Magie trifft Korruption

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Schon nach den ersten Seiten hat mich Rainshadow City komplett verschluckt. Ich stehe förmlich neben Toshiko in diesem kaiserlichen Garten, spüre die Anspannung in ihren Muskeln und das nervöse Knistern in der Luft, während sie versucht, das Unmögliche zu stehlen. Was mich sofort fasziniert hat, ist dieser krasse Kontrast: Auf der einen Seite die klinische, fast schon einschüchternde Perfektion des kaiserlichen Palastes zum Herbstfest, und auf der anderen Seite das dreckige, pulsierende Leben der „Lucky Crows“ in den dunklen Gassen der Stadt.
Ich fühle mich direkt in Toshikos Welt hineingezogen, weil sie keine unnahbare Heldin ist, sondern jemand, der für seine Wahlfamilie alles riskiert. Die ständigen Sticheleien ihrer Schwester Mei in meinem Ohr – metaphorisch gesprochen durch den Funk – geben der ganzen gefährlichen Mission eine wunderbar menschliche Note. Ich spüre Toshikos Trauer um Tante Reiko in jedem ihrer vorsichtigen Schritte; es ist dieser Schmerz, der sie antreibt und den ich als Leser sofort nachempfinden kann.
Besonders packend finde ich, wie die Autorin japanische Folklore mit einer modernen, fast schon dystopischen Welt mischt. Wenn von Sonnengeistern und Drachenperlen die Rede ist, während gleichzeitig Hacker und kriminelle Syndikate das Sagen haben, entsteht in meinem Kopf ein Bild, das mich an die besten Anime-Klassiker erinnert. Nach diesen ersten 36 Seiten bin ich selbst wie auf der Flucht: Der Diebstahl der Perle hat eine Lawine losgetreten, und ich kann es kaum erwarten zu erfahren, ob Toshiko und die anderen Waisen den Schatten der Stadt entkommen können.