Berührende Begegnungen - ein überaus wunderbares Buch über zwischenmenschliche Beziehungen

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litway Avatar

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Der wohlhabende 86 jährige Theo kommt eines Tages in die Kleinstadt Golden in Georgia, zu der er keinerlei Verbindung zu haben scheint. Neben der Natur und dem lokalen Fluss, die ihn teils an seine Wurzeln in Portugal erinnern, fühlt er sich auch im Café Chalice sofort heimisch. Dort hängen über 90 Portraits, die der Künstler Asher Glissen nach Fotos skizziert hat. Theo, dessen Kunstaffinität und -verständnis sofort ersichtlich sind, schätzt die Qualität dieser Portraits sehr hoch ein, kauft sie und lässt sie den lebenden Originalen als Geschenk zukommen. Er verabredet sich mit den unterschiedlichsten Menschen, teilt ihnen seinen Eindruck von ihnen durch die Bilder mit und verwickelt sie in sensibel geführte Gespräche, um mehr über ihr Leben zu erfahren. Dabei vermeidet er es äußerst geschickt, Details über seine Person preiszugeben. Nur wenig wird über sein Leben im Verlauf des Romans bekannt, er ist einfach Theo, der Menschen genau betrachtet und ihre Selbstwahrnehmung durch Gespräch und Anteilnahme verändert, oft sogar stärkt. Je mehr Menschen aus Golden er die Portraits als Geschenke überreicht, desto mehr Beziehungsgeflechte dieser Personen untereinander werden klar. Aus Fremden werden Freunde und Menschen nehmen sich gegenseitig zum ersten Mal bewusst wahr. Theo sieht in den Portraitierten aufgrund ihres Lebenswegs „Heilige“ und erweist sich für viele als rettender Engel, ohne dass sie sich dessen bewusst sind. Levis‘ Roman ist geprägt von christlichen Werten, die nicht unbedingt explizit genannt werden. Er betreibt allerdings keine Schönfärberei, denn auch die negativen Charakterzüge einiger Zeitgenossen kommen zum Vorschein: Geldgier, Machtstreben, Eifersucht, Diskriminierung, Jähzorn, Gewalt...
Am Ende verlieren u.a. der Buchhändler Tony, der Berater James Ponder, der Musikstudent Simone, der Barista Shep, der Straßenmusiker Basile, das durch einen Unfall gehbehinderte Mädchen Lamisha und dessen alleinerziehender Vater Kendrick, Asher Glissens Tochter Minette und die obdachlose Ellen nicht nur einen Wohltäter, sondern einen guten Freund. Theo, dem nur ein glückliches Jahr in Golden beschieden war, stirbt auf tragische Weise. Erst nach seinem Tod wird das Geheimnis um seine Identität und den Grund für seinen Besuch in Golden gelüftet.
Mit einfühlsamen Gesprächen und berührenden, oft auch lustigen Begegnungen von besonderen Menschen sensibilisiert Levi uns als Leser:innen für die Wahrnehmung unseres Umfeldes. Theo hat als Künstler einen geübten Blick für Details und das Wesentliche, aber auch wir können andere „sehen“ - wenn wir sie richtig betrachten. Ein Roman für Natur- und Kunstliebhaber und nicht zuletzt Menschenfreunde.