Vielversprechend, aber unter Vorbehalt

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Das ist ein Folgeband — das merkt man sofort. Kapitel 1 wirft einen mitten in eine Welt, die bereits eine Geschichte hat, mit einem Prolog als Schlachtballade und einer Karte von Anwyvn, auf der ich mich erst einmal orientieren muss. Die Karte ist hübsch gemacht, und ich schätze es ehrlich gesagt, direkt ein Bild im Kopf zu haben — Fantasy-Romane haben schon genug neue Begriffe, da ist eine visuelle Stütze keine Schwäche.
Der Einstieg hat mich tatsächlich gepackt. Rhya kriecht auf einem glühenden Lavaboden auf einen König zu, der sich buchstäblich selbst verbrennt. Das ist eine ungewöhnlich physische und verzweifelte Eröffnungsszene — kein Held, kein triumphaler Einzug, sondern jemand der bettelt: Wenn du jetzt stirbst, nimmst du mich mit. Gut. Das gefällt mir.
Penn ist als Charakter bisher das Interessanteste. Schuld, Erschöpfung, dieser selbstzerstörerische Rachedurst — das ist keine einfache Figur. Ob der Text diese Komplexität wirklich durchhält oder ob es am Ende doch Richtung erlösende Romantik kippt, das ist meine große offene Frage. Der Schreibstil ist flüssig, manchmal sogar wirklich bildstark — der Marktplatz mit dem noch immer blutbesudelten Pflaster, das leere Ufer ohne Fischer, das "So viele sind umgekommen." nach einer langen Beschreibung — das funktioniert.
Was mich zögern lässt: Es gibt Stellen, an denen die Romantik zwischen Rhya und Penn schon sehr schwer atmet. Die Handszene, das Abwischen des Blutes, das schwere Atmen danach — ich verstehe die Spannung, die aufgebaut werden soll. Ob das am Ende erzählerisch notwendig ist oder einfach Genre-Pflicht, werde ich erst nach mehr Seiten wissen. Bisher halte ich es in der Schwebe.
Macht es neugierig weiter zu lesen? Ja, tatsächlich — vor allem wegen der Welt und wegen Penn.