Authentisch, spicy und cozy

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quilla3 Avatar

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Dies war mein zweiter Roman von Kyra Groh und erneut war das Erste, was ich beim Lesen dachte: "Endlich mal wieder originelle, authentische Charaktere mit Ecken und Kanten!" Zu oft erscheinen mir die Protagonist*innen, gerade in Romance-Büchern, zu blass und weichgespült. Kyra Groh scheint die Fähigkeit zu besitzen, wirklich in ihre Figuren hinein zu schlüpfen und sich an ganz unterschiedliche Charaktereigenschaften und Konstellationen heranzuwagen. Und während ich ihr letztes Buch ("Breakups and Butterflies") noch an manchen Stellen etwas langatmig fand, so war ich hier voll und ganz gebannt von der Story und konnte das Buch fast nicht aus der Hand legen.

Der Schreibstil ist locker, flüssig und so bildhaft humorvoll und sarkastisch, dass ich an manchen Stellen laut lachen musste. Es wird abwechselnd aus den (Ich-) Perspektiven von Jude und James erzählt, was mir die Charaktere auf eine schöne Art und Weise nahe gebracht hat. Ich habe gehört, dass einige Leser*innen Jude als anstrengend empfanden. Das teile ich nicht; ich fand sie im Gegenteil gerade toll in ihrer lauten, direkten und (nach)lässigen Art und ihrer Unverbindlichkeit. Das wirkte auf mich sehr authentisch. Wer kennt nicht ähnliche Menschen oder Eigenschaften von sich selbst oder aus dem Umfeld?! Alles schreit irgendwie nach "typischer ADHS" und doch möchte und kann man sie in keine Schublade packen. Jude wird selbst in ihren (teilweise absichtlich) "nervigen" Verhaltensweisen liebevoll dargestellt. James stellt zunächst scheinbar das Gegenteil dar mit seiner zurückhaltenden, brummeligen Art und seinem großen Bedürfnis nach Ruhe und Beständigkeit. Und doch haben beide mehr gemeinsam, als es anfangs scheint. Ich fand es berührend, ihre jeweilige Entwicklung und die Entwicklung ihrer Beziehung zueinander mitzuverfolgen. Manches davon wird vielleicht überspitzt dargestellt, aber nicht unrealistisch. Auch die Nebenfiguren, wie Penn oder Olive, mochte ich sehr und finde insgesamt, dass der Roman ein sehr differenziertes Menschenbild vermittelt, das Stereotype aufbricht oder satirisch entblößt und mich sehr abgeholt hat.

Die Spice-Szenen sind hier äußerst präsent und explizit. Normalerweise bin ich nicht der größte Fan davon (die immer gleichen Formulierungen lassen mich schon oft gähnen), hier jedoch passen sie absolut zu den Charakteren und werden zudem auch gut beschrieben.

Abgesehen davon ist das Setting voller cozy Gilmore Girls-Vibes, die ein Wohlgefühl vermitteln. Ich freue mich schon jetzt darauf, im Frühjahr nach Lower Whilby zurückzukehren und dort zwei weitere Personen zu begleiten, die eine interessante Dynamik entwickeln dürften.

Mein Fazit: Ich bin begeistert. Wer eine humorvolle, freche und dennoch berührende Smalltown Romance mit authentischen Charakteren sucht, sollte sich dieses Buch nicht entgehen lassen!