Romantasy mit Potenzial und Stolpersteinen
Ich hatte "The Poison Daughter - Zum Sterben schön" schon länger im Blick, weil es in der Masse der Romantasy‑Trilogien endlich mal ein Einzelband ist. Die 896 Seiten und die Aussicht auf eine abgeschlossene Handlung haben meine Erwartungen entsprechend hoch werden lassen. Ich war gespannt, ob die Autorin den Raum nutzt, um eine dichte Geschichte zu erzählen, die nicht in den üblichen Mustern stecken bleibt. Der Anfang hat diese Hoffnung auch erfüllt.
Harlow als Protagonistin hat mich sofort überzeugt und ist für mich der stärkste Punkt des Buches. Sie ist die jüngste der Carenwell Geschwister und mit der Gabe des Gifts gesegnet, mit der sie Gegner mit einem einzigen Kuss töten kann. Diese Fähigkeit setzt sie nicht nur defensiv ein, sondern sehr gezielt, um gewalttätige Ehemänner auszuschalten. Dafür hat sie unter dem Decknamen "Giftige Versuchung" ein komplettes Netzwerk aufgebaut, das ihr dabei hilft, diese Männer zu finden und zu beseitigen. Ich fand es erfrischend, dass hier keine "Damsel in Distress" präsentiert wird, sondern eine Frau, die sich aktiv zur Wehr setzt, Verantwortung übernimmt und dabei sowohl Waffengewalt einsetzt, wo es nötig ist, als auch ihre Verführungskünste bewusst nutzt. Sie ist keine naive Heldin, sondern jemand, der die Härte der Welt kennt und entsprechend handelt. Dazu kommt, dass sowohl Harlow als auch Henry, der männlich Hauptcharakter, über 30 sind und bereits einiges an sexueller Erfahrung haben, was der Geschichte eine erwachsene Note verleiht und sie von den üblichen Romantasy-Konstellationen mit gerade volljährigen, unerfahrenen Protagonistinnen abhebt.
Leider hat dieser starke Einstieg nicht lange gehalten. Harlow war bereits einmal verheiratet und ist verwitwet, weil sie ihren ersten Mann mit Gift getötet hat. Trotzdem wird sie erneut von ihrer Familie an einen Fremden verheiratet. Ab diesem Punkt verliert die Handlung deutlich an Spannung. Die vielversprechende Ausgangslage, in der eine erfahrene, gefährliche Frau auf einen Mann trifft, der sie eigentlich nur als Werkzeug sieht, wird nicht ausgeschöpft. Ein wichtiger Teil seiner Motivation ist, dass Henry einen Angriff der Blutleeren überlebt hat und seine Schwester dabei gestorben ist. Er gibt der Familie Carenwell die Schuld daran und möchte sich rächen, weshalb Harlow für ihn zunächst nur ein Mittel zum Zweck ist. Gleichzeitig besteht er darauf, dass Harlow ihm außerhalb der Gemächer gehorcht, damit er nicht schwach aussieht und sie beschützen kann. Harlow reagiert darauf, indem sie sich immer wieder wie ein trotziges Kleinkind verhält, sich bewusst in Gefahr bringt und versucht zu beweisen, dass sie keinen Aufpasser braucht. Dieses Muster wiederholt sich so oft, dass es irgendwann nicht mehr spannend, sondern einfach nur ermüdend wurde und die zuvor so starke Figur Harlow in vielen Szenen unnötig klein wirken ließ.
Auch die Spice Szenen haben mich nicht abgeholt. Sie waren merkwürdig geschrieben und die Chemie zwischen Harlow und Henry blieb für mich blass, obwohl beide Figuren eigentlich genug Hintergrund und Erfahrung mitbringen, um eine intensive Dynamik zu entwickeln. Stattdessen stand in vielen dieser Szenen Voyeurismus im Vordergrund. In etwa neunzig Prozent der spicy Momente wurden die beiden von anderen Personen beobachtet, die nicht aktiv beteiligt waren, sondern einfach nur zugeschaut haben. Das hat für mich die Intimität der Szenen gestört und wirkte eher befremdlich als reizvoll.
