Alles nur schwarz-weiß
Ich wusste irgendwann selbst nicht mehr, wem ich noch glauben soll
Es gibt Bücher, bei denen man einfach liest und dann gibt es Bücher, bei denen man währenddessen gefühlt 300 Theorien aufstellt, jede zweite wieder verwirft und irgendwann absolut niemandem mehr vertraut. Poison Daughter war für mich definitiv die zweite Variante.
Handlung, Spannung & meine ungefähr 500 offenen Fragen
Der Einstieg war für mich ehrlich gesagt erst einmal etwas chaotisch. Es gibt ziemlich viele Namen, Familienmitglieder, Beziehungen und Machtverhältnisse und ich habe eine Weile gebraucht, bis ich wirklich verstanden hatte, wer eigentlich mit wem verwandt, verheiratet, befreundet oder sonst wie verbunden ist. Irgendwann hat es dann aber Klick gemacht und ab diesem Moment hat mich die Geschichte immer mehr bekommen.
Denn dieses Buch lebt für mich extrem davon, dass man einfach nicht weiß, wem man glauben kann.
Was wird verschwiegen? Wer manipuliert wen? Welche Geschichte stimmt überhaupt? Wer verfolgt welchen Plan? Und wer spielt vielleicht schon viel länger ein ganz anderes Spiel?
Vor allem rund um den Blutquell und die Blutleeren hatte ich irgendwann so viele Theorien, dass ich am liebsten eine Pinnwand mit roten Fäden aufgebaut hätte. Woher kommen bestimmte Veränderungen? Warum passieren bestimmte Dinge? Hängt alles miteinander zusammen oder interpretiere ich gerade viel zu viel hinein? Genau das hat mir aber richtig Spaß gemacht.
Besonders ab der zweiten Hälfte hat die Geschichte für mich noch einmal einen gewaltigen Sprung gemacht. Sobald sich der Schauplatz verändert und die Welt größer wird, kommt plötzlich richtig Bewegung hinein. Neue Informationen, neue Gefahren, neue Zusammenhänge – und gleichzeitig entstehen aus jeder Antwort gefühlt zwei neue Fragen.
Und ich wollte. Es. Endlich. Wissen.
Harlow moralisch fragwürdig? Vielleicht. Sympathisch? Definitiv.
Harlow hat mich ziemlich schnell für sich gewonnen.
Ganz am Anfang dachte ich noch kurz, dass sie vielleicht etwas arrogant sein könnte. Aber je mehr ich von ihr kennengelernt habe, desto mehr mochte ich sie. Vor allem gefällt mir, dass sie nicht vollkommen unüberlegt handelt. Sie besitzt ihre eigenen moralischen Regeln und recherchiert normalerweise sehr genau, bevor sie jemanden verurteilt.
Natürlich kann man darüber diskutieren, ob ein Mensch selbst entscheiden darf, wer eine Strafe verdient. Trotzdem konnte ich ihre Beweggründe gerade im Zusammenhang mit Männern, die Frauen schwer misshandeln, sehr gut nachvollziehen.
Und gleichzeitig ist Harlow so unfassbar verschlossen!
MÄDCHEN. REDE. DOCH. EINFACH.
Henry erzählt ihr teilweise unglaublich persönliche Dinge über seine Vergangenheit und zeigt ihr Seiten von sich, die ihn extrem verletzlich machen und sie gibt gefühlt jedes einzelne Detail über sich nur unter Protest heraus. Gerade ihre Vergangenheit hat mich deshalb wahnsinnig neugierig gemacht. Man merkt einfach, dass da noch Dinge sind, über die sie nicht sprechen möchte.
Ich mochte aber sehr, dass sie keine Protagonistin ist, die ständig gerettet werden muss. Sie kann kämpfen, sie kann sich verteidigen und sie weiß ziemlich genau, was sie tut. Das macht sie nicht unverwundbar, aber eben kompetent und genau solche Protagonistinnen liebe ich.
Henry Red Flag? Green Flag? Irgendwas dazwischen?
Henry war für mich lange ein einziges riesiges Fragezeichen.
Was will dieser Mann?
Warum macht er das?
Ist das gerade ehrlich?
Hat er Hintergedanken?
Oder hat er Hintergedanken UND meint es trotzdem ehrlich?
