Ein lesenswertes Potpourri

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lesekatze50 Avatar

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> The Rainshadow Orphans war für mich eine ziemliche Berg-und-Tal-Fahrt — am Ende aber dennoch gute 4 Sterne.

Das Buch wirkt wie ein ungewöhnliches Potpourri aus asiatisch angehauchter Fantasy, dystopischer Sci-Fi und politischen Machtkämpfen. Drachen treffen auf futuristische Technologien, Widerstandsgruppen, gefährliche Kriegerorden und wechselnde Loyalitäten. Gerade diese ungewöhnliche Mischung macht den Reiz der Geschichte aus. Besonders positiv fand ich den flüssigen Schreibstil, durch den man trotz der teilweise komplexen Handlung schnell durch die Seiten kommt.

Im Mittelpunkt stehen drei Geschwister, die sich dem Widerstand anschließen und dort ihren eigenen Platz finden. Gleichzeitig bekommt auch der zehnjährige Sohn der Kaiserin eine wichtige emotionale Rolle, die der Geschichte überraschend viel Menschlichkeit verleiht.

Besonders interessant fand ich außerdem Theo, ein Mitglied der Crowns. Seine Entwicklung baut sich eher schleichend auf, wird im Laufe der Geschichte aber immer wichtiger. Er trifft falsche Entscheidungen, fängt sich wieder und sorgt letztendlich dafür, dass genau an seiner Geschichte der Cliffhanger ansetzt.

Teilweise wirkte das Buch allerdings fast überladen, weil unglaublich viele Elemente gleichzeitig miteinander verbunden werden: Drachen, besondere Gaben, eine magische Perle, politische Machtkämpfe, Widerstand und sogar futuristische Robotik. Trotzdem gelingt es der Geschichte erstaunlich oft, daraus ein stimmiges Gesamtbild entstehen zu lassen — auch wenn es zwischendurch etwas verworren wirkt.

Zusätzlich gab es einige Übersetzungs- beziehungsweise Schreibfehler, die zwar nicht gravierend waren, mich beim Lesen aber immer wieder kurz aus dem Lesefluss gerissen haben. Manche Passagen hatten außerdem ihre Längen, während andere plötzlich deutlich kindlicher wirkten, wodurch die Geschichte tonal teilweise stark schwankt.

Der Cliffhanger am Ende hat mich ebenfalls eher kritisch zurückgelassen. Für mich wirkte es stellenweise so, als wäre die Handlung bewusst in die Länge gezogen worden, um genau auf diesen offenen Abschluss hinzuarbeiten. Dadurch fehlte dem Buch am Ende etwas die erzählerische Rundheit, die ihm eigentlich gutgetan hätte.

Trotzdem mochte ich die Atmosphäre, die Welt und viele der Ideen genug, um am Ende gerne 4 Sterne zu vergeben.