Erst ab etwa der Hälfte des Buches hat die Geschichte wieder Fahrt aufgenommen. Der Racheplan bekam mehr Raum, andere Konflikte traten in den Vordergrund und die Handlung wurde spürbar dynamischer. Die letzten fünfundzwanzig Prozent waren dann überraschend rasant und emotional, mit einigen unerwarteten Plot Twists, die mich tatsächlich mitgerissen haben und Harlow wieder stärker in ihrer Rolle gezeigt haben. Dieser Abschnitt hat deutlich gemacht, welches Potenzial die Geschichte gehabt hätte, wenn die Mitte nicht so langatmig geraten wäre und Harlow konsequent als die komplexe, gefährliche Figur erzählt worden wäre, die sie am Anfang ist.
Der Weltenaufbau war dagegen durchgehend stark. Die Stadt, die gesellschaftlichen Strukturen, das Magiesystem, bei dem Götter den Menschen verschiedene Gaben verleihen, und die Blutleeren, die im Wald leben und regelmäßig die Menschen angreifen, waren bildlich und atmosphärisch beschrieben. Ich konnte mir die Welt gut vorstellen und hatte das Gefühl, dass die Autorin hier viel Sorgfalt investiert hat. Umso bedauerlicher ist es, dass die Blutleeren selbst nur oberflächlich behandelt wurden. Gerade dieser Teil hätte mehr Tiefe verdient, weil er viel Potenzial für Spannung und Hintergrundwissen bietet. Einige der Spice Szenen hätte man dafür problemlos streichen können.
Zusätzlich sind mir in der deutschen Übersetzung einige Schreibfehler und grammatikalisch merkwürdige Textstellen aufgefallen, die mich beim Lesen immer wieder ins Stolpern gebracht haben. Nach mehreren irritierenden Passagen habe ich mir von meiner Schwägerin das englische Original ausgeliehen, um einzelne Sätze zu vergleichen, und dabei wirkte die deutsche Fassung stellenweise tatsächlich so, als wäre sie von einer KI übersetzt worden.
Als Beispiel habe ich eine kurze Stelle herausgesucht, die im Original so lautet:
"But several of the women of the high houses had brought their children to a party in my mother’s garden. Timmy was the son of my mother’s best friend and the one boy Aidia and I knew."
In der deutschen Ausgabe wurde das folgendermaßen wiedergegeben:
"Aber an diesem Tag hatten mehrere Frauen der ehrenwerten Familien ihre Kinder zu einem Fest im Garten Mutter mitgebracht. Timmy war der Sohn der besten Freundin Mutter und der einzige Junge, den Aidia und ich kannten."
Solche Formulierungen kommen im Buch leider häufiger vor und ärgern mich wirklich, denn wenn mir als Leserin auffällt, dass hier etwas nicht stimmt, sollte es professionellen Übersetzern und Lektoren erst recht auffallen. Die Qualität der Übersetzung hat meinen Lesefluss deutlich beeinträchtigt und ich bin inzwischen überzeugt, dass sie einen großen Anteil daran hat, warum meine Bewertung am Ende schlechter ausgefallen ist. Ich werde das Buch irgendwann noch einmal auf Englisch lesen, weil ich denke, dass die Geschichte im Original deutlich runder wirkt und viele der holprigen Stellen dort gar nicht existieren.
Fazit: Insgesamt bleibt für mich ein Buch, das viele starke Ansätze hat, aber nicht durchgehend überzeugt. Der Anfang wirkt kraftvoll, die Welt ist atmosphärisch beschrieben und Harlow hat als Figur ungewöhnlich viel Potenzial. Doch die Mitte verliert sich zu sehr in Wiederholungen und einer Dynamik, die beiden Hauptfiguren eher schadet als nutzt. Erst der letzte Abschnitt zeigt wieder, wie viel Spannung und Emotionalität möglich gewesen wären, wenn die Geschichte konsequenter erzählt worden wäre. Zusätzlich hat die mangelhafte deutsche Übersetzung meinen Eindruck beim Bewerten deutlich negativ beeinflusst. Trotzdem habe ich mich für 3.5 Sterne entschieden, weil das Buch zwar Schwächen hat, die Autorin aber keine schlechtere Bewertung dafür bekommen sollte, dass die Übersetzung an mehreren Stellen fehlerhaft ist.
