Jahreshighlight?
Ich habe The Power of Empathy mit eher verhaltenen Erwartungen begonnen. Der Klappentext und die Aufmachung des Verlags wirkten zwar nett, aber nicht außergewöhnlich. Trotzdem hatte ich große Lust, endlich einmal ein asiatisch angehauchtes Fantasybuch zu lesen – und wurde vollkommen überrascht. Schon früh beim Lesen hatte ich das Gefühl: Das hier könnte mein Jahreshighlight werden. Seit Langem habe ich nach einem Fantasyroman einer weiblichen Autorin gesucht, der sich nicht hauptsächlich um eine romantische Liebesgeschichte dreht, sondern politische, gesellschaftliche und zwischenmenschliche Themen ernsthaft in den Mittelpunkt stellt. Genau das habe ich hier gefunden. Besonders beeindruckt haben mich die facettenreichen Hauptcharaktere, die sich im Laufe der Geschichte glaubwürdig und tiefgründig entwickeln. Zwischenmenschliche Beziehungen, der Einfluss von Traumata auf späteres Verhalten, politische Intrigen, Machtkonstellationen und Geschlechterungleichheit werden auf eine vielschichtige und intelligente Weise thematisiert. Das Buch schafft es, diese komplexen Themen organisch in die Handlung einzubetten, ohne belehrend zu wirken. Immer wieder wurde ich von den Entwicklungen überrascht – allerdings nie mit dem Gefühl, dass es sich um bloße Plot-Twists um ihrer selbst willen handelt. Stattdessen fühlten sich die Wendungen logisch, gut aufgebaut und erzählerisch stark an. Ich war durchgehend gespannt, wollte ständig weiterlesen und konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Auch das Ende hat mich überzeugt: Es war unerwartet, aber stimmig und emotional befriedigend. Insgesamt hat mich The Power of Empathy vollkommen begeistert. Es ist ein Fantasyroman, der nicht nur unterhält, sondern auch zum Nachdenken anregt und lange nachwirkt. Für mich war dieses Buch ein echtes Highlight – klug, politisch, emotional und außergewöhnlich gut geschrieben.