interessanter Reihenauftakt, der etwas Geduld braucht

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_favola_ Avatar

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"The Rainshadow Orphans" hat mich schon mit seiner Inhaltsangabe neugierig gemacht. Eine düstere Metropole, japanische Mythologie, Magie, eine kriminelle Untergrundorganisation und eine Found-Family-Geschichte klangen nach einer Mischung, die genau meinen Geschmack trifft.

Im Mittelpunkt stehen die Wahlgeschwister Toshiko, Jun und Mei, die in Rainshadow City ums tägliche Überleben kämpfen. Als Toshiko dem Anführer der gefährlichen Lucky Crows eine geheimnisvolle Drachenperle stiehlt, setzt sie eine Kette von Ereignissen in Gang, die weit über ihr eigenes Schicksal hinausgeht. Gleichzeitig begleiten wir Haru, den Sohn der Kaiserin, der plötzlich Sonnengeister sehen kann, sowie Theo, der als illegaler Einwanderer unfreiwillig in die Machenschaften der Unterwelt gerät. Nach und nach verweben sich alle Handlungsstränge zu einer grossen Geschichte über Macht, Ungerechtigkeit und Zusammenhalt.

Besonders begeistert hat mich das Worldbuilding. Naomi Ishiguro erschafft eine Welt, die sich frisch und einzigartig anfühlt. Japanische Mythologie trifft auf futuristische Technologien, künstliche Intelligenz und eine düstere Grossstadt voller sozialer Ungleichheit. Drachen, Geisterwesen und Magie fügen sich dabei überraschend stimmig in dieses Setting ein.

Auch die Figuren konnten mich mit der Zeit überzeugen. Vor allem die Toshiko, Jun und Mei wachsen einem schnell ans Herz. Ihre enge Verbindung und ihr Zusammenhalt verleihen der Geschichte viel Wärme, obwohl die Welt, in der sie leben, oft grausam und hoffnungslos wirkt. Die Found-Family-Thematik ist für mich eines der grössten Highlights des Buches.

Leicht fiel mir der Einstieg allerdings nicht. Die Geschichte beginnt eher ruhig und wirft den Leser zunächst mit vielen Namen, Begriffen und Perspektiven in diese komplexe Welt. Gerade in der ersten Hälfte hatte ich deshalb Mühe, richtig in die Handlung einzutauchen. Obwohl der Schreibstil sehr atmosphärisch und bildhaft ist, hatte ich oft das Gefühl, dass die Geschichte nur langsam vorankommt. Manche Passagen hätten für meinen Geschmack etwas straffer erzählt werden dürfen.

Ab der zweiten Hälfte änderte sich das jedoch deutlich. Plötzlich griffen die einzelnen Handlungsstränge immer besser ineinander, die Spannung nahm spürbar zu und ich wollte unbedingt wissen, wie alles zusammenhängt. Vor allem gegen Ende konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen.

Romance spielt übrigens so gut wie keine Rolle, was ich hier überhaupt nicht vermisst habe. Stattdessen stehen Freundschaft, Loyalität, Familie und der Kampf gegen Ungerechtigkeit klar im Mittelpunkt.

Fazit:
"The Rainshadow Orphans" ist ein interessanter Reihenauftakt mit einer aussergewöhnlichen Welt, starken Themen und liebenswerten Figuren. Wer geduldig ist und Freude an detailreichen Settings hat, wird hier mit einer originellen Geschichte belohnt, die Lust auf die Fortsetzung macht.
(3.5 Sterne)