Spannende Idee, inkonsequente Umsetzung

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ascheregen Avatar

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Cover / Gestaltung:
Das Cover ist sehr ansprechend und passt hervorragend zum Setting. Es weckt die Neugier und ist ein Blickfang, nach dem ich im Laden definitiv greifen würde.
​Thema / Geschichte:
Die Story hat mich anfangs überrascht, da sie nicht den erwarteten Verlauf nahm. Positiv hervorzuheben ist, dass es keine romantische Liebesgeschichte ist. Es geht um Verrat, Zwang, Gewalt und Politik – die schlechten Seiten der Menschheit werden gut aufgezeigt. Allerdings hat die Geschichte strukturelle Schwächen: In der Mitte zieht sie sich spürbar, und obwohl sie zum Ende hin Fahrt aufnimmt, wird das Potenzial verschenkt. Alles, was mühsam aufgebaut wurde, wird im Finale irgendwie wieder fallen gelassen.
​Schreibstil & Hörerlebnis:
Der Stil ist flüssig und stellenweise sehr bildhaft. Dass die männlichen Rollen (Brüder, Eunuch) und die Protagonistin von unterschiedlichen Sprechern vertont wurden, fand ich gut. Der männliche Sprecher war top, die weibliche Sprecherin klang mir jedoch oft zu weinerlich. Das passte nicht zum Charakter, der eigentlich extrem belastbar ist.
​Figuren / Authentizität & Kritik:
Die Figuren haben zwar klare Hintergründe, aber die Protagonistin wurde für mich im Verlauf immer unglaubwürdiger. Sie möchte Gutes tun, begeht aber des Öfteren böse Taten. Für mich bleibt jemand, der Böses für ein vermeintlich gutes Ziel tut, dennoch böse. Diese Inkonsequenz spitzt sich am Ende extrem zu: Die Protagonistin wird immer doppelmoralischer, erkennt das zwar kurz, vergisst es aber sofort wieder.
​Fazit:
Das Ende finde ich leider extrem schlecht. Es ist inkonsequent und hinterlässt einen richtig bitteren Nachgeschmack. Das Buch war insgesamt nicht schlecht, wurde aber zum Ende hin immer schlechter, da die Charakterentwicklung für mich nicht mehr nachvollziehbar war. Schade, denn ohne diesen unglaubwürdigen Verlauf hätte es ganz gut werden können, so ist es okay.