Krone, Intrigen und eine Kaiserin mit Rückgrat

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blocksbersch Avatar

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Manchmal greift man zu einem Buch, ohne genau zu wissen, was einen erwartet, und wird dann völlig unerwartet begeistert. Genau so ging es mir mit The Remarried Empress. Ich hatte vorher überhaupt keine richtige Vorstellung davon, was für eine Geschichte mich erwartet. Eine Kaiserin, royale Intrigen und ein bisschen Fantasy? Klang interessant, aber dass mich das Buch so gut unterhalten würde, hätte ich wirklich nicht gedacht. Am Ende war ich jedenfalls positiv überrascht und hatte richtig viel Freude beim Lesen.

Im Mittelpunkt steht Navier, die Kaiserin des Östlichen Reiches. Sie ist intelligent, selbstbewusst und wurde von klein auf darauf vorbereitet, eines Tages an der Seite des Kaisers zu regieren. Sie weiß, was von ihr erwartet wird, und erfüllt ihre Aufgaben pflichtbewusst. Doch dann bringt ihr Mann Sovieshu eine junge Frau namens Rashta mit in den Palast und verfällt ihr zunehmend. Rashta wird seine Mätresse, und plötzlich verändert sich für Navier alles. Die Frau, die ihr ganzes Leben darauf vorbereitet wurde, eine perfekte Kaiserin zu sein, muss erleben, wie ihre Ehe und ihre bisherige Stellung infrage gestellt werden.

Was ich an der Geschichte besonders interessant fand, ist, dass es eben nicht nur um ein Liebesdreieck geht. Natürlich spielen die Beziehungen zwischen Navier, Sovieshu, Rashta und Heinrey eine wichtige Rolle, aber dahinter steckt viel mehr. Es geht um gesellschaftliche Rollen, um Regeln und Erwartungen und vor allem um Macht. Wer darf welche Entscheidungen treffen? Welche Rolle wird einer Frau zugestanden? Und was passiert, wenn jemand nicht so handelt, wie es von ihm erwartet wird? Gerade diese Aspekte haben mir richtig gut gefallen und die Geschichte für mich interessanter gemacht, als ich zunächst erwartet hatte.

Navier mochte ich als Protagonistin besonders gern. Sie ist keine Frau, die sich von anderen einfach unterkriegen lässt, auch wenn sie sich plötzlich in einer Situation wiederfindet, die alles andere als einfach ist. Sie wurde darauf trainiert, die perfekte Kaiserin zu sein, und muss gleichzeitig mit persönlichen Verletzungen umgehen, ohne sich am Hof eine Schwäche erlauben zu können. Ich fand es toll, ihre Entwicklung zu verfolgen und zu sehen, wie sie ihren eigenen Weg findet. Sie bleibt sich selbst treu, lässt sich nicht einfach alles gefallen und nimmt ihr Leben selbst in die Hand. Gerade diese Stärke hat mir an ihr gefallen.

Sovieshu hat mich mit seinem Verhalten dagegen regelmäßig den Kopf schütteln lassen. Er behauptet, Navier zu lieben, scheint aber überhaupt nicht zu verstehen, was er ihr mit seinen Entscheidungen antut. Seine Faszination für Rashta und seine Vorstellung davon, wie die Dinge laufen sollten, führen dazu, dass er die Frau, die ihm seit Jahren zur Seite steht, immer mehr verletzt. Beim Lesen konnte ich mich über ihn wirklich aufregen, gerade weil er offenbar selbst nicht richtig begreift, welche Konsequenzen sein Verhalten hat.
Auch Rashta fand ich als Figur interessant. Sie ist nicht einfach nur die typische Gegenspielerin, sondern bringt ihre eigene Vergangenheit und ihre Ängste mit. Ihre Angst, wieder in die Sklaverei zurückzufallen, beeinflusst ihr Verhalten und macht manche ihrer Entscheidungen nachvollziehbarer, auch wenn das längst nicht alles entschuldigt. Ich finde es schön, wenn Figuren nicht einfach nur schwarz oder weiß gezeichnet sind, sondern man sich mit ihren Beweggründen auseinandersetzen kann.

Und dann ist da natürlich noch Heinrey. Die Dynamik zwischen ihm und Navier hat mir richtig gut gefallen. Während Navier an ihrem eigenen Hof immer wieder mit Enttäuschungen und Machtspielchen konfrontiert wird, entwickelt sich zwischen den beiden eine ganz eigene Beziehung. Ihre Begegnungen, die kleinen Missverständnisse und der Austausch über Brieftauben sorgen für unterhaltsame Momente und machen neugierig darauf, wie es mit ihnen weitergeht. Heinrey wirkt zunächst wie ein charmanter, etwas leichtlebiger Prinz, hinter dessen Fassade aber deutlich mehr steckt. Ich mochte es, wie sich die Beziehung zwischen ihm und Navier entwickelt und wie er sie wahrnimmt.

Obwohl die Geschichte mit ihren verschiedenen Charakteren, den politischen Verwicklungen und den vielen Konflikten durchaus umfangreich ist, wurde sie für mich nie langweilig. Es passiert ständig irgendetwas, neue Entwicklungen sorgen für weitere Fragen, und man möchte unbedingt weiterlesen. Ich hatte immer wieder das Bedürfnis, noch ein Kapitel zu lesen, weil ich wissen wollte, was als Nächstes passiert. Genau diese Sogwirkung hat für mich einen großen Teil des Lesevergnügens ausgemacht.

Die Mischung aus royalen Intrigen, Drama, Beziehungen und Fantasy-Elementen hat für mich gut funktioniert. Stellenweise hatte ich ein bisschen Bridgerton-Vibes, vor allem wegen des Hoflebens, der Verwicklungen und der vielen zwischenmenschlichen Konflikte. Der Fantasy-Anteil stand für mich dabei nicht unbedingt im Vordergrund, aber das hat meinen Lesespaß nicht geschmälert. Viel spannender fand ich die Figuren, ihre Entscheidungen und die Frage, welche Konsequenzen daraus entstehen.

Was ich vorher wirklich nicht erwartet hätte, war, wie gut mir diese Geschichte gefallen würde. Ich taste mich gerade weiter an das Fantasy-Genre heran, und The Remarried Empress war für mich eine tolle Entdeckung. Besonders Navier und ihre Entwicklung sind mir positiv im Gedächtnis geblieben. Ich habe mit ihr mitgefiebert, mich über andere Figuren geärgert und wollte immer wissen, wie es weitergeht.

Insgesamt hat mich The Remarried Empress wirklich positiv überrascht. Die Geschichte ist abwechslungsreich, unterhaltsam und bietet mit ihren Intrigen, Machtkämpfen und unterschiedlichen Charakteren einiges mehr als nur eine Liebesgeschichte. Für mich ist es zwar kein Fünf-Sterne-Highlight, aber ich hatte richtig viel Freude beim Lesen und kann das Buch allen empfehlen, die royale Dramen, starke Protagonistinnen und jede Menge Verwicklungen mögen.

Von mir gibt es sehr gute 4 Sterne!