Zwischen Kaugummiblasen und Kaiserkronen – Ein magischer Raubzug

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davina Avatar

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Der Beginn von The Rainshadow Orphans hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Naomi Ishiguro entwirft ein faszinierendes Setting, das Elemente von High-Tech (Kameras, Bewegungsmelder, Tech-Labore) mit einer fast märchenhaften Atmosphäre (kaiserliche Gärten, Drei Schwesternmonde, mysteriöse Schattenwesen) verbindet. Der Einstieg ist rasant: Wir begleiten die siebzehnjährige Toshiko direkt bei einer gefährlichen Spionagemission im Palast. Diese Mischung aus kindlicher Abenteuerlust und tödlichem Ernst, schließlich begegnet sie dem Mörder ihrer Tante, erzeugt sofort eine greifbare Spannung.

Die Sprache ist lebendig, bildhaft und modern. Besonders gelungen ist der Kontrast in der Kommunikation zwischen der agilen Toshiko im Außeneinsatz und ihrer Schwester Mei, die mit Acrylnägeln auf Schreibtischplatten trommelt und Kaugummiblasen platzen lässt. Die Dialoge wirken authentisch und verleihen den Charakteren sofort Tiefe und eine klare Dynamik. Auch die Perspektive des jungen Kronprinzen Haru wird einfühlsam und fast poetisch geschildert, etwa wenn er die Blätter eines Baumes als winkende Hände wahrnimmt. 
Nach Abschluss der Leseprobe ist mein Interesse definitiv geweckt. Die Geschichte endet mit einem spannenden Cliffhanger: Toshiko hat eine leuchtende Perle gestohlen, die eine seltsame Präsenz auszustrahlen scheint, während der Prinz in seinem Zimmer Besuch von einem formwandelnden Wesen bekommt. Ich möchte unbedingt wissen, welche Geheimnisse hinter dem „LIFE-Hub“ stecken, was es mit der mysteriösen Perle auf sich hat und wie sich die Wege der ungleichen Protagonisten in diesem atmosphärischen Fantasyroman weiter kreuzen werden.