Viel Potenzial, aber nicht ganz mein Buch
Ich bin bei The Poison Daughter ehrlich gesagt ziemlich zwiegespalten. Die Grundidee hat mich sofort angesprochen: eine erwachsene Protagonistin mit einer ungewöhnlichen Giftgabe, eine düstere Fantasywelt, familiäre Machtstrukturen, Geheimnisse, Intrigen und dazu ein vermeintlicher Feind, der ausgerechnet gegen ihr Gift immun ist. Gerade der Klappentext und die Leseprobe hatten bei mir große Erwartungen geweckt. Leider konnte das Buch diese für mich nicht erfüllen.
Harlow war dabei tatsächlich eine der Figuren, die mir am besten gefallen haben. Sie ist keine Protagonistin, die ständig gerettet werden muss, sondern stark, misstrauisch, eigenwillig und durchaus moralisch ambivalent. Besonders ihre Auseinandersetzung mit ihrer Familie und ihrer Vergangenheit fand ich gegen Ende richtig stark. Diese Kapitel waren für mich emotional mit die besten des gesamten Buches und haben gezeigt, welches Potenzial in ihrer Geschichte steckt.
Auch Henry fand ich grundsätzlich interessant. Gerade seine Geheimnisse und seine eigenen Ziele haben mich lange neugierig gemacht. Die Dynamik zwischen den beiden hatte durchaus ihre guten Momente – vor allem die bissigen Dialoge und das gegenseitige Sticheln haben mir immer wieder Spaß gemacht. Leider konnte mich ihre Beziehung emotional trotzdem nicht vollständig erreichen.
Ein sehr großer Kritikpunkt war für mich allerdings der Spice. Ich habe grundsätzlich nichts gegen explizite Szenen, aber hier war es mir schlicht zu viel. Sexualität nimmt einen so großen Raum ein, dass für mich andere Aspekte der Geschichte immer wieder in den Hintergrund gedrängt wurden. Besonders gestört hat mich dabei die sehr vulgäre Sprache. Einige Formulierungen waren für mich nicht heiß, sondern eher unangenehm, cringe oder schlicht zum Augenrollen. Teilweise wirkte die Ausdrucksweise außerdem überhaupt nicht passend zu den Charakteren und der restlichen Atmosphäre des Buches.
Gerade bei Harlow hat mich das besonders gestört. Ihre Vergangenheit ist von Gewalt und traumatischen Erfahrungen geprägt und eigentlich steckt in ihrer Figur unglaublich viel Potenzial für eine tiefgehende Auseinandersetzung mit Vertrauen, Nähe und Kontrolle. Stattdessen hatte ich an manchen Stellen das Gefühl, dass diese Themen zugunsten möglichst expliziter Szenen zurücktreten mussten. Dadurch hat der Spice für mich nicht nur die Handlung ausgebremst, sondern teilweise sogar die Entwicklung der Beziehung zwischen Harlow und Henry geschwächt.
Auch die eigentliche Handlung konnte mich leider nicht durchgehend überzeugen. Das Buch ist mit über 800 Seiten sehr umfangreich, trotzdem hatte ich immer wieder das Gefühl, dass für die eigentliche Geschichte erstaunlich wenig passiert. Einige Handlungsstränge und Geheimnisse werden aufgebaut, nur um später kaum noch eine Rolle zu spielen oder für mich nicht wirklich zufriedenstellend aufgelöst zu werden.
Besonders schade fand ich das bei den Blutleeren und dem gesamten Vampir-Thema. Gerade dieser Aspekt hatte mich ursprünglich sehr neugierig gemacht, wurde für mich aber letztendlich viel zu wenig ausgeschöpft. Es werden interessante Entwicklungen und Fragen angedeutet, aber vieles davon bleibt eher im Hintergrund. Ähnlich ging es mir mit den Intrigen und einigen Konflikten rund um die verschiedenen Familien und Städte. Ich hatte häufig das Gefühl, dass hier deutlich mehr hätte passieren können.
Dazu kamen für mich einige Logikfragen und Entwicklungen, die sich nicht ganz stimmig angefühlt haben. Gerade gegen Ende hatte ich mehrfach den Eindruck, dass bestimmte Probleme plötzlich deutlich unkomplizierter gelöst wurden, als es nach dem vorherigen Aufbau zu erwarten gewesen wäre. Auch Harlows Kopfschmerzen und einige andere zuvor wichtige Aspekte blieben für mich letztendlich eher unbeantwortet.
Erschwert wurde das Ganze durch die vielen Namen, Familienmitglieder und Perspektivwechsel. Ich habe mich gerade zu Beginn und teilweise auch später immer wieder gefragt, wer eigentlich genau mit wem verbunden ist und wer welche Informationen besitzt. Bei einem so komplex angelegten Plot hätte ich mir hier deutlich mehr Klarheit gewünscht. Teilweise hatte ich dadurch nicht das Gefühl, selbst miträtseln zu können, sondern eher den Überblick verloren zu haben.
