Ein sehr komplexes Buch

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tintendrache Avatar

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Ich habe da eine Regel: Wenn mich ein Buch so sehr bewegt, dass mir Tränen kommen, und ich stundenlang darüber nachdenke, dann gebe ich dem Buch nicht weniger als 4 Sterne, auch wenn ich handwerkliche Schwächen sehe. Und beides hat das Buch geschafft.

Zu erst einmal aber: Es ist KEINE Romantasy. Es beinhaltet keine romantische Liebesgeschichte, und ironischerweise ist es unter anderem das, was die Protagonistin Wei umtreibt. Auch die Content Notes am Anfang des Buches sind absolut ernstzunehmen.

Grundsätzlich fand ich den Ansatz der Geschichte total spannend. Das Worldbuilding war toll, die Idee, wie die Magie funktioniert, fühlt sich kreativ an. Die Figuren sind sehr, sehr vielschichtig und wir haben mit Terren einen unglaublich komplexen "Antagonisten". Das Buch konfrontiert sowohl seine Hauptfigur als auch uns Lesende mit der Herausforderung, eine sehr komplexe Situation aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und dabei die eigene Integrität nicht aus den Augen zu verlieren.

Das ist jetzt rein neutral gemeint: Das Buch ist eher "tell" als "show", was aber für mich sehr gut zu dem Narrativ passt. Show don't tell ist eine beliebte Schreibregel, aber sie kann eben nicht IMMER angewendet werden, und hier wird uns eindeutig eine Geschichte von unserer Hauptfigur erzählt, deswegen hat das für mich gut funktioniert. An manchen Stellen hätte es aber doch etwas mehr in die Tiefe gehen können für mich.

Einige Dinge sind im Plot sehr ... convenient, da sind Probleme blitzschnell gelöst und Konflikte lösen sich auf.

Alles in allem war es aber ein sehr gutes Buch, das mich wie gesagt zu Tränen gerührt hat, und das mich gedanklich noch eine weile verfolgen wird.