Gerade das fand ich an ihm so spannend. Er verfolgt eindeutig eigene Ziele und verrät längst nicht alles. Gleichzeitig hatte ich immer stärker das Gefühl, dass sein Interesse an Harlow irgendwann nicht mehr nur Mittel zum Zweck ist.
Diese kleinen Momente, in denen sein Beschützerinstinkt durchkommt, haben mich komplett bekommen. Gerade weil er gleichzeitig so undurchschaubar bleibt. Ich konnte mir bei ihm nie vollkommen sicher sein, ob eine Handlung gerade strategisch motiviert ist oder ob dieser Mann einfach wirklich Gefühle entwickelt.
Und dann kommen immer mehr Informationen über seine Vergangenheit und seine Fähigkeiten dazu und ich saß teilweise nur da und dachte: Entschuldigung, WAS?
Seine Geschichte fand ich unglaublich interessant, gleichzeitig hätte ich bei manchen Aspekten gerne noch ausführlichere Erklärungen bekommen. Gerade die Funktionsweise bestimmter Kräfte und Ereignisse aus seiner Vergangenheit musste ich teilweise erst einmal sortieren.
Harlow & Henry ICH BRAUCHE MEHR DAVON
Diese beiden zusammen haben mich wahnsinnig gemacht.
Sie könnten so ein verdammt gutes Team sein, wenn sie einfach miteinander reden würden!
Stattdessen wird verschwiegen, manipuliert, misstraut, getestet und wieder irgendetwas nicht erzählt. Und als Leser sitzt man dazwischen und weiß irgendwann selbst nicht mehr, wer gerade eigentlich wie viel Wahrheit kennt.
Genau dieses Ungleichgewicht fand ich aber interessant: Henry öffnet sich ihr teilweise erstaunlich stark, während Harlow wesentlich mehr zurückhält. Dadurch hatte ich irgendwann sogar ein bisschen Mitleid mit ihm, weil ich mir dachte: Junge, du legst hier gerade emotional ziemlich viele Karten auf den Tisch und bekommst im Gegenzug ungefähr drei Informationen und einen skeptischen Blick.
Trotzdem merkt man immer stärker, dass zwischen ihnen etwas entsteht. Nicht nur körperliche Anziehung, sondern Fürsorge, Interesse und dieser immer deutlicher werdende Wunsch, den anderen zu beschützen.
Ich hätte allerdings gerne NOCH MEHR Knistern gehabt.
Es gab mehrere Situationen, bei denen ich dachte: Jetzt. Jetzt passiert was. DAS IST DER MOMENT.
Und dann … nein.
Danke für nichts.
Gerade bei einigen Szenen hätte ich mir gewünscht, dass Harlow Henry noch ein bisschen stärker aus der Reserve lockt. Ich wollte mehr von diesem Gefühl haben, dass sie ihn vollkommen um den Verstand bringt und er sich kaum noch zusammenreißen kann.
Mit den Spicy-Szenen hatte ich am Anfang deshalb auch meine Schwierigkeiten. Teilweise fand ich sie ein bisschen seltsam und konnte die Stimmung nicht ganz fühlen. Später wurde das für mich aber deutlich besser. Da hatte ich viel stärker das Gefühl, dass zwischen den beiden tatsächlich diese körperliche Anziehung besteht und die Szenen wirkten auf mich natürlicher.
Die Nebencharaktere – zwischen „süße Maus“ und „bitte verschwinde“
Bei den Nebenfiguren hatte ich wirklich das komplette emotionale Spektrum.
Bea? Süße Maus. Ich mochte ihre Art und besonders ihren Beschützerinstinkt sehr.
Andere Figuren? Ich habe innerlich schon ihre Beerdigung geplant.
Besonders die familiären Verhältnisse haben mich teilweise richtig wütend gemacht. Es herrscht ein enormes Machtgefälle und ich konnte manche Entscheidungen überhaupt nicht nachvollziehen. Wie kann man wissen, dass innerhalb der eigenen Familie Gewalt passiert, und trotzdem nichts unternehmen?
