Wenn das Wasser in ihrem Herzen flüstert

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antiquariat_der_träume Avatar

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Kurzmeinung: Ein Durchatmen zwischen den Geschehnissen, ein langsames Wachsen, das nicht immer einfach zu lesen war ~

Hinweis: Diese Rezension kann aufgrund ihrer Ausführlichkeit, insbesondere im Hinblick auf die Beziehungen der Charaktere, leichte Spoiler enthalten.

Manche Geschichten lesen sich wie ein Sturm. Sie reißen einen mit sich und lassen einen erst wieder los, wenn die letzte Seite erreicht ist. Und dann gibt es Geschichten, die sich anfühlen wie das Meer nach dem Sturm, wenn alles zur Ruhe kommt und die Welt tief durchatmet.

„The Sea Spinner – Flutgeküsst“ von Julie Johnson, erschienen bei Forever by Ullstein, ist eine solche Geschichte.

Die Handlung setzt unmittelbar nach den Ereignissen des ersten Bandes ein und überrascht zunächst mit einer deutlich ruhigeren Erzählweise. Nach den erschütternden Geschehnissen der Fyrenacht wirkt dieser zweite Teil wie ein tiefes Durchatmen zwischen zwei Stürmen. Die Geschichte nimmt sich Zeit für Trauer, Heilung und Selbstfindung, bevor sie schließlich wieder in ein packendes und kraftvolles Finale mündet.

In der wundervollen Hörspielfassung des Verlags Hörbuch Hamburg, hauchte Rebecca Veil mit einer unglaublich angenehmen Stimme der Handlung auf ganz eigene Weise und sehr atmosphärisch Leben ein und ihr zu lauschen machte die Geschichte für mich noch zauberhafter.

Obwohl dieser ruhige Mittelteil der Trilogie nicht immer leicht zu hören war.
Die Handlung lässt sich wirklich Zeit und auch Rhyas Entwicklung verläuft in sanften Wellen, die nur gemächlich gegen die Küste fluten. Manchmal habe ich mir gewünscht, sie würde mutiger handeln und früher erkennen, welche Stärke längst in ihr schlummert. Doch gut Ding will Weile haben.

So verharrte Rhya oft in ihrer Schuld, ihren Ängsten und ihrer Unsicherheit. Doch ich hatte das Gefühl, dass genau darin ein wirklich wichtiger Teil ihrer Reise lag. Nicht jede Heldin wächst in großen Sprüngen. Manchmal sind es die kleinen Schritte, die am Ende den größten Unterschied machen. Und als ich das erkannte, begann ich ihre langsame Veränderung zu genießen und beobachtete voller Wohlwollen wie nicht nur wie ihre Magie wuchs, sondern auch wie sich ihr Blick auf ihr Selbst wandelte. Aus Zweifeln wurde Erkenntnis. Aus Unsicherheit entstand Selbstachtung.

Besonders interessant fand ich hierbei den Kontrast zwischen Feuer und Wasser, der sich nicht nur in der Welt, sondern auch in den Beziehungen widerspiegelte.
Es gab das Feuer, das alles verschlingen wollte. Einer Flamme gleich, die festhält, weil sie Angst vor dem Verlust hat und dabei alles verbrennt. Penn behandelte Rhya zu oft wie etwas Zerbrechliche, dass er hütete, indem er es vor der Welt versteckte. Einen Schatz, doch kein fühlendes Wesen, dass sich mehr den je nach Geborgenheit sehnte. Es fiel mir schwer, in dieser Verbindung jene Wärme zu finden, die wahre Liebe für mich ausmacht.
Und dann gab es das Wasser, dass sich anfühlte wie eine ruhige Bucht nach einem langen Sturm. Ein sicherer Hafen. Soren begegnete Rhya mit Geduld und Verständnis. Er gab ihr den Raum, den sie brauchte. Er trug ihr Fehler nicht nach, versuchte nicht, sie kleiner zu machen, und erwartete nicht, dass sie sich für ihn verbog. Während das Feuer sie festhalten wollte, ließ das Wasser sie wachsen. In ihren gemeinsamen Momenten fand ich eine Wärme und Gelassenheit, die Rhya die Möglichkeit gab, ihren eigenen Weg zu finden.

So drehte sich die Handlung vor allem um diese Dreiecksbeziehung und einmal mehr wurde die Geschichte in ihrer emotionalen Schwere von den wunderbaren Nebenfiguren getragen, die mit ihrem Humor, ihrem Charme und ihrer Loyalität immer wieder für kleine Sonnenstrahlen zwischen den Wolken sorgten und der Geschichte genau die Leichtigkeit verliehen, die sie an vielen Stellen brauchte.

Und plötzlich begann der Wind aufzufrischen, hohe Wellen peitschten durch die Zeilen, dunkle Wogen, sturmwolkengrau, verfinsterten die Handlung. Das Ende war voller Spannung und erschütterte mich bis ins Mark.

So kann ich abschließend sagen: Nicht jede Reise führt über stürmische See. Manche führen durch Nebel, Trauer und stille Gewässer. Doch als ich die letzte Seite erreichte, hatte ich das Gefühl, gemeinsam mit Rhya einen Teil dieses Weges gegangen zu sein. Wir gingen zusammen durch das Tal der Tränen... und fanden unser Glück im Meer ~