Was für ein schönes, schmerzhaftes und zugleich unerwartet sanftes Buch

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karla.eklund Avatar

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Cloud steht wortwörtlich am Abgrund, als sie Silas über den Dächern von New York kennenlernt. Sechs Jahre sind seit dem Tod ihrer besten Freundin vergangen, die Welt dreht sich weiter, aber Cloud ist in ihrer Trauer wie eingefroren, sie lebt einen Schein-Alltag. Bis jetzt. Denn zwischen gemeinsamen Musik-Sessions und ersten Freerunning-Abenteuern schiebt das Leben seine Finger durch die Ritzen ihres so verzweifelt verbarrikadierten Herzens. Und ihr Magen macht in Silas’ Nähe plötzlich seltsame Dinge. »Das nennt sich Verlieben«, sagt er, aber ist diese Liebe stark genug, um die Wolken aus ihrem Kopf zu vertreiben?
Sarah Stankewitz schreibt über ein Thema, das alles andere als leicht ist, und doch gelingt es ihr, einen mitunter lockeren Ton zu treffen, der die Figuren, besonders Cloud, für mein Empfinden außergewöhnlich lebensecht macht. Die Musik, die Liebe zu ihrem Kater, die Momente mit Silas, all die Lichtfunken, die durch das Grau brechen; man neigt dazu, zu hoffen, dass es reicht. Und genau das macht die Darstellung ihrer Depression so real. Sie ist kein Plottwist, sondern ständig präsent, wenn auch manchmal zwischen den Zeilen. Hinzu kommt eine sprachliche Feinheit, die mich ein ums andere Mal zum Markierstift greifen ließ. Für mich war es, obwohl ich zu einigen Themen einen persönlichen Bezug habe, kein Ugly Cry Buch, im Gegenteil, ich habe die Umsetzung als ungewohnt achtsam und die Geschichte insgesamt als sehr sicheren Raum empfunden. Genau das macht dieses Buch für mich so besonders: Es will nicht verletzen, auch wenn es schonungslos zeigt, wie sich mentales Fallen anfühlt. Vielmehr erinnert es daran, dass irgendwo hinter den Wolken immer die Sonne scheint – und dass du zugreifen darfst, wenn dir jemand die Hand reicht. Egal, wie lange es dauert.