Rafe war deshalb für mich relativ schnell eine Figur, bei der sämtliche Alarmglocken losgingen. Gleichzeitig habe ich mich ständig gefragt, wie groß seine tatsächliche Rolle innerhalb der ganzen Intrigen ist. Das Buch spielt nämlich ziemlich geschickt damit, Verdächtige zu präsentieren, nur damit man sich anschließend denkt: Nein, das wäre jetzt VIEL zu offensichtlich.
Auch Gaven und Kellan fand ich zunehmend interessanter, sobald ich endlich sämtliche Familienverhältnisse sortiert hatte. Gerade bei Gaven habe ich mich immer wieder gefragt, wie viel er eigentlich wirklich mitbekommt und ob manche vermeintliche Ahnungslosigkeit vielleicht ganz bewusst gewählt ist.
Worldbuilding & Magie eines meiner Highlights
Das Magiesystem hat mir RICHTIG gut gefallen.
Harlows Kräfte passen einfach perfekt zu ihr. Gleichzeitig fand ich die Wechselwirkung zwischen ihren Fähigkeiten und Henrys Kräften unglaublich spannend. Besonders dieses „Warum funktioniert das bei ihm nicht so wie erwartet?“ hat direkt wieder meinen Theorien-Modus aktiviert.
Überhaupt steckt in Henrys Fähigkeiten gefühlt noch viel mehr, als man zunächst denkt.
Dazu kommen der Blutquell, die Blutleeren und deren Entwicklung. Je mehr ich darüber erfahren habe, desto mehr wollte ich wissen. Gleichzeitig war ich irgendwann auch leicht überfordert, weil plötzlich immer mehr Informationen und Möglichkeiten im Raum standen.
Gerade die Frage, was mit dem Quell passiert und welchen Einfluss bestimmte Vorgänge auf Menschen haben könnten, hat mich fast das ganze Buch über beschäftigt. Ich hatte dazu irgendwann meine ganz eigene Theorie und habe wirklich jede neue Information darauf überprüft, ob sie dazu passt.
Ich LIEBE es, wenn Fantasybücher das mit mir machen.
Auch deshalb mochte ich die zweite Hälfte so sehr. Das Worldbuilding wird plötzlich viel größer. Man bekommt einen anderen Blick auf diese Welt und versteht, dass hinter den bisherigen Konflikten noch wesentlich mehr steckt.
Und einige Szenen hatten für mich starke From Blood and Ash-Vibes was bei mir definitiv positiv gemeint ist.
Schreibstil & Spannungsbogen
Der Schreibstil hat es mir leicht gemacht, immer weiterzulesen. Was das Buch für mich aber wirklich trägt, ist die Art, wie Geheimnisse verteilt werden.
Man bekommt nie alles.
Eine Information wird enthüllt und plötzlich verändert sie den Blick auf etwas, das vorher passiert ist. Dann glaubt man, eine Figur endlich einschätzen zu können, und kurz darauf kommt der nächste Zweifel.
Besonders spannend fand ich irgendwann die Frage, ob ich eigentlich Harlow oder Henry mehr vertrauen kann. Beide verschweigen Dinge. Beide haben ihre eigenen Ziele. Beide erzählen nicht immer die vollständige Wahrheit. Und teilweise weiß selbst der Leser nicht, was eigentlich hinter bestimmten Aussagen steckt.
Dadurch bleibt diese permanente Unsicherheit erhalten.
Der Spannungsbogen hat sich für mich außerdem kontinuierlich gesteigert. Während der Anfang noch stärker mit Figuren, Beziehungen und Weltaufbau beschäftigt ist, nimmt die Geschichte später ordentlich Fahrt auf. Die letzten Abschnitte wollte ich dann wirklich kaum noch aus der Hand legen.
Was mich gestört hat
Neben dem etwas unübersichtlichen Einstieg hätte ich mir an manchen Stellen einfach MEHR gewünscht.
Mehr Ausarbeitung einzelner Übergänge.
Mehr Erklärungen zu bestimmten Fähigkeiten.
Mehr Raum für Harlows Vergangenheit.
Und definitiv mehr Spannung zwischen Harlow und Henry in einigen Szenen, die dafür praktisch auf dem Silbertablett lagen.
Auch der Epilog hätte für mich nicht unbedingt sein müssen. Ich mochte zwar grundsätzlich, was er über Harlows weiteres Leben zeigt, aber die zusätzliche spicy Komponente darin fühlte sich für mich eher unnötig an. Das eigentliche Ende davor hätte für mich emotional vollkommen ausgereicht.
