Zwischen muffigen Socken und WG-Albtraum

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Gleich vorweg: Bei dieser Leseprobe habe ich mich auf den ersten Seiten erst einmal grün und blau geärgert – allerdings nicht über den Schreibstil, sondern über diese unfassbar miesen Freundinnen! Wie Starr und Leni das anstellen, Blair eine Woche vor dem Semesterstart eiskalt aus dem gemeinsamen Traumhaus zu kicken, weil sie angeblich zu ordentlich ist und den Dreck von der Fußballsaison nicht im Auto haben will, ist an Falschheit kaum zu überbieten. Und dann heult Leni auch noch feige am Fenster herum, statt ihr ins Gesicht zu sehen – da kocht einem wirklich die Galle hoch. Diesen brennenden Kloß im Hals, wenn man merkt, dass man von den wichtigsten Bezugspersonen aussortiert wurde und die beiden sich am Ende heimlich ohne einen aus dem Staub machen, hat die Autorin verdammt treffend und schmerzhaft eingefangen.

Was mir an Blair gefällt, ist ihre ehrliche, ungeschönte Art. Sie ist kein glattgebügeltes Modelmädchen, sondern kämpft mit fiesen Allergien, schlägt sich mit einem kräftigeren Körperbau herum und hat dieses kreative Ventil beim Modellieren von Tonfiguren, das sie einfach zum Überleben braucht. Auch wie sie in ihrer Panik nächtliche WG-Castings führt und dabei an eine völlig chaotische Truppe gerät – mit Dungeons-&-Dragons-Runden am Küchentisch, Ted-Bundy-Verwechslungen und lautem Tütenrascheln –, hat richtig Witz und tempo. Das bricht die vorangegangene Verzweiflung trocken auf und liest sich wunderbar weg.

Wo die Leseprobe für meinen Geschmack allerdings ein bisschen zu tief in die altbekannte Klischeekiste greift, ist die unausweichliche Wendung am Ende. Dass der ominöse vierte Mitbewohner in dieser Bruchbuden-WG ausgerechnet Jamie Atwater ist – der beste Freund des Bruders, den sie auf keinen Fall wiedersehen sollte und vor dem der Stiefvater noch eindringlich gewarnt hat –, riecht man natürlich schon zehn Meilen gegen den Wind. Dieses „Aus Versehen im Zimmer neben dem verbotenen Schwarm landen“-Motiv ist so ein klassisches Romance-Reißbrettmuster, dass man fast schmunzeln muss, wie passgenau der Zufall hier wieder die Fäden zieht.

Trotzdem macht dieser Textauszug Laune. Ich erwarte von dem Buch keinen weltbewegenden Tiefgang, sondern einen spritzigen, humorvollen New-Adult-Roman, der von den giftigen Reibereien, der peinlichen Enge im Flur und der unvermeidlichen Funkenbildung zwischen zwei sturen Köpfen lebt. Wenn die Autorin den Fokus darauf behält, wie Blair lernt, für sich selbst einzustehen und sich von ihren falschen Freundinnen freizuschwimmen, während sie nebenbei versucht, das Rigips-Loch in der Wand zu vertuschen, dürfte das ein herrlich unterhaltsamer Pageturner für einen faulen Nachmittag auf dem Sofa sein.