Sehr nervenaufreibend

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evaerl Avatar

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Handlung

Navier hat ihr ganzes Leben auf ihre Rolle als Kaiserin ausgerichtet. Sie kennt die Regeln des Hofes, nimmt ihre Verantwortung ernst und steht ihrem Ehemann, Kaiser Sovieshu, als souveräne Herrscherin zur Seite. Doch als er Rashta zu seiner Konkubine macht, verändert sich das bisherige Gleichgewicht. Zwischen persönlichen Kränkungen, gesellschaftlichen Erwartungen und höfischen Intrigen muss Navier um ihre Stellung und ihre Würde kämpfen.

Für mich lebt die Geschichte vor allem von diesen Konflikten. Es geht um Macht, Anerkennung und die Frage, wie viel eine Frau hinnehmen soll, nur weil von ihr erwartet wird, stets Haltung zu bewahren. Dabei haben die Figuren bei mir wirklich starke Gefühle ausgelöst. Ich habe mitgefiebert, mich geärgert und Navier immer wieder gewünscht, dass endlich jemand erkennt, was sie eigentlich verdient.

Charaktere und Entwicklung

Navier ist für mich eindeutig das Herzstück des Buches. Sie ist selbstbewusst, beherrscht und lässt sich trotz der vielen Verletzungen nicht einfach unterkriegen. Ihre Zurückhaltung habe ich dabei nicht als Gefühllosigkeit empfunden. Für mich merkt man vielmehr, wie sehr sie daran gewöhnt ist, ihre persönlichen Bedürfnisse hinter ihre Aufgaben zu stellen. Gerade deshalb haben mich die Momente berührt, in denen sichtbar wird, was unter dieser kontrollierten Fassade liegt.

Besonders gefallen hat mir, dass sie ihre Würde bewahrt und gleichzeitig für andere einsteht. Sie hätte so viel mehr verdient als eine Beziehung, in der ihre Meinung ständig abgewertet wird. Ich wünsche ihr vor allem, dass sie auch außerhalb ihrer Rolle als Kaiserin glücklich sein darf.

Rashta war dagegen der größte Dorn in meinem Auge. Ihre Mischung aus Naivität, Selbstmitleid und Berechnung hat mich beim Lesen regelmäßig aufgeregt. Manchmal konnte ich nicht einschätzen, ob sie bestimmte Dinge wirklich nicht versteht oder ihre vermeintliche Unwissenheit gezielt einsetzt. Gerade dieser Gegensatz macht sie als Gegenspielerin interessant, aber keineswegs sympathisch. Mir fehlt bei ihr häufig das Bewusstsein dafür, welche Grenzen sie überschreitet und welchen Schaden sie anderen zufügt.

Noch unangenehmer fand ich teilweise Sovieshu. Er erwartet von Navier Verständnis und Rücksicht, bringt ihr selbst aber kaum etwas davon entgegen. Ihre nachvollziehbaren Argumente werden abgetan, während er Rashta immer wieder in Schutz nimmt. Auf mich wirkt er egoistisch und erschreckend wenig einfühlsam. Dass er offenbar nicht erkennt, wie ungerecht er seine Frau behandelt, hat mich besonders wütend gemacht.

Heinrey gehört hingegen zu meinen liebsten Figuren. Er bringt Charme und eine gewisse Leichtigkeit in die angespannten Verhältnisse am Hof. Gleichzeitig bleibt bei ihm genug unausgesprochen, um meine Neugier zu wecken. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass er Navier gegenüber an manchen Stellen offener wäre.

Auch die Nebenfiguren haben bei mir Eindruck hinterlassen. Herzog Ergi bleibt schwer einzuschätzen, und gerade seine undurchsichtigen Beweggründe machen ihn interessant. Lotteshu verkörpert für mich dagegen sehr deutlich die unangenehme Seite von Ehrgeiz und Eigennutz. Mit Herzogin Tuania und Viscount Landre habe ich besonders mitgefühlt. Ihre Geschichte zeigt, wie verletzlich Menschen in einem Umfeld sind, in dem Gerüchte und gesellschaftliches Ansehen so viel Macht besitzen. Großherzog Kaufman sorgt wiederum für einige unterhaltsame Momente, auch wenn seine Rolle bislang vergleichsweise klein bleibt.