Außerdem gibt es nach dem Finale noch Fragen, auf die ich wirklich gerne Antworten gehabt hätte. Manche Zusammenhänge lassen sich zwar interpretieren, aber bei einigen Punkten hätte ich gerne gewusst, ob meine Theorien tatsächlich richtig waren.
Fazit – Intrigen, Gift und zwei Menschen, die dringend miteinander reden müssen
Poison Daughter hat sich für mich von einem zunächst etwas verwirrenden Fantasyroman zu einer Geschichte entwickelt, über die ich beim Lesen ständig nachdenken musste.
Und genau das meine ich positiv.
Ich habe verdächtigt, Theorien aufgestellt, wieder verworfen, mich über Charaktere aufgeregt, andere ins Herz geschlossen und ungefähr alle fünf Minuten darüber nachgedacht, was Henry eigentlich WIRKLICH vorhat.
Harlow hat mir als starke, moralisch nicht vollkommen eindeutige Protagonistin richtig gut gefallen. Henry blieb lange ein Rätsel und genau deshalb wollte ich immer mehr über ihn erfahren. Zusammen besitzen die beiden eine Dynamik, die mich trotz kleiner Kritikpunkte vollkommen unterhalten hat.
Das Worldbuilding wird mit der Zeit immer interessanter, das Magiesystem hat mir richtig gut gefallen und besonders die zweite Hälfte hat für mich noch einmal deutlich an Spannung gewonnen.
Das Ende konnte mich sogar mehrfach überraschen und hat mich emotional mehr getroffen, als ich erwartet hatte. Gleichzeitig war es für mich ein schöner und zufriedenstellender Abschluss – auch wenn ich über einige offene Fragen wahrscheinlich noch eine ganze Weile nachdenken werde.
Und am Ende war für mich eigentlich nur eines wichtig:
Nach all den Geheimnissen, Intrigen, Manipulationen und meinem permanenten „KÖNNT IHR BITTE EINFACH MITEINANDER REDEN?“ war ich einfach froh, wo Harlow und Henry schließlich angekommen sind.
Es gibt Bücher, bei denen man einfach liest und dann gibt es Bücher, bei denen man währenddessen gefühlt 300 Theorien aufstellt, jede zweite wieder verwirft und irgendwann absolut niemandem mehr vertraut. Poison Daughter war für mich definitiv die zweite Variante.
Handlung, Spannung & meine ungefähr 500 offenen Fragen
Der Einstieg war für mich ehrlich gesagt erst einmal etwas chaotisch. Es gibt ziemlich viele Namen, Familienmitglieder, Beziehungen und Machtverhältnisse und ich habe eine Weile gebraucht, bis ich wirklich verstanden hatte, wer eigentlich mit wem verwandt, verheiratet, befreundet oder sonst wie verbunden ist. Irgendwann hat es dann aber Klick gemacht und ab diesem Moment hat mich die Geschichte immer mehr bekommen.
Denn dieses Buch lebt für mich extrem davon, dass man einfach nicht weiß, wem man glauben kann.
Was wird verschwiegen? Wer manipuliert wen? Welche Geschichte stimmt überhaupt? Wer verfolgt welchen Plan? Und wer spielt vielleicht schon viel länger ein ganz anderes Spiel?
Vor allem rund um den Blutquell und die Blutleeren hatte ich irgendwann so viele Theorien, dass ich am liebsten eine Pinnwand mit roten Fäden aufgebaut hätte. Woher kommen bestimmte Veränderungen? Warum passieren bestimmte Dinge? Hängt alles miteinander zusammen oder interpretiere ich gerade viel zu viel hinein? Genau das hat mir aber richtig Spaß gemacht.
Besonders ab der zweiten Hälfte hat die Geschichte für mich noch einmal einen gewaltigen Sprung gemacht. Sobald sich der Schauplatz verändert und die Welt größer wird, kommt plötzlich richtig Bewegung hinein. Neue Informationen, neue Gefahren, neue Zusammenhänge – und gleichzeitig entstehen aus jeder Antwort gefühlt zwei neue Fragen.
Und ich wollte. Es. Endlich. Wissen.