Harlow als Protagonistin hat mich sofort überzeugt und ist für mich der stärkste Punkt des Buches. Sie ist die jüngste der Carenwell Geschwister und mit der Gabe des Gifts gesegnet, mit der sie Gegner mit einem einzigen Kuss töten kann. Diese Fähigkeit setzt sie nicht nur defensiv ein, sondern sehr gezielt, um gewalttätige Ehemänner auszuschalten. Dafür hat sie unter dem Decknamen "Giftige Versuchung" ein komplettes Netzwerk aufgebaut, das ihr dabei hilft, diese Männer zu finden und zu beseitigen. Ich fand es erfrischend, dass hier keine "Damsel in Distress" präsentiert wird, sondern eine Frau, die sich aktiv zur Wehr setzt, Verantwortung übernimmt und dabei sowohl Waffengewalt einsetzt, wo es nötig ist, als auch ihre Verführungskünste bewusst nutzt. Sie ist keine naive Heldin, sondern jemand, der die Härte der Welt kennt und entsprechend handelt. Dazu kommt, dass sowohl Harlow als auch Henry, der männlich Hauptcharakter, über 30 sind und bereits einiges an sexueller Erfahrung haben, was der Geschichte eine erwachsene Note verleiht und sie von den üblichen Romantasy-Konstellationen mit gerade volljährigen, unerfahrenen Protagonistinnen abhebt.
Leider hat dieser starke Einstieg nicht lange gehalten. Harlow war bereits einmal verheiratet und ist verwitwet, weil sie ihren ersten Mann mit Gift getötet hat. Trotzdem wird sie erneut von ihrer Familie an einen Fremden verheiratet. Ab diesem Punkt verliert die Handlung deutlich an Spannung. Die vielversprechende Ausgangslage, in der eine erfahrene, gefährliche Frau auf einen Mann trifft, der sie eigentlich nur als Werkzeug sieht, wird nicht ausgeschöpft. Ein wichtiger Teil seiner Motivation ist, dass Henry einen Angriff der Blutleeren überlebt hat und seine Schwester dabei gestorben ist. Er gibt der Familie Carenwell die Schuld daran und möchte sich rächen, weshalb Harlow für ihn zunächst nur ein Mittel zum Zweck ist. Gleichzeitig besteht er darauf, dass Harlow ihm außerhalb der Gemächer gehorcht, damit er nicht schwach aussieht und sie beschützen kann. Harlow reagiert darauf, indem sie sich immer wieder wie ein trotziges Kleinkind verhält, sich bewusst in Gefahr bringt und versucht zu beweisen, dass sie keinen Aufpasser braucht. Dieses Muster wiederholt sich so oft, dass es irgendwann nicht mehr spannend, sondern einfach nur ermüdend wurde und die zuvor so starke Figur Harlow in vielen Szenen unnötig klein wirken ließ.
Auch die Spice Szenen haben mich nicht abgeholt. Sie waren merkwürdig geschrieben und die Chemie zwischen Harlow und Henry blieb für mich blass, obwohl beide Figuren eigentlich genug Hintergrund und Erfahrung mitbringen, um eine intensive Dynamik zu entwickeln. Stattdessen stand in vielen dieser Szenen Voyeurismus im Vordergrund. In etwa neunzig Prozent der spicy Momente wurden die beiden von anderen Personen beobachtet, die nicht aktiv beteiligt waren, sondern einfach nur zugeschaut haben. Das hat für mich die Intimität der Szenen gestört und wirkte eher befremdlich als reizvoll.