Beziehungen

Die Beziehung zwischen Navier und Sovieshu war für mich besonders frustrierend. Ihre Ehe ist von Pflichten und Erwartungen geprägt, trotzdem sollte gegenseitiger Respekt selbstverständlich sein. Genau diesen vermisse ich bei ihm zunehmend. Navier muss seine Entscheidungen hinnehmen und soll gleichzeitig dafür sorgen, dass sich alle anderen wohlfühlen. Ihre eigenen Gefühle scheinen dabei kaum eine Rolle zu spielen.

Dass sie Rashta nicht mit offenen Armen empfängt, konnte ich deshalb vollkommen nachvollziehen. Für mich geht es bei ihrer Reaktion auch um die Missachtung ihrer Person und die Bedrohung einer Stellung, auf die sie ihr ganzes Leben vorbereitet wurde.

Zwischen Navier und Heinrey hätte ich mir dagegen noch mehr Nähe gewünscht. Ich mochte ihre gemeinsame Dynamik sehr, aber die romantische Entwicklung blieb für meinen Geschmack etwas zu zurückhaltend. Kleine Gesten und Begegnungen lassen Potenzial erkennen, doch ich hätte ihre wachsende Verbundenheit gerne deutlicher gespürt. Hier hoffe ich sehr auf den zweiten Band.

Worldbuilding

Die Welt wird vor allem durch das Leben am Hof greifbar. Titel, Rangordnungen, gesellschaftliche Regeln und politische Interessen bestimmen, wie die Figuren miteinander umgehen. Besonders deutlich wird dabei, wie stark der Ruf eines Menschen über dessen Möglichkeiten und Sicherheit entscheidet.

Dadurch entsteht ein Umfeld, in dem selbst scheinbar kleine Bemerkungen oder Gesten große Bedeutung haben können. Diese höfische Atmosphäre passt gut zu den Intrigen und persönlichen Konflikten. Die fantastischen Elemente ergänzen das Geschehen und machen neugierig, während der Schwerpunkt für mich klar auf den Figuren und ihren Machtverhältnissen liegt.

Aufbau, Spannung und Kritik

Meine Spannung entstand vor allem daraus, dass ich wissen wollte, wie Navier auf die nächste Ungerechtigkeit reagiert und welche Absichten hinter dem Verhalten der anderen stecken. Gerade bei den schwer durchschaubaren Nebenfiguren hatte ich immer wieder eigene Vermutungen. Die Geschichte hat mich dadurch emotional stark beschäftigt.

Die unterschiedlichen Perspektiven ermöglichen zwar Einblicke in die Gedanken der Figuren, Rashtas Abschnitte fand ich allerdings anstrengend. Besonders ihre Angewohnheit, sich selbst in der dritten Person zu benennen, hat meinen Lesefluss gestört. Zusammen mit ihrem häufigen Weinen und ihrer Art, sich als Opfer darzustellen, wurde mir das stellenweise zu viel.

Auch das Verhalten des Kaisers war auf Dauer schwer auszuhalten. Dass eine Geschichte solche Gefühle auslöst, spricht durchaus für ihre Wirkung. Trotzdem hätte ich mir gelegentlich mehr Nuancen gewünscht, damit die Konflikte nicht so stark von seiner Uneinsichtigkeit und Rashtas Verhalten bestimmt werden.

Mein größter Wunsch bleibt jedoch eine deutlichere romantische Entwicklung. Die Grundlage zwischen Navier und Heinrey gefällt mir, aber emotional hätte ich gerne noch etwas mehr bekommen.

Fazit

The Remarried Empress hat mich vor allem durch seine höfischen Intrigen und die starke Kaiserin beschäftigt. Navier ist eine Protagonistin, mit der ich mitfühlen konnte und der ich von Herzen ein glücklicheres Leben wünsche. Rashta und Sovieshu haben meine Geduld dagegen regelmäßig auf die Probe gestellt.

Trotz meiner Kritik an Rashtas Perspektive und der für mich noch zu verhaltenen Romance möchte ich wissen, wie es weitergeht. Gerade Heinrey und einige undurchsichtige Nebenfiguren bieten viel Potenzial. Für den zweiten Band wünsche ich mir vor allem mehr Offenheit, mehr Nähe und eine Entwicklung, die Navier endlich den Raum gibt, den sie verdient.