Harlow moralisch fragwürdig? Vielleicht. Sympathisch? Definitiv.
Harlow hat mich ziemlich schnell für sich gewonnen.
Ganz am Anfang dachte ich noch kurz, dass sie vielleicht etwas arrogant sein könnte. Aber je mehr ich von ihr kennengelernt habe, desto mehr mochte ich sie. Vor allem gefällt mir, dass sie nicht vollkommen unüberlegt handelt. Sie besitzt ihre eigenen moralischen Regeln und recherchiert normalerweise sehr genau, bevor sie jemanden verurteilt.
Natürlich kann man darüber diskutieren, ob ein Mensch selbst entscheiden darf, wer eine Strafe verdient. Trotzdem konnte ich ihre Beweggründe gerade im Zusammenhang mit Männern, die Frauen schwer misshandeln, sehr gut nachvollziehen.
Und gleichzeitig ist Harlow so unfassbar verschlossen!
MÄDCHEN. REDE. DOCH. EINFACH.
Henry erzählt ihr teilweise unglaublich persönliche Dinge über seine Vergangenheit und zeigt ihr Seiten von sich, die ihn extrem verletzlich machen und sie gibt gefühlt jedes einzelne Detail über sich nur unter Protest heraus. Gerade ihre Vergangenheit hat mich deshalb wahnsinnig neugierig gemacht. Man merkt einfach, dass da noch Dinge sind, über die sie nicht sprechen möchte.
Ich mochte aber sehr, dass sie keine Protagonistin ist, die ständig gerettet werden muss. Sie kann kämpfen, sie kann sich verteidigen und sie weiß ziemlich genau, was sie tut. Das macht sie nicht unverwundbar, aber eben kompetent und genau solche Protagonistinnen liebe ich.
Henry Red Flag? Green Flag? Irgendwas dazwischen?
Henry war für mich lange ein einziges riesiges Fragezeichen.
Was will dieser Mann?
Warum macht er das?
Ist das gerade ehrlich?
Hat er Hintergedanken?
Oder hat er Hintergedanken UND meint es trotzdem ehrlich?
Gerade das fand ich an ihm so spannend. Er verfolgt eindeutig eigene Ziele und verrät längst nicht alles. Gleichzeitig hatte ich immer stärker das Gefühl, dass sein Interesse an Harlow irgendwann nicht mehr nur Mittel zum Zweck ist.
Diese kleinen Momente, in denen sein Beschützerinstinkt durchkommt, haben mich komplett bekommen. Gerade weil er gleichzeitig so undurchschaubar bleibt. Ich konnte mir bei ihm nie vollkommen sicher sein, ob eine Handlung gerade strategisch motiviert ist oder ob dieser Mann einfach wirklich Gefühle entwickelt.
Und dann kommen immer mehr Informationen über seine Vergangenheit und seine Fähigkeiten dazu und ich saß teilweise nur da und dachte: Entschuldigung, WAS?
Seine Geschichte fand ich unglaublich interessant, gleichzeitig hätte ich bei manchen Aspekten gerne noch ausführlichere Erklärungen bekommen. Gerade die Funktionsweise bestimmter Kräfte und Ereignisse aus seiner Vergangenheit musste ich teilweise erst einmal sortieren.
Harlow & Henry ICH BRAUCHE MEHR DAVON
Diese beiden zusammen haben mich wahnsinnig gemacht.
Sie könnten so ein verdammt gutes Team sein, wenn sie einfach miteinander reden würden!
Stattdessen wird verschwiegen, manipuliert, misstraut, getestet und wieder irgendetwas nicht erzählt. Und als Leser sitzt man dazwischen und weiß irgendwann selbst nicht mehr, wer gerade eigentlich wie viel Wahrheit kennt.
Genau dieses Ungleichgewicht fand ich aber interessant: Henry öffnet sich ihr teilweise erstaunlich stark, während Harlow wesentlich mehr zurückhält. Dadurch hatte ich irgendwann sogar ein bisschen Mitleid mit ihm, weil ich mir dachte: Junge, du legst hier gerade emotional ziemlich viele Karten auf den Tisch und bekommst im Gegenzug ungefähr drei Informationen und einen skeptischen Blick.