Erst ab etwa der Hälfte des Buches hat die Geschichte wieder Fahrt aufgenommen. Der Racheplan bekam mehr Raum, andere Konflikte traten in den Vordergrund und die Handlung wurde spürbar dynamischer. Die letzten fünfundzwanzig Prozent waren dann überraschend rasant und emotional, mit einigen unerwarteten Plot Twists, die mich tatsächlich mitgerissen haben und Harlow wieder stärker in ihrer Rolle gezeigt haben. Dieser Abschnitt hat deutlich gemacht, welches Potenzial die Geschichte gehabt hätte, wenn die Mitte nicht so langatmig geraten wäre und Harlow konsequent als die komplexe, gefährliche Figur erzählt worden wäre, die sie am Anfang ist.
Der Weltenaufbau war dagegen durchgehend stark. Die Stadt, die gesellschaftlichen Strukturen, das Magiesystem, bei dem Götter den Menschen verschiedene Gaben verleihen, und die Blutleeren, die im Wald leben und regelmäßig die Menschen angreifen, waren bildlich und atmosphärisch beschrieben. Ich konnte mir die Welt gut vorstellen und hatte das Gefühl, dass die Autorin hier viel Sorgfalt investiert hat. Umso bedauerlicher ist es, dass die Blutleeren selbst nur oberflächlich behandelt wurden. Gerade dieser Teil hätte mehr Tiefe verdient, weil er viel Potenzial für Spannung und Hintergrundwissen bietet. Einige der Spice Szenen hätte man dafür problemlos streichen können.
Zusätzlich sind mir in der deutschen Übersetzung einige Schreibfehler und grammatikalisch merkwürdige Textstellen aufgefallen, die mich beim Lesen immer wieder ins Stolpern gebracht haben. Nach mehreren irritierenden Passagen habe ich mir von meiner Schwägerin das englische Original ausgeliehen, um einzelne Sätze zu vergleichen, und dabei wirkte die deutsche Fassung stellenweise tatsächlich so, als wäre sie von einer KI übersetzt worden.
Als Beispiel habe ich eine kurze Stelle herausgesucht, die im Original so lautet:
"But several of the women of the high houses had brought their children to a party in my mother’s garden. Timmy was the son of my mother’s best friend and the one boy Aidia and I knew."
In der deutschen Ausgabe wurde das folgendermaßen wiedergegeben:
"Aber an diesem Tag hatten mehrere Frauen der ehrenwerten Familien ihre Kinder zu einem Fest im Garten Mutter mitgebracht. Timmy war der Sohn der besten Freundin Mutter und der einzige Junge, den Aidia und ich kannten."
Solche Formulierungen kommen im Buch leider häufiger vor und ärgern mich wirklich, denn wenn mir als Leserin auffällt, dass hier etwas nicht stimmt, sollte es professionellen Übersetzern und Lektoren erst recht auffallen. Die Qualität der Übersetzung hat meinen Lesefluss deutlich beeinträchtigt und ich bin inzwischen überzeugt, dass sie einen großen Anteil daran hat, warum meine Bewertung am Ende schlechter ausgefallen ist. Ich werde das Buch irgendwann noch einmal auf Englisch lesen, weil ich denke, dass die Geschichte im Original deutlich runder wirkt und viele der holprigen Stellen dort gar nicht existieren.
Fazit: Insgesamt bleibt für mich ein Buch, das viele starke Ansätze hat, aber nicht durchgehend überzeugt. Der Anfang wirkt kraftvoll, die Welt ist atmosphärisch beschrieben und Harlow hat als Figur ungewöhnlich viel Potenzial. Doch die Mitte verliert sich zu sehr in Wiederholungen und einer Dynamik, die beiden Hauptfiguren eher schadet als nutzt. Erst der letzte Abschnitt zeigt wieder, wie viel Spannung und Emotionalität möglich gewesen wären, wenn die Geschichte konsequenter erzählt worden wäre. Zusätzlich hat die mangelhafte deutsche Übersetzung meinen Eindruck beim Bewerten deutlich negativ beeinflusst. Trotzdem habe ich mich für 3.5 Sterne entschieden, weil das Buch zwar Schwächen hat, die Autorin aber keine schlechtere Bewertung dafür bekommen sollte, dass die Übersetzung an mehreren Stellen fehlerhaft ist.