Mitreißend

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jessica41 Avatar

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Achtung: Es könnte hier und da ein wenig gespoilert werden, habe aber versucht es ohne hinzu bekommen, aber das Buch ist nicht so leicht zu beschreiben!

Teodora Thoma hat mit The Secret Identity of a Broken Girl eine Romance geschrieben, die auf den ersten Blick nach einer unterhaltsamen College-Geschichte mit viel Chaos, Spannung und romantischem Knistern klingt. Je weiter man jedoch in die Geschichte eintaucht, desto deutlicher wird, dass unter dieser leichten Oberfläche eine Prota steckt, die emotional deutlich mehr mit sich herumträgt, als sie nach außen zeigen möchte.

Was mir an dem Buch besonders gefallen hat, ist die Idee, dass eine erfundene Identität nicht nur dazu dient, andere hinters Licht zu führen sondern auch als eine Art Schutz dienen kann. Dort kann sie anders auftreten, mutiger sein und Gefühle zulassen, die sie sich in ihrem normalen Leben vielleicht nicht erlauben würde. Genau daraus entwickelt sich eine interessante Dynamik, denn irgendwann stellt sich unweigerlich die Frage, ob man wirklich jemand anderes sein muss, damit jemand einen lieben kann.

Die Geschichte beschäftigt sich nicht nur mit der Frage, wer mit wem zusammenkommt, sondern auch damit, wie schnell wir andere Menschen aufgrund vergangener Erlebnisse in bestimmte Schubladen stecken. Ohne zu viel vorwegzunehmen, wird Branwyn irgendwann klar, dass ihr ursprünglicher Plan mit ihren tatsächlichen Gefühlen nicht mehr zusammenpasst.

Branwyn ist keine Figur, die ich immer verstanden oder deren Entscheidungen ich immer gutgeheißen habe. Aber genau deshalb empfand ich sie als glaubwürdig. Sie versucht, Kontrolle über eine Situation zu bekommen, in der sie emotional eigentlich sehr verletzlich ist. Ihre Vergangenheit hat Spuren hinterlassen und beeinflusst, wie sie Beziehungen, Vertrauen und ihre eigene Person wahrnimmt.
Während des Lesens habe ich mich deshalb mehr als einmal gefragt, ob Branwyn wirklich Dale täuscht – oder ob sie mit ihrer erfundenen Identität vor allem versucht, sich selbst vor weiteren Verletzungen zu schützen.

Auch Dale fand ich interessant, gerade weil Branwyns anfängliche Einschätzung von ihm nicht unbedingt der gesamten Wahrheit entspricht. Je näher die beiden sich kommen, desto mehr verändert sich die Dynamik zwischen ihnen. Dale wird für Branwyn zunehmend zu einer Person, die sie nicht mehr einfach in die Kategorie „Feind“ stecken kann.
Besonders spannend fand ich dabei, dass seine Gefühle für Bonnie aufrichtig werden, während wir wissen, dass hinter dieser Person Branwyn steckt. Dadurch entsteht eine emotionale Spannung, die sich ständig weiter aufbaut.

Die Liebesgeschichte hat für mich vor allem deshalb funktioniert, weil sie nicht ausschließlich über körperliche Anziehung erzählt wird.Natürlich gibt es dieses typische Knistern zwischen zwei Menschen, die eigentlich nicht zusammenpassen sollten. Viel wichtiger fand ich jedoch die zunehmende emotionale Nähe. Branwyn lernt Dale aus einer völlig anderen Perspektive kennen. Gleichzeitig bekommt Dale die Möglichkeit, eine Seite von „Bonnie“ kennenzulernen, die Branwyn sonst kaum zeigt.

Man freut sich über schöne Momente zwischen den beiden und denkt gleichzeitig: Das kann doch nicht dauerhaft gutgehen.
Für mich hat das die Romance deutlich spannender gemacht.

Der Schreibstil von Teodora Thoma passt sehr gut zur Geschichte. Sie schreibt modern, locker und zugänglich, ohne die emotionalen Aspekte komplett in den Hintergrund zu drängen. Besonders mochte ich den Wechsel zwischen humorvollen Situationen und nachdenklicheren Momenten. Dadurch fühlt sich das Buch nicht durchgehend schwer an, obwohl Branwyn durchaus mit belastenden Erfahrungen und Unsicherheiten umgehen muss.

Ich habe beim Lesen ziemlich unterschiedliche Gefühle durchlaufen. An manchen Stellen musste ich über Branwyns Ideen und ihre teilweise chaotischen Entscheidungen schmunzeln. An anderen Stellen hätte ich ihr am liebsten geraten, endlich ehrlich zu sein, bevor sie sich noch tiefer in ihre eigene Situation hineinmanövriert. Gleichzeitig gab es Momente, in denen ihre Unsicherheit und ihre Angst, nicht wirklich angenommen zu werden, deutlich stärker gewirkt haben als ihr freches Auftreten. Genau diese Gegensätze haben für mich dafür gesorgt, dass die Geschichte mehr war als eine reine Wohlfühl-Romance. Ich habe über Selbstwert, Vertrauen und darüber nachgedacht, wie unterschiedlich wir uns präsentieren können, wenn wir Angst davor haben, mit unserem echten Ich abgelehnt zu werden.

Ich würde das Buch allen empfehlen, die gerne moderne New-Adult-Romance mit einer ungewöhnlichen Ausgangssituation lesen.
Wer eine Romance sucht, die ausschließlich leicht und unkompliziert ist, sollte wissen, dass hier auch ernstere emotionale Themen ihren Platz bekommen. Eine Romance für alle, die gerne mitfiebern, wenn aus einem vermeintlichen Racheplan echte Gefühle werden – und wenn zwei Menschen erst lernen müssen, hinter ihre eigenen Vorstellungen und Schutzmauern zu schauen. Absolute Herzensempfehlung