Wie ein Ghibli-Film zwischen Bubble Tea, Sonnengeistern und gesellschaftlicher Schieflage

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april1985 Avatar

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Worum geht es?

Rainshadow City ist eine Stadt voller Gegensätze. Während am Kaiserhof Reichtum und Privilegien herrschen, kämpfen viele Menschen außerhalb des Palastes gegen Armut, Korruption und Ungerechtigkeit.

Mittendrin leben Toshiko, Jun und Mei – Wahlgeschwister, die sich selbst zu einer Familie gemacht haben und als Rainshadow Orphans für Gerechtigkeit kämpfen. Gleichzeitig versucht Theo, der auf illegalem Weg in die Stadt gekommen ist, irgendwie zu überleben, während Haru als Sohn der Kaiserin in einer vollkommen anderen Welt aufwächst und eine besondere Verbindung zu magischen Sonnengeistern entwickelt.

Als Toshiko dem Anführer der Lucky Crows eine geheimnisvolle Drachenperle stiehlt, beginnen sich ihre Geschichten miteinander zu verweben – und plötzlich steht weit mehr auf dem Spiel als nur ihr eigenes Überleben. Die Geschichte spielt innerhalb eines eng gefassten Zeitraums und führt die verschiedenen Perspektiven zunehmend zusammen.

Meine Gedanken:

Ein Buch wie ein Ghibli-Film? Bin ich dabei!

Und tatsächlich war genau das für mich die größte Stärke von The Rainshadow Orphans.

Naomi Ishiguro hat eine faszinierende Welt geschaffen, in der sich Alt und Neu miteinander vermischen. Traditionen treffen auf futuristische Technologien, Sonnengeister auf Bots und Kaiserpaläste auf Bubble Tea. Diese Gegensätze funktionieren erstaunlich gut zusammen und geben Rainshadow City einen ganz eigenen Charakter.

Besonders stark fand ich dabei die gesellschaftliche Ebene. Zwischen dem prunkvollen Kaiserhof, den Lucky Crows und den Menschen, die jeden Tag ums Überleben kämpfen, wird die enorme Kluft zwischen Arm und Reich immer wieder sichtbar. Korruption, politische Ungerechtigkeit und die Frage, wer in einer Gesellschaft überhaupt eine Stimme bekommt, ziehen sich durch die Geschichte. Genau dadurch war die Welt für mich nicht nur hübsche Kulisse, sondern hatte wirklich etwas zu erzählen.

Und ja: Während des Lesens habe ich mir tatsächlich meinen ersten Bubble Tea gegönnt. 🍵 Wenn ein Buch das schafft, muss die Atmosphäre schon irgendetwas richtig gemacht haben.

Die Rainshadow Orphans:

Auch die kleine Gruppe rund um Toshiko, Jun und Mei mochte ich richtig gerne.

Sie sind nicht durch Blut miteinander verbunden, sondern haben sich gegenseitig als Familie gewählt. Diese Found-Family-Dynamik hat für mich wunderbar funktioniert.

Ich konnte mit ihnen mitfiebern und fand besonders spannend, wie sich die verschiedenen Handlungsstränge nach und nach annähern. Theo startet zunächst vollkommen außerhalb ihrer Gruppe und trotzdem merkt man immer stärker, dass seine Geschichte mit ihrer verbunden ist.

Dieses langsame Zusammenlaufen der einzelnen Wege hat mir richtig gut gefallen.

Auch Harus Perspektive bringt noch einmal eine ganz andere Seite Rainshadow Citys hinein. Plötzlich betrachtet man dieselbe Welt nicht nur von unten, sondern auch aus der Nähe des Kaiserhofs.

Eine Welt zwischen Tradition und Zukunft:

Für mich bleibt das Worldbuilding ganz klar das Highlight.

Diese Mischung ist ungewöhnlich: futuristische Technik, traditionelle Strukturen, Magie, Geisterwesen und eine Stadt, deren soziale Unterschiede man beinahe an jeder Straßenecke spürt.

Das Buch wird offiziell als Mischung aus japanischer Folklore, Ghibli-artiger Fantasy und Cyberpunk beschrieben – und genau dieses Gefühl hatte ich beim Lesen auch. Rainshadow City fühlt sich gleichzeitig alt und futuristisch an. Und gerade dadurch wollte ich immer wieder wissen, was sich hinter der nächsten Ecke dieser Stadt verbirgt.


Ein Einstieg mit etwas Geduld:

Ganz reibungslos war mein Leseerlebnis allerdings nicht.

Gerade am Anfang musste ich erst einmal herausfinden, wer eigentlich wer ist und wie die einzelnen Figuren miteinander verbunden sind. Durch die verschiedenen Perspektiven bekommt man zwar einen breiten Blick auf Rainshadow City, aber bis ich alle Charaktere richtig eingeordnet hatte, brauchte es etwas Zeit und Geduld.

Auch später bringt der Roman einige Längen mit. Es gab Passagen, in denen die Geschichte für mich deutlich langsamer wurde und ich mir etwas mehr Tempo gewünscht hätte. Gerade bei einem Buch mit 640 Seiten merkt man solche ruhigeren Abschnitte natürlich umso stärker. Die deutsche Ausgabe umfasst tatsächlich 640 Seiten.

Trotzdem hat mich die Welt immer wieder zurückgeholt. Denn selbst wenn die Handlung zwischendurch etwas durchhängt, wollte ich Rainshadow City nicht verlassen.

Was bleibt?

The Rainshadow Orphans war für mich vor allem eines: eine außergewöhnliche Reise in eine faszinierende Welt.

Die Mischung aus futuristischen Elementen und Tradition, Magie und Technik, Kaiserhof und Untergrund hat mich richtig begeistert.

Dazu kommt eine sympathische Found Family, deren einzelne Geschichten sich immer stärker miteinander verweben, und eine Handlung, die neben all der Fantasy auch gesellschaftskritische Fragen zu Macht, Armut, Korruption und Ungerechtigkeit aufwirft.

Der Einstieg braucht etwas Geduld und auch später gibt es einige Längen.

Aber die Welt? Die ist hängen geblieben. Und manchmal reicht genau das, damit ich wissen möchte, was noch in ihr steckt.

🦉🦉🦉🦉 / 5

Vier Eulen für eine ungewöhnliche Mischung aus Ghibli-Vibes, Cyberpunk, Found Family und Gesellschaftskritik – mit einer Welt, die für mich eindeutig der Star der Geschichte ist. 🌙🍵🐉