Das Geheimnis der Portraits

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Theo ist ein 86jähriger, stattlicher Mann, der eines Tages in Golden auftaucht. Niemand weiß, wer er ist und warum er kam. Er aber hat sich bald entschlossen, in Golden zu leben. Fast sofort ist er Stammgast im Café, in dem 92 Bleistiftportraits hängen. Sie alle zeigen Einwohner von Golden, gezeichnet hat sie ein örtlicher Künstler. Theo ist der Meinung, dass diese Bilder den Personen, die sie darstellen, gehören und so beginnt er, eins nach dem anderen zu kaufen und den Portraitierten zu geben. Was mit jeder Übergabe verbunden ist, sind Geschichten und Freundschaften, veränderte Leben und offenbarte Geheimnisse.

Ich glaube, Walter Kreye könnte mir tatsächlich Telefonbücher vorlesen und ich würde es lieben! Eine so tolle Stimme, eine so wunderbare Sprachmelodie, perfekte Betonung, ich liebe es! Ja, er ist tatsächlich für diese Geschichte der perfekte Sprecher. Immerhin dauert sie fast siebzehn Stunden!

Golden ist ein zauberhaftes Städtchen mit wunderbaren Einwohnern. Levi zeichnet mit feinem Pinselstrich einzigartige Charaktere. Nicht alle sind gleich sympathisch, doch gerade das macht alles sehr realistisch. Ich würde sie alle erkennen, wenn es Golden tatsächlich gäbe und ich dort hinreisen würde. Theo ist so besonders, dass er quasi auf jeden, dem er begegnet, abfärbt. Sehr schnell hatte ich den Gedanken, dass Theo das liebenswerte, freundliche und positive Äquivalent zu Stephen Kings Leland Gaunt aus Needful Things oder Linwood Barclays Edwin Nabler aus Komm spielen sein könnte.

Durch Theos Aktion mit den Bildern lernen wir Außenstehenden eine ganze Reihe Menschen kennen. Sie könnten unterschiedlicher kaum sein. Nicht alle sind sympathisch, doch sehr wichtig für die Geschichte selbst. Alle ihre Lebensgeschichten sind ergreifend. Sie geben einem zu denken und bringen einen dazu, über sich selbst nachzudenken. Allen Levi schafft es aber, nicht einfach nur eine Geschichte nach der anderen herunterzuerzählen, sondern sie auch zu verknüpfen. Walter Kreye erzählt ist für dieses Hörbuch der perfekte Sprecher. Er spricht sonor und langsam, sodass man tatsächlich beim Hören entschleunigt und konzentriert lauscht. Mir gefällt seine Sprachmelodie unsagbar gut.

Es gibt eine Wendung, die man so nicht möchte und doch ist es, als hätte man es geahnt. Zudem löst sie die Aufklärung einiger Fragen aus und hat ein paar wunderbare Überraschungen auf Lager. So wird die Story rund und stimmig. Und sie geht mir ganz tief ins Herz und unter die Haut. Ein wunderbarer Roman, der den Finger in so einige Wunden legt und die Bandbreite menschlicher Charaktere treffsicher aufzeigt. Für mich ganz klare fünf Sterne!