Trotzdem merkt man immer stärker, dass zwischen ihnen etwas entsteht. Nicht nur körperliche Anziehung, sondern Fürsorge, Interesse und dieser immer deutlicher werdende Wunsch, den anderen zu beschützen.
Ich hätte allerdings gerne NOCH MEHR Knistern gehabt.
Es gab mehrere Situationen, bei denen ich dachte: Jetzt. Jetzt passiert was. DAS IST DER MOMENT.
Und dann … nein.
Danke für nichts.
Gerade bei einigen Szenen hätte ich mir gewünscht, dass Harlow Henry noch ein bisschen stärker aus der Reserve lockt. Ich wollte mehr von diesem Gefühl haben, dass sie ihn vollkommen um den Verstand bringt und er sich kaum noch zusammenreißen kann.
Mit den Spicy-Szenen hatte ich am Anfang deshalb auch meine Schwierigkeiten. Teilweise fand ich sie ein bisschen seltsam und konnte die Stimmung nicht ganz fühlen. Später wurde das für mich aber deutlich besser. Da hatte ich viel stärker das Gefühl, dass zwischen den beiden tatsächlich diese körperliche Anziehung besteht und die Szenen wirkten auf mich natürlicher.
Die Nebencharaktere – zwischen „süße Maus“ und „bitte verschwinde“
Bei den Nebenfiguren hatte ich wirklich das komplette emotionale Spektrum.
Bea? Süße Maus. Ich mochte ihre Art und besonders ihren Beschützerinstinkt sehr.
Andere Figuren? Ich habe innerlich schon ihre Beerdigung geplant.
Besonders die familiären Verhältnisse haben mich teilweise richtig wütend gemacht. Es herrscht ein enormes Machtgefälle und ich konnte manche Entscheidungen überhaupt nicht nachvollziehen. Wie kann man wissen, dass innerhalb der eigenen Familie Gewalt passiert, und trotzdem nichts unternehmen?
Rafe war deshalb für mich relativ schnell eine Figur, bei der sämtliche Alarmglocken losgingen. Gleichzeitig habe ich mich ständig gefragt, wie groß seine tatsächliche Rolle innerhalb der ganzen Intrigen ist. Das Buch spielt nämlich ziemlich geschickt damit, Verdächtige zu präsentieren, nur damit man sich anschließend denkt: Nein, das wäre jetzt VIEL zu offensichtlich.
Auch Gaven und Kellan fand ich zunehmend interessanter, sobald ich endlich sämtliche Familienverhältnisse sortiert hatte. Gerade bei Gaven habe ich mich immer wieder gefragt, wie viel er eigentlich wirklich mitbekommt und ob manche vermeintliche Ahnungslosigkeit vielleicht ganz bewusst gewählt ist.
Worldbuilding & Magie eines meiner Highlights
Das Magiesystem hat mir RICHTIG gut gefallen.
Harlows Kräfte passen einfach perfekt zu ihr. Gleichzeitig fand ich die Wechselwirkung zwischen ihren Fähigkeiten und Henrys Kräften unglaublich spannend. Besonders dieses „Warum funktioniert das bei ihm nicht so wie erwartet?“ hat direkt wieder meinen Theorien-Modus aktiviert.
Überhaupt steckt in Henrys Fähigkeiten gefühlt noch viel mehr, als man zunächst denkt.
Dazu kommen der Blutquell, die Blutleeren und deren Entwicklung. Je mehr ich darüber erfahren habe, desto mehr wollte ich wissen. Gleichzeitig war ich irgendwann auch leicht überfordert, weil plötzlich immer mehr Informationen und Möglichkeiten im Raum standen.
Gerade die Frage, was mit dem Quell passiert und welchen Einfluss bestimmte Vorgänge auf Menschen haben könnten, hat mich fast das ganze Buch über beschäftigt. Ich hatte dazu irgendwann meine ganz eigene Theorie und habe wirklich jede neue Information darauf überprüft, ob sie dazu passt.
Ich LIEBE es, wenn Fantasybücher das mit mir machen.
Auch deshalb mochte ich die zweite Hälfte so sehr. Das Worldbuilding wird plötzlich viel größer. Man bekommt einen anderen Blick auf diese Welt und versteht, dass hinter den bisherigen Konflikten noch wesentlich mehr steckt.
