In einer Welt zwischen Schein und Sein

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juanla Avatar

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Teodora Thoma hat ihre erste Version des Buches "The Secret Identity of a Broken Girl" bereits 2017/2018 verfasst und die Geschichte immer wieder neu überarbeitet. Jetzt ist sie fertig und entstanden ist eine sehr gelungene Story, welche neue Maßstäbe im Bereich der New-Adult-Romance setzt!

Das gemütliche, herbstliche New-England-Setting in Vermont mit seinem bunten Laub, den geschnitzten Kürbisgesichtern und dem idyllischen Laden "The Masquerade" bildet die Kulisse für eine sich rasant zuspitzende Spannungskurve.

Schon auf den ersten Seiten wird spürbar, dass dieses Buch sehr viel zu bieten hat, denn wir steigen sofort in die Geschichte ein. Die Charaktere Branwyn und Dale sind die Hauptprotagonisten, die gemeinsam einen Kurs an der Universität belegen und sich allem Anschein nach überhaupt nicht leiden können. Für beide unerwartet kommt es zu einer Situation, in der sie gemeinsam ein Drehbuch schreiben sollen, um ihre jeweilige Note zu verbessern. Was für die Charaktere eine echte Überwindung ist, entwickelt sich Schritt für Schritt weiter. Als Branwyn, die in einem Kostümladen arbeitet, eine Idee entwickelt, die sie unüberlegterweise sofort umsetzt, hat sie keine Ahnung, welche Auswirkungen diese Entscheidung auf ihrer beider Leben haben wird. Da beide Protagonisten Superhelden verehren, entsteht sogleich eine hitzige, wunderbar geschriebene Nerd-Diskussion über Spider-Man und Wolverine. Dales Aussage, dass Wolverine sein Lieblingsheld ist, weil er jedes Recht hätte, die Welt zu hassen, es aber trotzdem nicht tut, hat mich mitten ins Herz getroffen.

Was mich besonders an dem Buch beeindruckt hat, sind die vielen Themen, die mitschwingen – die Probleme, die sowohl Branwyn als auch Dale mit sich herumtragen. Es hat bei beiden Charakteren tiefe Verletzungen gegeben. Die Tatsache, dass Branwyn von ihren Eltern ins Heim gegeben und dann als vernachlässigtes 14-jähriges Mädchen von ihren liebevollen Adoptiveltern Lily und Patrick aufgenommen wurde, bildet das psychologische Fundament der Geschichte. Die Dynamiken zwischen Gleichaltrigen, die sich daraus ergeben haben, und die Glaubenssätze, die sie nicht mehr loswird, ergeben in der Summe eine traumatische Erfahrung, die sie, wie es scheint, niemandem mitteilen – und schon gar nicht allein lösen kann. Auch Dale hat sein Päckchen zu tragen. Er ist sehr beliebt unter seinen Kommilitonen und gleichzeitig zerreißen ihn seine eigenen Schuldgefühle. Beim Lesen zu erfahren, wie beide mit ihren unterschiedlichen Lebensthemen umgehen und welche Masken sie (sowohl im eigentlichen als auch im übertragenen Sinne) tragen, ist die Essenz, welche der Geschichte eine besondere Tiefgründigkeit verleiht.

Aber die Geschichte lebt nicht nur von der Lovestory, sondern auch von den fantastisch ausgearbeiteten Nebencharakteren. Auf der einen Seite haben wir Arian, Branwyns Arbeitskollegen, der ein elementarer Charakter der Story ist. Er bringt so viel humorvolle Leichtigkeit in die Geschichte, zieht nicht nur für den Laden ein albernes Kermit-Kostüm an, sondern schützt Branwyns Geheimnis auch sofort instinktiv vor Dale. Er ist der loyale Fels in der Brandung, den sie so dringend braucht. Auf der anderen Seite tut der Konflikt mit ihrer ehemaligen besten Freundin Callie einfach nur weh. Dieser Aspekt der gescheiterten Jugendfreundschaft ist so schmerzhaft realistisch beschrieben. Dass Callie ohne ein Wort der Erklärung den Kontakt abgebrochen hat, sich der oberflächlichen Campus-Elite anschließt und Branwyn nun sogar auf dem Fußballplatz zum Teil passiv-aggressiv auflaufen lässt, zeigt, wie tief Branwyns emotionale Narben sitzen. Aber was wäre die Geschichte ohne ihre krassen Wendungen?! Mehr wird nicht verraten, da ich nicht spoilern werde.

Und so verwebt Teodora Thoma sehr geschickt klassische New-Adult-Motive mit einer unerwarteten emotionalen Schwere, was nicht nur dazu führt, dass man dieses Buch dem Genre Enemies-to-Lovers zuordnen kann. Es ergibt sich eine sehr besondere Dynamik: Während Dale die „echte“ Branwyn im Uni-Alltag nicht leiden kann, flirtet er heftig mit ihrem Alter Ego. Dadurch entsteht das Prinzip der unerkannten Identität, welches hier für prickelnde Spannung sorgt. Das sportliche Umfeld (Quarterback trifft auf Soccer-Stürmerin) trifft auf eine erbitterte Fehde zwischen zwei lokalen Kostümläden. Damit aber noch nicht genug, denn als Branwyn Zuflucht im liebevollen Zuhause ihrer Adoptiveltern sucht, macht sie in ihrem alten Zimmer eine für sie so schockierende Entdeckung, dass sie aufgrund ihrer persönlichen Erfahrungen plötzlich eine panische Verlustangst um ihre Found Family erlebt, was für mich psychologisch greifbar und herzzerreißend war. Beim Lesen habe ich wirklich mitgezittert und für Branwyn auf ein Ende gehofft, welches dafür sorgt, dass sie trotz ihrer traumatischen Vergangenheit optimistisch in die Zukunft blicken kann.

Fazit: Teodora Thoma schafft hier eine perfekte Balance aus Cozy-College-Vibes, knisternder Romantik und echter, schwerer Emotionalität. Ich empfehle dieses Buch ausdrücklich, allerdings sollte man sich vorher der Triggerwarnungen bewusst sein!