Besonders positiv fand ich die Kapitelüberschriften, da sie die Stimmung gut einfangen haben

Welt & Setting

Die Welt wirkt auf den ersten Blick modern, Autos werden zumindest einmal erwähnt, rückt jedoch nicht stark in den Vordergrund. Dadurch bleibt viel Raum für die eigentliche Handlung und das Magiesystem. Man kann sich eine eher moderne, aber nicht zu dominante Umgebung vorstellen, die vor allem als Bühne für die Fantasy-Elemente dient.

Magiesystem & Akademie

Ein großer Pluspunkt des Buches ist das Magiesystem. Es gibt Illusionisten, Botaniker, Alchemisten sowie Gestaltwandler, die sogenannten Maskierer. Obwohl einige dieser Magiearten zunächst vertraut erscheinen, ist ihre konkrete Ausgestaltung kreativ und interessant umgesetzt. Besonders die Akademie, an der diese Wirkmagie gelehrt wird, spielt eine zentrale Rolle und trägt stark zur Atmosphäre der Geschichte bei.

Die Ordeals: Prüfungen, Spannung & Mystery

Im Mittelpunkt der Handlung stehen die sogenannten Ordeals, tödliche Prüfungen, die Sophia bestehen muss, um eine vollwertige Studentin der Akademie zu werden. Dieses Setting sorgt für eine konstant hohe Spannung. Man bangt mit der Protagonistin und weiß nie, was als Nächstes passieren könnte. Zusätzlich gibt es mehrere Morde, deren Hintergründe lange im Dunkeln bleiben, was der Geschichte eine starke mysteriöse Komponente verleiht.

Nebencharaktere, Dynamik

Die Nebencharaktere haben mir insgesamt sehr gut gefallen. Sie sind abwechslungsreich gestaltet, nicht eintönig und besitzen klare Charakterzüge. Besonders die Dynamik zwischen Sophia und den anderen Figuren, vor allem innerhalb der Ordeals; hat mir viel Spaß gemacht und zur Spannung sowie zur emotionalen Tiefe der Geschichte beigetragen.

Auch die Dynamik zwischen den beiden zentralen Protagonisten hat mir zu Beginn sehr gut gefallen. Durch die Umstände der Ordeals kommen sie sich gezwungenermaßen näher, was zu vielen humorvollen, neckerischen Momenten führt. Dieses spielerische, leicht sarkastische und zugleich respektvolle Miteinander hat für mich sehr gut funktioniert und war einer der Aspekte, die ich besonders gern gelesen habe. In dieser Phase wirkten sie eher wie Freunde oder Verbündete, die sich langsam annähern und genau das hatte für mich großes Potenzial. Leider konnte mich die spätere Entwicklung nicht überzeugen, obwohl die Dynamik zwischen den beiden grundsätzlich stimmig war, wirkte der Übergang von dieser freundschaftlich-neckischen Beziehung hin zu romantischen Gefühlen für mich zu abrupt und nicht ausreichend aufgebaut. Viele der romantisch gemeinten Szenen hätten meiner Meinung nach auch ohne explizite Liebesaspekte funktioniert. Gerade weil die anfängliche Dynamik so gelungen war, hätte man hier deutlich mehr herausholen können, etwa durch eine langsamere Entwicklung oder eine stärkere Verschiebung dieses Elements in den zweiten Band.

Ende & Fazit

Das Ende ist intensiv, spannend und lässt viele Fragen offen. Genau das macht neugierig auf die Fortsetzung. Neben der weiteren Entwicklung des Magiesystems und der Handlung verspricht auch die übergeordnete Geschichte großes Potenzial für Band zwei.

The Ordeals ist ein spannender und origineller Fantasyroman mit einem starken Magiesystem, einer interessanten Protagonistin und einer fesselnden Grundidee. Trotz Schwächen im Romance-Bereich konnte mich das Buch insgesamt überzeugen.