Koreanische Seifenoper in jugendlichem Schreibstil

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern Leerer Stern
hapedah Avatar

Von

Seit Kindertagen wurde Navier darauf vorbereitet, die Kaiserin des östlichen Reiches zu werden, gewissenhaft erfüllt sie alle Pflichten, die diese Position mit sich bringt. Mit ihrem Kaiser Sovieshu verbindet sie zwar keine leidenschaftliche Liebesbeziehung, doch die Freundschaft, die sich sich bereits als Kinder aufgebaut haben, ist mehr als von den meisten Zweckehen in Adelskreisen erwartet wird. Als Sovieshu allerdings die entflohene Sklavin Rashta an den Hof bringt und sie in kürzester Zeit als seine Konkubine etabliert, ändert sich für die Kaiserin alles. Um seiner neuen Liebe zu gefallen, distanziert sich der Kaiser öffentlich von Navier, ihr einziger Trost in diesen schwierigen Wochen ist der Vogel Queen, der ihr aufmunternde Nachrichten von einem Unbekannten überbringt. Doch wie weit darf eine pflichtbewusste Kaiserin Zuneigung zu einem fremden Mann empfinden?

"The Remarried Empress 1" von Alphatart ist der Auftaktband einer romantischen Fantasyreihe, die nicht umsonst vom Verlag als K-Drama beworben wird. Von Anfang an konnte ich mich des Gefühls nicht erwehren, dass diese Geschichte für eine jüngere Zielgruppe verfasst wurde, an sich lese ich trotz meines fortgeschrittenen Alters gern Jugendliteratur, dieses Buch hat mich aber leider nicht begeistern können. Das beginnt schon mit dem etwas flachen Handlungsaufbau, viele Dinge werden einfach so als gegeben hin gestellt und auch die Figuren fand ich fast alle recht einseitig charakterisiert. Navier war mir zwar schnell sympathisch, durch die ungerechte Behandlung Sovieshus war ich emotional immer an ihrer Seite und dennoch hätte ich mir auch für sie etwas mehr Tiefgang gewünscht. Trotz ihrer erwähnten Klugheit fand ich sie in manche Situationen regelrecht begriffsstutzig, dieser Gegensatz machte ihre Figur für mich unglaubwürdig.

Dabei hat mich der Schreibstil durchaus gefesselt, zwischenzeitlich mochte ich das Buch kaum aus der Hand legen und habe es innerhalb weniger Tage durchgelesen. Allerdings hätte der Hintergrund und auch der laufende Erzählstrang für meinen Geschmack etwas ausführlicher ausfallen dürfen, es schien es mir, als ob die Handlung nur darauf abzielt, so viel Drama wie möglich zu erzeugen. Das erinnerte mich an eine Seifenoper, bei der es lediglich um den Erhalt der Spannung bis zur nächsten Folge geht und nicht darum, einen umfassenden, logisch nachvollziehbaren Plot zu entwickeln. Das passt in meinen Augen durchaus zu einer Serienverfilmung, für eine rundum zufriedenstellende Lektüre genügte es mir aber leider nicht. So hatte ich zwar ein recht unterhaltsames Leseerlebnis , bin aber noch nicht sicher, ob meine naturgegebene Neugier ausreichen wird, diese Reihe weiter zu verfolgen.

Fazit: Der Pluspunkt der Geschichte liegt meiner Meinung nach bei dem mitreißenden Schreibstil und der nicht abflauenden Spannung. Die knapp gehaltenen Hintergrundinformationen und die einseitig dargestellten Charaktere haben bei mir den Eindruck hinterlassen, ein Buch für die eher jüngere Zielgruppe zu lesen, so dass ich leider nur zu einer mittelprächtigen Bewertung komme.