Zusätzlich sind mir immer wieder Grammatik-, Trenn- und Übersetzungsfehler aufgefallen. Gerade bei einem so langen Buch hat mich das irgendwann ziemlich aus dem Lesefluss gebracht. Wenn man dann ohnehin schon mit zahlreichen Namen, Perspektivwechseln und komplexen Zusammenhängen kämpft, machen solche Fehler das Lesen leider nicht leichter.
Trotz meiner vielen Kritikpunkte gab es aber auch Stellen, die mir wirklich gefallen haben. Einige Wendungen am Ende konnten mich überraschen. Besonders die Entwicklungen rund um Aidia und Kellan habe ich so nicht kommen sehen. Auch Harlows Auseinandersetzung mit ihren Eltern und ihrer Vergangenheit fand ich emotional und deutlich stärker als viele andere Teile des Buches. Das Ende selbst hat mir außerdem grundsätzlich gefallen, vor allem weil die Geschichte tatsächlich abgeschlossen ist und nicht mit einem riesigen Cliffhanger endet.
Und genau darin liegt für mich eigentlich das größte Problem von The Poison Daughter: Ich kann erkennen, dass hier sehr viele interessante Ideen vorhanden sind. Eine starke Protagonistin, ein interessantes Magiesystem, ein düsteres Setting, familiäre Abgründe, Intrigen, Blutmagie und eine komplizierte Beziehung zwischen zwei Figuren hätten für mich hervorragend funktionieren können. Nur wurden mir zu viele dieser Elemente nicht konsequent genug ausgearbeitet.
Am Ende blieb bei mir deshalb vor allem das Gefühl zurück, dass aus dieser Geschichte deutlich mehr hätte werden können. Für mich waren die spannenden Ansätze leider nicht genug, um die vielen Längen, die für mich übermäßige und sehr vulgäre Spice-Dichte, die offenen Fragen und einige unstimmige Entwicklungen auszugleichen.
Für mich ist The Poison Daughter daher leider nur ein 2-Sterne-Buch. Es gab einzelne wirklich starke und emotionale Momente und ich kann durchaus verstehen, warum das Buch seine Fans findet. Mich persönlich konnte es aber trotz seines Potenzials nicht wirklich abholen. Besonders schade finde ich, dass ausgerechnet die Elemente, auf die ich mich am meisten gefreut hatte – die düstere Fantasywelt, die Blutleeren und die größeren Intrigen – letztendlich deutlich weniger Raum bekommen haben, als ich erwartet hatte.
Harlow war dabei tatsächlich eine der Figuren, die mir am besten gefallen haben. Sie ist keine Protagonistin, die ständig gerettet werden muss, sondern stark, misstrauisch, eigenwillig und durchaus moralisch ambivalent. Besonders ihre Auseinandersetzung mit ihrer Familie und ihrer Vergangenheit fand ich gegen Ende richtig stark. Diese Kapitel waren für mich emotional mit die besten des gesamten Buches und haben gezeigt, welches Potenzial in ihrer Geschichte steckt.
Auch Henry fand ich grundsätzlich interessant. Gerade seine Geheimnisse und seine eigenen Ziele haben mich lange neugierig gemacht. Die Dynamik zwischen den beiden hatte durchaus ihre guten Momente – vor allem die bissigen Dialoge und das gegenseitige Sticheln haben mir immer wieder Spaß gemacht. Leider konnte mich ihre Beziehung emotional trotzdem nicht vollständig erreichen.
Ein sehr großer Kritikpunkt war für mich allerdings der Spice. Ich habe grundsätzlich nichts gegen explizite Szenen, aber hier war es mir schlicht zu viel. Sexualität nimmt einen so großen Raum ein, dass für mich andere Aspekte der Geschichte immer wieder in den Hintergrund gedrängt wurden. Besonders gestört hat mich dabei die sehr vulgäre Sprache. Einige Formulierungen waren für mich nicht heiß, sondern eher unangenehm, cringe oder schlicht zum Augenrollen. Teilweise wirkte die Ausdrucksweise außerdem überhaupt nicht passend zu den Charakteren und der restlichen Atmosphäre des Buches.
Gerade bei Harlow hat mich das besonders gestört. Ihre Vergangenheit ist von Gewalt und traumatischen Erfahrungen geprägt und eigentlich steckt in ihrer Figur unglaublich viel Potenzial für eine tiefgehende Auseinandersetzung mit Vertrauen, Nähe und Kontrolle. Stattdessen hatte ich an manchen Stellen das Gefühl, dass diese Themen zugunsten möglichst expliziter Szenen zurücktreten mussten. Dadurch hat der Spice für mich nicht nur die Handlung ausgebremst, sondern teilweise sogar die Entwicklung der Beziehung zwischen Harlow und Henry geschwächt.
