Für einen Thriller nicht genug Spannung

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Laura 'Lo' Blacklock, bekannt aus 'The Woman in Cabin 10', möchte den beruflichen Wiedereinstieg als Journalistin wagen und nimmt eine Einladung in ein neu eröffnetes Schweizer Hotel am Genfer See an. Dort soll sie für die Financial Times den Besitzer des Luxushotels zu einem Interview bewegen, einen exzentrischen Millionär, der selten in Erscheinung tritt. Vor Ort trifft sie auf einige Bekannte, die schon im Vorgängerband eine Rolle spielten und die Laura an die schlimmen Erlebnisse auf dem Kreuzfahrtschiff erinnern.
Ich hatte spannende Thrillerkost erwartet, jedoch musste ich mich etwas gedulden, bis ich das Gefühl hatte, das Buch nicht mehr aus den Händen legen zu wollen.
Zunächst wird nur Laura Blacklocks Familienleben beschrieben, ihr Verhältnis zu den Kindern und zu ihrem Mann, und die teure Wohngegend in NY, wohin es sie durch Heirat verschlagen hat. Der erste mysteriöse Vorfall ereignet sich auf S. 61, aber wenn man dann aufkeimende Spannung erwartet, wird man enttäuscht. Denn nun wird in aller Ausführlichkeit Lauras erstes Dinner im Schweizer Luxushotel beschrieben, was ich wieder recht langatmig fand.
Spannung setzt erst ein, als Laura in eine andere Suite des Hotels gebeten wird und dort auf eine Frau trifft, die im ersten Band eine zwielichtige Rolle spielte. Rückbezüge und Erläuterungen zum ersten Band finden reichlich statt, ohne dass die genauen Vorkommnisse beschrieben werden. Hätte ich nicht vor kurzem den Film zum ersten Band gesehen, wäre mir nicht klar geworden, um was es damals ging. Den ersten Band habe ich nicht gelesen.
Laura als Hauptprotagonistin erscheint mir nicht überzeugend, denn sie ist zu gutgläubig und vielleicht sogar naiv. Gerade zu den erlebten Vorfällen damals auf dem Schiff passt das nicht. Sie müsste zumindest ein gesundes Misstrauen entwickelt haben, wenn nicht sogar äußerste Vorsicht walten lassen, denn sie hat die Traumata von damals noch nicht vollständig verarbeitet. Immer wieder fühlt sie aufkommende Panikattacken und nimmt Psychopharmaka. Sie ist unfähig zu lügen, auch wenn es dabei um ihr eigenes Wohl geht. Das wirkt unrealistisch.
Ihre Gegenspielerin dagegen ist dreist und unehrlich. Sie tischt Laura fantasiereiche Lügen auf und stellt obstruse Forderungen, wobei sie leichtes Spiel hat, denn Laura ist leicht zu manipulieren. Sogar als sie in kriminelle Machenschaften einbezogen wird, denkt sie nicht an ihre Familie, sondern lässt sich darauf ein. Dabei wird immer wieder betont, wie wichtig ihr die Kinder sind.
Der Schreibstil liest sich angenehm, jedoch gibt es einige redundante Elemente. Interessant finde ich die teilweise den Kapiteln vorangestellten Chats, Mails usw., die vorausweisend sind und insofern Spannung erzeugen, weil man wissen möchte, wie es zu den angekündigten Schritten kommt.
Das Ende kann man sich schon vorher ausrechnen, nur Laura durchschaut es wieder mal nicht, obwohl eindeutige Hinweise da sind. So bleiben auch schließlich einige Fragen offen und manches wirkt nicht schlüssig.
Alles in allem hat mich das Buch zwar gut unterhalten, aber für einen Thriller fehlte es mir an Spannung und Überzeugungskraft.