Zwischen Luxus und Alptraum

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azyria_sun Avatar

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Worum geht’s?
Nach ihrer Elternzeit möchte Lo Blacklock als Journalistin wieder Fuß fassen. Eine Einladung in ein exklusives Luxushotel am Genfer See scheint die perfekte Gelegenheit zu sein. Das Hotel gehört einem der reichsten und zugleich unnahbarsten Männer der Welt, die Kulisse ist makellos, abgeschieden und von fast unwirklicher Schönheit. Doch was als Traum beginnt, kippt schnell. Lo wird mit ihrem größten Alptraum konfrontiert.

Meine Meinung:
Der Thriller „The Woman in Suite 11“ ist der zweite Band rund um Lo Blacklock. Den ersten Teil habe ich nicht gelesen – und dennoch hatte ich zu keiner Zeit das Gefühl, etwas zu verpassen. Das Buch lässt sich problemlos als Stand-Alone lesen. Der Schreibstil von Ruth Ware ist genau das, was ich an ihr schätze: intensiv, atmosphärisch, mit einer stetig wachsenden Spannung, die sich leise aufbaut und einen dann nicht mehr loslässt.

Ein kurzer persönlicher Einschub – von Mutter zu fiktiver Mutter: Danke, liebe Lo, für den Oktonauten-Tipp. Mein Kleiner ist davon begeistert.

Lo Blacklock ist eine komplexe Figur, gezeichnet von einem massiven Trauma, das sie bis heute begleitet. Dieses wird im Laufe der Geschichte immer deutlicher und prägt ihr Handeln spürbar. Auch wenn mir keiner der Charaktere emotional besonders nahekam, empfand ich das nicht als störend. Im Gegenteil: Alle Figuren wirken bewusst distanziert aber genau richtig für diese Geschichte. Jede von ihnen erfüllt ihre Rolle präzise und trägt zur Atmosphäre aus Misstrauen und Unsicherheit bei.

Der Einstieg ist ruhig, beinahe harmlos. Doch noch bevor man richtig angekommen ist, steckt man bereits mitten in Los Albtraum. Das Hotel, die Umgebung, die scheinbare Perfektion – all das steht in starkem Kontrast zur wachsenden Bedrohung. Besonders gelungen fand ich das permanente Gefühl von Unsicherheit: Wem kann man trauen, wem nicht? Diese Frage sitzt einem beim Lesen konstant im Nacken und treibt das Kopfkino gnadenlos an. Die Ermittlungen, die Flucht, das ständige Getriebensein – all das greift stimmig ineinander. Ich habe viele kritische Stimmen zu diesem Buch gelesen, konnte diese aber überhaupt nicht nachvollziehen. Vielleicht hätte sich mein Eindruck verändert, hätte ich den ersten Band gekannt. Aber so war es für mich ein Thriller, der von Anfang an Spannung erzeugt, der unerwartete Wendungen nimmt und bei dem man sich permanent auf der Flucht fühlt – innerlich wie äußerlich.

Das Ende hat mich vollkommen überrascht und gleichzeitig zufrieden zurückgelassen. Ja, es bleiben Fragen offen. Aber genau diese Art von Offenheit passt zur Geschichte und zu Lo. Für mich war es ein Pageturner, der mir eine intensive, durchweg spannende Lesezeit beschert hat – mit einem Finale, das ich so nicht habe kommen sehen.

Fazit:
„The Woman in Suite 11“ von Ruth Ware ist ein atmosphärisch dichter Thriller voller unterschwelliger Bedrohung, Misstrauen und psychologischer Spannung. Für mich ein absoluter Pageturner und eine klare Leseempfehlung.

5 Sterne!