Wenn Freiheit tödliche Prüfungen fordert

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leni_katharina Avatar

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The Ordeals ist ein düsterer, spannungsgeladener Auftakt, der Dark Academia mit tödlichen Prüfungen und romantischer Fantasy verbindet. Die Geschichte zieht ihre Kraft vor allem aus einer beklemmenden Atmosphäre, in der Magie nicht rettet, sondern oft zur zusätzlichen Gefahr wird. Von Beginn an liegt ein Gefühl von Ausgeliefertsein über der Handlung, das sich konsequent durch den gesamten Roman zieht.

Im Zentrum steht Sophia DeWinter, eine Protagonistin, deren Leben von Kontrolle und Zwang bestimmt ist. Das magische Blutband, das sie an ihren Onkel bindet, macht sie nicht nur zu seinem Werkzeug, sondern raubt ihr jede Form von Selbstbestimmung. Gerade dieser Ausgangspunkt verleiht ihrer Motivation eine besondere Dringlichkeit. Sophias Wunsch nach Freiheit ist kein romantisches Ideal, sondern eine Notwendigkeit, um zu überleben.

Die Killmarth Academy wirkt weniger wie ein Ort des Lernens und mehr wie ein Prüfstein für Körper, Geist und Moral. Die Ordeals selbst sind brutal, gnadenlos und lassen keinen Raum für Heldentum ohne Konsequenzen. Der Roman lebt davon, dass jederzeit klar ist, dass niemand sicher ist. Selbst innerhalb der Akademie bleibt das Gefühl bestehen, dass die größte Bedrohung nicht nur von außen kommt, sondern aus den eigenen Reihen.

Das Magiesystem ist kreativ und klar voneinander abgegrenzt, ohne unnötig kompliziert zu wirken. Besonders Illusionen spielen eine zentrale Rolle und unterstreichen das wiederkehrende Thema von Schein und Wahrheit. Wer gesehen werden will, wer sich versteckt und wer manipuliert, wird immer wieder neu verhandelt.

Die romantische Dynamik zwischen Sophia und Alden entwickelt sich langsam und spannungsgeladen. Ihre Beziehung ist von Misstrauen, Zweckbündnissen und unausgesprochenen Konflikten geprägt, was sie glaubwürdig und reizvoll macht. Romantik entsteht hier nicht als Flucht, sondern als Risiko, denn Nähe kann ebenso tödlich sein wie die Prüfungen selbst.

Thematisch überzeugt The Ordeals vor allem durch seinen Fokus auf Freiheit, Vertrauen und die Frage, wie weit man gehen darf, um sich aus Unterdrückung zu befreien. Trotz eines stellenweise zügigen Erzähltempos bleibt die Geschichte atmosphärisch dicht und emotional fordernd.

Als Auftakt legt der Roman ein solides Fundament für die Dilogie und hinterlässt genau das, was ein erster Band sollte: offene Fragen, emotionale Spannung und den dringenden Wunsch, weiterzulesen