Kein „raffinierter atmosphärischer Thriller“

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19cici95 Avatar

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Tja, wo soll ich anfangen?
Hat es eine Fortsetzung zu The Woman in Cabin 10 gebraucht? Nein.
War von Anfang an klar, dass wir bekannte Personen wiedersehen werden? Ja.
Hat Lo wenigstens etwas Entwicklung durchgemacht? Nein.

Ich bin von diesem Buch leider richtig enttäuscht worden. Die Reisejournalistin Lo Blacklock hat sich nach den traumatischen Ereignissen im ersten Buch der Hausfrauentätigkeit hingegeben und zwei Kinder bekommen. So weit, so gut. Covid-19 wird unnötigerweise erwähnt.
Nach ihrem alten Ich als ach so bekannte Reisejournalistin, die im Alleingang einen Mord aufgeklärt hat, muss man sich jetzt mit ihrem neuen Ich herumschlagen, die davon ausgeht nicht mal vier Tage ohne ihre Kinder sein zu können, denn „Wer würde die Jungs in den Kindergarten bringen?“ (Ich wünschte, ich würde scherzen). „Mummys müssen nicht arbeiten […] Daddys müssen arbeiten“ (Achso, ja klar, natürlich. Mein Gott bitte, ich bin erst in Kapitel 3).
Dann reist sie in dieses schicke Hotel, wo zufällig eine Menge bekannter Personen auftauchen, Lo bezieht sich ständig auf ihren Beziehungsstand (glücklich verheiratet) und kann dennoch kaum die Finger und Augen von allen nur halbwegs gut aussehenden Männern lassen („Wobei es natürlich keinen Grund gab, warum Polizisten weniger gut aussehen sollten als Leute in anderen Berufen.“ Was?). Wochenlang freut sie sich auf die Gelegenheit einen der reichsten Männer der Welt zu interviewen und als sie dann die Chance dazu bekommt, hat sie keine Fragen vorbereitet (wtf?!), nur um gleich danach darauf hinzuweisen, wie erfahren sie als Journalistin ist. Natürlich wird auch noch auf ihre Periode angespielt (Hat dieses Buch wirklich eine Frau geschrieben?).

Wer mehr als zwei Thriller in seinem Leben gelesen hat, wird dieses Buch und seine Auflösung mühelos durchschauen. Ein paar Ansätze waren gut, nur musste ich dann feststellen, dass gerade diese einfach im Sande verlaufen.
Übrigens, das Ende ist offen genug für eine weitere Fortsetzung. Diese muss dann aber ohne mich auskommen.