Ein Buch über Selbstliebe und Bodyshaming

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j.s_winter Avatar

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And if I asked you:⠀
What do you love?⠀
How long would it take⠀
to name yourself?

Diese Frage, die Kira Mohn als Signierspruch für „The Sky in your Eyes“ gewählt hat, zeigt den Kern der Geschichte auf. Ja, es ist eine Liebesgeschichte, aber nicht nur eine Liebesgeschichte zwischen zwei Liebenden, sondern auch eine Geschichte über Selbstliebe. Über die Frage danach, wie man damit umgeht, wenn man sich selbst, aufgrund von verschiedensten Umständen nicht selbst lieben kann. Und nicht glaubt, dass andere einen lieben können. Doch bevor ich auf Elín und Jón eingehe, erst einmal etwas zum atemberaubenden Setting Islands. Island war schon immer ein Teil meiner Top 5 Reiseziele und Kira Mohn versteht es, Menschen an die schönsten Orte der Welt zu entführen. Es fängt an mit dem Reynisdrangar und der mythischen Sage über Trolle, ehe man das Gefühl hat in die frostigen Landschaften einzutauchen. Nordlichter, Strände und Gletscher inklusive. Ich habe schon die Naturbeschreibungen der Kanada-Reihe geliebt, aber Island hat sich durch diese Schilderungen noch einmal nach oben katapultiert. Doch trotz all dieser schönen Elemente des Romans ist die Thematik ernst. So wie es schon im Klappentext angedeutet wird: Es ist ein zarter Liebesroman, aber rund um die Themen Bodyshaming und Selbstfindung. Und alle die schon einmal die Erfahrung damit gemacht haben, wissen, dass dieses Thema sehr schmerzhaft sein kann, tiefe Spuren hinterlassen und aufwühlen kann. Und so geht es auch Elín, die diese Erfahrungen schon sehr jung mitmacht und von ihrer Mutter gesagt bekommt, dass sie mitlachen soll. Ich musste einige Male hart schlucken als ich diesen Roman gelesen habe. Die Sprüche, diese Selbstzweifel waren so nachvollziehbar und ich konnte mich unglaublich gut in Elín hineinversetzen. Elín hat eine wirklich schlimme, toxische Beziehung mitgemacht und trifft bei einem veganen Kochkurs auf Jón, der sich in mein Herz gezaubert hat. Schnell und unaufhaltsam. Die Liebesgeschichte zwischen den beiden, voller zarter Annäherungen, Selbstzweifel und Ängste war wirklich schön beschrieben und hier kommen wir auch schon zu einem Punkt, der mir bei vielen Rezensionen und Meinungen aufgefallen ist. Viele konnten die Gedanken von Elín und ihre Selbstzweifel nicht nachvollziehen und auch ihr Denken um ihren Exfreund Daníel nicht und am Anfang habe ich Elín in einigen Momenten auch nicht verstanden, aber dann wird eine Szene in dieser Beziehung geschildert, die mich all das vergessen lassen hat. Weil jeder anders mit so einer Erfahrung in einer Beziehung umgeht und man nur einen kleinen, aber heftigen Einblick in die Beziehung der beiden bekommt. Ich mochte beide, Elín und Jón, und die zarten Knospen ihrer Beziehung. Etwas was ich oft gelesen habe, war dass das Thema Bodyshaming und die Selbstzweifel sich durch Jón auflösen, dass die Beziehung dazu führt, dass aber das Gefühl habe ich nicht. Die Beziehung zwischen den Beiden ist ein erster Schritt. Aber im Buch wird klar, dass Elín weitere Hilfe in Anspruch nimmt. Dass die Beziehung zu Jón ein erster Schritt ist. Weiter hat mir gefallen, dass das Buch Bodyshaming aus verschiedensten Perspektiven betrachtet und dass auch vermeintlich gut gemeinte Aussagen verletzend sein können. Dass Elín an den verschiedensten Orten damit konfrontiert ist und all die Erfahrungen tiefe Narben hinterlassen haben. Eine absolute Empfehlung, auch wenn das Buch hart ist und viele Sprüche und Gedanken den Atem anhalten lassen – ist das Buch ein wichtiger Beitrag zum Thema Bodyshaming.