Wenig Bridgerton, mehr Selection

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marcello Avatar

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Angesichts des ganzen Fantasy-Angebots auf dem deutschen Buchmarkt und dass ich nicht allzu viel aus dem Genre lese, gehen mir vielen Bücher völlig durch, also bin ich entweder neugierig wegen eines Covers oder verlasse mich auf die überzeugende Meinung anderer Blogger. So bin ich auf „Hof der Dornen: The Rose Bargain“ gestoßen, das auch mit Parallelen zu „Bridgerton“ beworben wurde, da wurde ich dann doch etwas neugierig. Für Autorin Sasha Peyton Smith ist es im Übrigen nicht ihr Debüt, aber auf dem deutschen Buchmarkt ist sie ein Neuling.

Ich habe „Hof der Dornen“ als Hörbuch gehabt und habe die doch sehr erfahrene Hörbuchsprecherin Corinna Dorenkamp im Ohr gehabt. Sie gehört auch zu meinen liebsten Stimmen, hier hätte man aber der gesamten Produktion einen Gefallen getan, wenn man auf mehr Stimmen gesetzt hätte. Wir haben zwar überwiegend die Perspektive von Ivy, aber zwischendurch kommen für einzelne Kapitel auch die anderen Anwärterinnen um das Herz von Prinz Bram zu Wort und da wäre es doch einfacher gewesen, das stimmlich abzugrenzen, denn so habe ich doch manchmal zurückspulen müssen, um zu erkennen, ah, wir haben die Perspektive gewechselt. Ich fand auch manche Sprechweisen Dorenkamps für bestimmte Figuren etwas anstrengend. Also hier würde ich das Hörbuch nicht unbedingt empfehlen, aber abraten würde ich auch nicht. Hier kommt es wohl darauf an, wie hörbuch-erfahren man ist.

Kommen wir jetzt aber zum Inhalt und da finde ich, dass „Bridgerton“ sich nur sehr schwach als Parallele anbietet. Ja, es spielt in einer ähnlichen Zeit, aber durch den Fantasy-Aspekt war es für mich eine ganz andere Atmosphäre. Und auch wenn es in London ähnliche Regeln gibt, aber hätte ich dieses Buch als Erstes gelesen und dann ein Marketing-Konzept entwickeln müssen, da hätte ich statt „Bridgerton“ wohl eher auf „Selection“ oder ähnliche Reihen geblickt. Letztlich muss ich auch sagen, dass mich das Buch mal mehr, mal weniger mitgerissen hat. Für mich ist der größte Kritikpunkt wohl, dass die Phasen, in denen das Buch fast nicht wie Fantasy wirken, und dann das genaue Gegenteil, zu krass sind. Gerade beim Ende habe ich dann doch gedacht, woah, wir lesen jetzt etwas völlig anderes. Auch wenn durch die ständige Präsenz von Königin Moryen Magie immer ein Thema war, aber man konnte es etwas aus den Augen verlieren, wenn dann aber High Fantasy anklopft, dann fühlt sich der Bruch zu groß an.

Was ich auf der Habenseite verbuche, das ist die angesprochene Tatsache, dass von den letzten Frauen, die um Brams Hand werben, alle mal in den Fokus rücken, auch wenn es nur kurz ist. Aber ich fand es interessant, welch höchst unterschiedliche Schicksale sie haben, wie unterschiedlich sie als Menschen sind und warum sie mit welchen Interessen und Hoffnungen den Wettbewerb eingegangen sind. Ich fand auch, dass sich die Handlung gerade am Ende sehr clever zusammengesetzt hat. Smith hat zwischendurch vieles offen gelassen, dann am Ende aber bewiesen, dass sie immer einen klaren Plan im Kopf hatte. Stilistisch kann ich der Geschichte also nicht viel vorwerfen. Trotzdem ist der Funke einfach nicht übergesprungen, obwohl ich eine ereignislose Autofahrt vor mir hatte, wo ich leicht hätte gepackt werden können. Ich fand Ivy als zentralen Anker zu unbeständig. Ich fand Emmett nicht reizvoll genug, um ihn gegenüber Bram als totales Gegenteil zu erleben. Dementsprechend habe ich nicht gespannt alles verfolgt. Die einzelnen Wettbewerbe waren da schon wieder besser, aber auch hier, es gab einfach zu wenig Passagen, wo ich mir gewünscht hätte, eine noch schnellere Geschwindigkeit einstellen zu können, die ich noch verstehen könnte, weil ich es nicht mehr abwarten kann.

Fazit: „Hof der Dornen“ mit Band 1 ist sicherlich kein schlechter Auftakt, aber da Fantasy bei mir nicht die höchste Priorität hat, schaue ich doch mal genauer hin und hier muss ich sagen, dass ich die Reihe eher nicht weiterverfolgen werde. Solche Geschichten gibt es zum einen schon, zum anderen fand ich den Fantasy-Anteil über den Verlauf zu grob unterschiedlich. Auch die Figuren haben mich nicht alle wie gewünscht gereizt. So war mir das Hörerlebnis dann zu zäh.