Habs genossen!

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purplereading Avatar

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„Don’t judge a book by its cover“ – und doch liest das Auge bekanntlich mit. In diesem Fall habe ich wirklich in jeder Hinsicht bekommen, was ich mir erhofft habe. Nicht nur das Cover ist ein absoluter Blickfang, auch der Farbschnitt und der gestaltete Einband unter dem Schutzumschlag sind wunderschön. Schon beim ersten Anblick hatte ich genau das richtige Gefühl, um in diese epische und vor allem düstere asiatische Fantasywelt einzutauchen.
Besonders begeistert hat mich der Schreibstil. Er ist eindringlich und bildgewaltig, hat mich sofort in die Geschichte hineingezogen und bis zur letzten Seite nicht mehr losgelassen. Zwar überwiegt stellenweise eher das „Tell“ als das „Show“, doch das hat mich überhaupt nicht gestört – im Gegenteil, es passt hervorragend zur Erzählweise und wirkt durchweg stimmig.
Wer allerdings eine klassische Liebesgeschichte erwartet, wird hier nicht fündig. Und genau das hat mir sehr gefallen. In einer Welt, in der Frauen und Mädchen das Lesen und Schreiben verboten ist, hätte eine romantische, rosarote Lovestory deplatziert gewirkt. Dafür ist die Handlung zu düster, die Ereignisse zu schonungslos. Sowohl Wei als auch andere Figuren erleben Härten, die teils schwer zu ertragen sind. Gleichzeitig gelingt der Geschichte eine gute Balance: Die grausamen Momente nehmen nicht überhand, sondern werden immer wieder von hoffnungsvollen Augenblicken durchbrochen.
Die Stärke des Romans liegt eindeutig in seinen Charakteren. Sie sind vielschichtig, markant und bleiben im Gedächtnis. Wei mochte ich von Anfang an – sie ist mutig, selbstlos und bereit, enorme Opfer zu bringen, um ihre Familie und ihr Dorf vor dem schleichenden Hungertod zu bewahren. Ihr Weg führt sie bis an den kaiserlichen Hof, wo sie sich plötzlich in einer unerwartet hohen Position wiederfindet. Von einem Moment auf den anderen ist sie mit Intrigen, politischen Machtspielen und komplexen Allianzen konfrontiert – einer Welt, von der sie zuvor kaum etwas wusste. Dennoch begegnet sie all dem aufmerksam, lernbereit und mit klarem Blick. Die zahlreichen Wendungen und überraschenden Entwicklungen haben mich immer wieder überrascht.
Fazit:
„The Poet Empress“ ist eine eindringliche, nachwirkende Geschichte, die mich auch nach dem Lesen noch beschäftigt hat. Düster und mitunter grausam, zugleich atmosphärisch dicht, mit starken Figuren und einem faszinierenden Magiesystem – und das ganz ohne zentrale Liebesgeschichte. Eine klare Empfehlung für alle, die intensive Fantasy schätzen, auch wenn ich das Buch eher nicht dem Jugendbuch-Genre zuordnen würde.