Hatte mir mehr erhofft
Manchmal gibt es Bücher, bei denen einen bereits die Idee neugierig macht und man sich auf eine Geschichte freut, die einen emotional komplett mitnimmt. Roommate Arrangement von Samantha Markum war für mich genau so ein Buch. Die Grundidee klang interessant und hatte definitiv Potenzial, weshalb ich mich auf die Geschichte eingelassen habe. Leider muss ich nach dem Lesen sagen, dass ich mir ehrlich gesagt etwas mehr erhofft hatte. Das Buch war keineswegs schlecht, aber es konnte meine Erwartungen nicht ganz erfüllen.
Besonders interessant fand ich Blair als Protagonistin. Ihr Leben wird stark von den Erwartungen ihrer Eltern beeinflusst, und es war teilweise wirklich frustrierend zu lesen, wie sehr sie sich ihnen und ihren Vorstellungen unterordnet. Man merkt, dass sie nicht einfach frei entscheiden kann, was sie selbst möchte, sondern ständig versucht, es allen recht zu machen. Gerade deshalb konnte ich gut nachvollziehen, warum manche Entscheidungen für sie so schwierig sind. Es ist nicht schön mitanzusehen, wenn jemand seine eigenen Wünsche immer wieder hinten anstellt, nur um andere zufriedenzustellen.
Umso schöner fand ich es, dass Blair im Laufe der Geschichte langsam beginnt, für sich selbst einzustehen. Diese Entwicklung war für mich einer der interessanteren Aspekte des Buches. Zu sehen, wie sie allmählich mutiger wird und anfängt, ihre eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen, hat mir gefallen. Ich finde es wichtig, dass Geschichten auch zeigen, wie schwierig es sein kann, sich von den Erwartungen anderer zu lösen, und dass es Mut braucht, seinen eigenen Weg zu gehen. Gerade bei Blair hätte ich mir allerdings gewünscht, dass dieser Prozess noch etwas mehr Raum bekommt und ihre Entwicklung dadurch vielleicht noch intensiver spürbar wird.
Ein weiterer Punkt, der mich neugierig gemacht hat, war natürlich die Konstellation rund um den besten Freund des Bruders. Ganz ehrlich: Dieses Trope funktioniert für mich grundsätzlich immer ziemlich gut! Es bringt von Anfang an eine gewisse Spannung mit sich, weil Gefühle eben nicht einfach entstehen, ohne dass dabei auch andere Menschen betroffen sein könnten. Gerade wenn der Bruder eine wichtige Rolle spielt, wird die Situation kompliziert. Schließlich möchte man niemanden verletzen, muss gleichzeitig aber auch mit den eigenen Gefühlen umgehen. Genau dieser Konflikt macht solche Geschichten für mich besonders reizvoll.
Leider hatte ich bei der Umsetzung das Gefühl, dass einiges von diesem Potenzial nicht vollständig ausgeschöpft wurde. Vor allem die Anziehung zwischen den Figuren kam mir etwas zu kurz. Ich hätte mir mehr Momente gewünscht, in denen sich die Gefühle langsam entwickeln, die Spannung zwischen ihnen greifbarer wird und man als Leserin wirklich mitfiebert. Für mich lebt eine Liebesgeschichte schließlich nicht nur davon, dass zwei Menschen irgendwann zusammenfinden könnten, sondern vor allem von dem Weg dorthin. Von den kleinen Gesten, den unausgesprochenen Gedanken, den Blicken und den Momenten, in denen man selbst merkt, wie die Gefühle immer stärker werden.
Genau das hat mir hier leider ein wenig gefehlt. Ich konnte die Idee hinter der Liebesgeschichte durchaus nachvollziehen, aber emotional hat sie mich nicht so erreicht, wie ich es mir gewünscht hätte. Mir fehlte dieses gewisse Etwas, das mich vollkommen in die Beziehung eintauchen lässt und dafür sorgt, dass ich unbedingt weiterlesen möchte, weil ich wissen muss, wie es zwischen den beiden weitergeht. Stattdessen blieb bei mir ein bisschen das Gefühl zurück, dass die romantische Entwicklung mehr Tiefe hätte vertragen können.
Trotz dieser Kritikpunkte ließ sich das Buch gut lesen. Die Grundidee ist interessant, Blair bietet mit ihrer persönlichen Entwicklung einen spannenden Ansatz und auch das Brothers-best-friend-Trope bringt grundsätzlich viel Potenzial mit. Es gab durchaus Aspekte, die mir gefallen haben, und ich bereue es nicht, dem Buch eine Chance gegeben zu haben. Dennoch konnte ich mich nicht vollständig in der Geschichte verlieren.
Mein Fazit: Roommate Arrangement war für mich eine nette Geschichte für zwischendurch, von der ich mir allerdings deutlich mehr erhofft hatte. Besonders Blairs Entwicklung und die Grundkonstellation haben mich angesprochen, während mir bei der Liebesgeschichte die emotionale Tiefe und die spürbare Anziehung gefehlt haben. Ich wollte die Gefühle zwischen den Figuren stärker erleben, mehr mitfiebern und am Ende einfach vollkommen überzeugt sein. Leider ist dieser Funke bei mir nicht ganz übergesprungen.
Das Buch ist deshalb keineswegs ein kompletter Reinfall, konnte mich aber auch nicht restlos begeistern. Wer das Brothers-best-friend-Trope mag und eine Geschichte mit persönlicher Entwicklung lesen möchte, könnte durchaus Freude daran haben. Für mich persönlich blieb jedoch das Gefühl, dass aus dieser Geschichte noch deutlich mehr hätte werden können.