Britische Geschichte mal anders

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Wir befinden uns im London des 19. Jahrhunderts und die Heiratssaison steht vor der Tür. Regiert wird das Land seit Jahrhunderten von einer Anderen, wie die Fae auch genannt werden. Diese Heiratssaison beginnt jedoch anders, denn überraschend wird verkündet, dass der Kronprinz eine Ehefrau sucht. In einem Wettstreit versuchen die Frauen, sein Herz zu gewinnen, darunter auch Ivy, die darin die Chance sieht, ihre in der Gesellschaft abgestiegene Familie wieder in die Oberschicht zu integrieren.

Wie auch beworben, hat das Buch definitiv Bridgerton-Vibes. Und wie es damals so war, haben Frauen eigentlich nur die Aufgabe, schön auszusehen, lieblich zu sein und eine vorteilhafte Partie zu ergattern. Nur eine Sache ist anders: Die Königin ist eine vom Volk der Anderen. Ihre Lieblingsbeschäftigung ist es, Handel mit den Menschen abzuschließen. Sie gewährt ihnen einen Wunsch, doch dieser hat immer seinen Preis. In dieser Geschichte werden die Fae mal entromantisiert und, wie ursprünglich, als grausam beschrieben. Menschen betrachten sie als Spielzeug gegen Langeweile. Diese Version fand ich mal wieder ganz erfrischend, nachdem sie in vielen anderen Büchern inzwischen viel nahbarer gezeichnet werden.

Die Geschichte wird hauptsächlich aus Ivys Sicht erzählt, wobei ab und zu auch ein Kapitel aus anderer Sicht erzählt wird. Das wurde sehr gekonnt umgesetzt und hat mir sowohl die jeweiligen Charaktere näher gebracht als auch zur Entwicklung der Geschichte beigetragen.

Ivy ist privilegiert, behütet aufgewachsen, liebt ihre Familie, ist mutig, vorlaut und mitunter wütend. Das Herz hat sie am rechten Fleck. Sie ist nicht perfekt, wirkt aber authentisch und ich habe ihre Geschichte gerne mit ihr erlebt. Interessant waren auch die beiden Love Interests: Beide haben ihre Vorzüge, aber meinen es wirklich beide ehrlich mit Ivy?

Auch andere Charaktere waren greifbar gestaltet und haben ihre eigene Hintergrundsgeschichte bekommen. Die Oberschicht kommt nicht gut weg, die meisten haben nur den Erhalt oder Aufstieg ihrer gesellschaftlichen Stellung im Sinn und nutzen auch ihre Kinder als Mittel zum Zweck. Über den Alltag der anderen Gesellschaftsschichten erfahren wir leider nicht viel.

Am Anfang beginnt die Handlung gemächlich, wir finden uns erst mal ein. Die Beschreibungen sind gut gelungen und ich hatte oft das Gefühl, mit dabei zu sein. Auch der Schreibstil ist angenehm, flüssig und dem Jahrhundert angemessen. Im Laufe des Buches wird es dann spannender, erste Verdachte werden geweckt und das Ende ist packend. Da lässt der zweite Teil noch einiges erwarten.

Mir hat diese Mischung aus Bridgerton, leichter Magie und Liebesgeschichte sehr gut gefallen.