Auch die eigentliche Handlung konnte mich leider nicht durchgehend überzeugen. Das Buch ist mit über 800 Seiten sehr umfangreich, trotzdem hatte ich immer wieder das Gefühl, dass für die eigentliche Geschichte erstaunlich wenig passiert. Einige Handlungsstränge und Geheimnisse werden aufgebaut, nur um später kaum noch eine Rolle zu spielen oder für mich nicht wirklich zufriedenstellend aufgelöst zu werden.
Besonders schade fand ich das bei den Blutleeren und dem gesamten Vampir-Thema. Gerade dieser Aspekt hatte mich ursprünglich sehr neugierig gemacht, wurde für mich aber letztendlich viel zu wenig ausgeschöpft. Es werden interessante Entwicklungen und Fragen angedeutet, aber vieles davon bleibt eher im Hintergrund. Ähnlich ging es mir mit den Intrigen und einigen Konflikten rund um die verschiedenen Familien und Städte. Ich hatte häufig das Gefühl, dass hier deutlich mehr hätte passieren können.
Dazu kamen für mich einige Logikfragen und Entwicklungen, die sich nicht ganz stimmig angefühlt haben. Gerade gegen Ende hatte ich mehrfach den Eindruck, dass bestimmte Probleme plötzlich deutlich unkomplizierter gelöst wurden, als es nach dem vorherigen Aufbau zu erwarten gewesen wäre. Auch Harlows Kopfschmerzen und einige andere zuvor wichtige Aspekte blieben für mich letztendlich eher unbeantwortet.
Erschwert wurde das Ganze durch die vielen Namen, Familienmitglieder und Perspektivwechsel. Ich habe mich gerade zu Beginn und teilweise auch später immer wieder gefragt, wer eigentlich genau mit wem verbunden ist und wer welche Informationen besitzt. Bei einem so komplex angelegten Plot hätte ich mir hier deutlich mehr Klarheit gewünscht. Teilweise hatte ich dadurch nicht das Gefühl, selbst miträtseln zu können, sondern eher den Überblick verloren zu haben.
Zusätzlich sind mir immer wieder Grammatik-, Trenn- und Übersetzungsfehler aufgefallen. Gerade bei einem so langen Buch hat mich das irgendwann ziemlich aus dem Lesefluss gebracht. Wenn man dann ohnehin schon mit zahlreichen Namen, Perspektivwechseln und komplexen Zusammenhängen kämpft, machen solche Fehler das Lesen leider nicht leichter.
Trotz meiner vielen Kritikpunkte gab es aber auch Stellen, die mir wirklich gefallen haben. Einige Wendungen am Ende konnten mich überraschen. Besonders die Entwicklungen rund um Aidia und Kellan habe ich so nicht kommen sehen. Auch Harlows Auseinandersetzung mit ihren Eltern und ihrer Vergangenheit fand ich emotional und deutlich stärker als viele andere Teile des Buches. Das Ende selbst hat mir außerdem grundsätzlich gefallen, vor allem weil die Geschichte tatsächlich abgeschlossen ist und nicht mit einem riesigen Cliffhanger endet.
Und genau darin liegt für mich eigentlich das größte Problem von The Poison Daughter: Ich kann erkennen, dass hier sehr viele interessante Ideen vorhanden sind. Eine starke Protagonistin, ein interessantes Magiesystem, ein düsteres Setting, familiäre Abgründe, Intrigen, Blutmagie und eine komplizierte Beziehung zwischen zwei Figuren hätten für mich hervorragend funktionieren können. Nur wurden mir zu viele dieser Elemente nicht konsequent genug ausgearbeitet.
Am Ende blieb bei mir deshalb vor allem das Gefühl zurück, dass aus dieser Geschichte deutlich mehr hätte werden können. Für mich waren die spannenden Ansätze leider nicht genug, um die vielen Längen, die für mich übermäßige und sehr vulgäre Spice-Dichte, die offenen Fragen und einige unstimmige Entwicklungen auszugleichen.
Für mich ist The Poison Daughter daher leider nur ein 2-Sterne-Buch. Es gab einzelne wirklich starke und emotionale Momente und ich kann durchaus verstehen, warum das Buch seine Fans findet. Mich persönlich konnte es aber trotz seines Potenzials nicht wirklich abholen. Besonders schade finde ich, dass ausgerechnet die Elemente, auf die ich mich am meisten gefreut hatte – die düstere Fantasywelt, die Blutleeren und die größeren Intrigen – letztendlich deutlich weniger Raum bekommen haben, als ich erwartet hatte.