Die Macht der Worte
Das Buch hat mich total überrascht, und das im positiven Sinne. Zwar hatte ich mir eine spannende Geschichte mit Intrigen und Ränken am Kaiserpalast im historischen Korea erhofft, wie ich sie zuletzt immer mal wieder gelesen habe, aber meine Erwartungen wurden mehr als übertroffen. Sehr positiv aufgefallen ist mir das Fehlen einer typischen Romanze, die mittlerweile leider allzu oft zum Standard zu gehören scheint. Hier liegt der Fokus aber eindeutig auf Macht, Intrige und auch Gewalt. Expliziter Gewalt, aber auch solche psychischer Natur. Die Grausamkeit des künftigen Kaisers war masslos, aber mit jeder Seite drang man tiefer ein in die Abgründe, in denen Terren sich bewegte - und vor allem in die Gründe, die sie geschaffen hatten. Gemeinsam mit Wei tastete man sich übervorsichtig an die Vorgeschichte, sprich die Kindheit, ihres Gemahls heran, und erfuhr so die dramatische und ja, teils auch herzzerreissende Geschichte zweier Brüder, die zwischen den politischen Ambitionen des Hofes und dem Machthunger einzelner Vertrauenspersonen aufgerieben wurden. Besonders faszinierend fand ich dabei die Entwicklung, die Wei selbst durchmacht - vom ängstlichen Bauernmädchen zur unerschrockenen Kaiserin, die von der Macht kostet und diese nicht mehr missen will - und dabei ihr eigenes Gewissen und ihre Menschlichkeit zu verlieren droht. Das Element der Magie, welches in Form von magischen Versen eingearbeitet wurde, fand ich sehr interessant und natürlich war ich begeistert zu lesen, wie Wei diese Kraft für sich zu nutzen lernte. Das Buch ist vielschichtig, ungewöhnlich und vor allem deutlich düsterer als vergleichbare Werke und konnte mich daher restlos überzeugen - man sollte sich daher nicht von dem wunderschönen Äusseren täuschen lassen, dass auf den ersten Blick eine möglicherweise romantischere, leichtere Geschichte vermuten lassen mag.