Und einige Szenen hatten für mich starke From Blood and Ash-Vibes was bei mir definitiv positiv gemeint ist.
Schreibstil & Spannungsbogen
Der Schreibstil hat es mir leicht gemacht, immer weiterzulesen. Was das Buch für mich aber wirklich trägt, ist die Art, wie Geheimnisse verteilt werden.
Man bekommt nie alles.
Eine Information wird enthüllt und plötzlich verändert sie den Blick auf etwas, das vorher passiert ist. Dann glaubt man, eine Figur endlich einschätzen zu können, und kurz darauf kommt der nächste Zweifel.
Besonders spannend fand ich irgendwann die Frage, ob ich eigentlich Harlow oder Henry mehr vertrauen kann. Beide verschweigen Dinge. Beide haben ihre eigenen Ziele. Beide erzählen nicht immer die vollständige Wahrheit. Und teilweise weiß selbst der Leser nicht, was eigentlich hinter bestimmten Aussagen steckt.
Dadurch bleibt diese permanente Unsicherheit erhalten.
Der Spannungsbogen hat sich für mich außerdem kontinuierlich gesteigert. Während der Anfang noch stärker mit Figuren, Beziehungen und Weltaufbau beschäftigt ist, nimmt die Geschichte später ordentlich Fahrt auf. Die letzten Abschnitte wollte ich dann wirklich kaum noch aus der Hand legen.
Was mich gestört hat
Neben dem etwas unübersichtlichen Einstieg hätte ich mir an manchen Stellen einfach MEHR gewünscht.
Mehr Ausarbeitung einzelner Übergänge.
Mehr Erklärungen zu bestimmten Fähigkeiten.
Mehr Raum für Harlows Vergangenheit.
Und definitiv mehr Spannung zwischen Harlow und Henry in einigen Szenen, die dafür praktisch auf dem Silbertablett lagen.
Auch der Epilog hätte für mich nicht unbedingt sein müssen. Ich mochte zwar grundsätzlich, was er über Harlows weiteres Leben zeigt, aber die zusätzliche spicy Komponente darin fühlte sich für mich eher unnötig an. Das eigentliche Ende davor hätte für mich emotional vollkommen ausgereicht.
Außerdem gibt es nach dem Finale noch Fragen, auf die ich wirklich gerne Antworten gehabt hätte. Manche Zusammenhänge lassen sich zwar interpretieren, aber bei einigen Punkten hätte ich gerne gewusst, ob meine Theorien tatsächlich richtig waren.
Fazit – Intrigen, Gift und zwei Menschen, die dringend miteinander reden müssen
Poison Daughter hat sich für mich von einem zunächst etwas verwirrenden Fantasyroman zu einer Geschichte entwickelt, über die ich beim Lesen ständig nachdenken musste.
Und genau das meine ich positiv.
Ich habe verdächtigt, Theorien aufgestellt, wieder verworfen, mich über Charaktere aufgeregt, andere ins Herz geschlossen und ungefähr alle fünf Minuten darüber nachgedacht, was Henry eigentlich WIRKLICH vorhat.
Harlow hat mir als starke, moralisch nicht vollkommen eindeutige Protagonistin richtig gut gefallen. Henry blieb lange ein Rätsel und genau deshalb wollte ich immer mehr über ihn erfahren. Zusammen besitzen die beiden eine Dynamik, die mich trotz kleiner Kritikpunkte vollkommen unterhalten hat.
Das Worldbuilding wird mit der Zeit immer interessanter, das Magiesystem hat mir richtig gut gefallen und besonders die zweite Hälfte hat für mich noch einmal deutlich an Spannung gewonnen.
Das Ende konnte mich sogar mehrfach überraschen und hat mich emotional mehr getroffen, als ich erwartet hatte. Gleichzeitig war es für mich ein schöner und zufriedenstellender Abschluss – auch wenn ich über einige offene Fragen wahrscheinlich noch eine ganze Weile nachdenken werde.
Und am Ende war für mich eigentlich nur eines wichtig:
Nach all den Geheimnissen, Intrigen, Manipulationen und meinem permanenten „KÖNNT IHR BITTE EINFACH MITEINANDER REDEN?“ war ich einfach froh, wo Harlow und Henry schließlich angekommen sind.