Ein Strudel namens Theo

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Wie lautet Ihre Geschichte? Sie sagen, Sie sind neu in der Stadt. Was hat Sie hergeführt?
Diese Fragen werden Theo von Shep gestellt. Shep ist Barista im Chalice, einem Café in Golden, GA. Wir erfahren, daß Theo an verschiedenen Orten gelebt hat und in Portugal geboren und aufgewachsen ist.

Es gibt nicht nur einen ausgezeichneten Espresso im Chalice, es werden auch Porträts von Gästen ausgestellt. Ein Café als Kunstgalerie.
Für Theo offenbart jedes Gesicht eine Stimmung, die auf eine Geschichte verweist und Fragen aufwirft. Er kann Schmerz in den Gesichtern erkennen, weil er selbst tiefen Schmerz erlebt hat. Zweiundneunzig Porträts von Gästen des Chalice. Unverkaufte Portraits.
Theo denkt an die Häuser und Leben, die durch ihre Anwesenheit verschönert werden könnten und an den Künstler, den ihr Verkauf ermutigen würde. Und jetzt, in diesem Moment beginnt eine Idee in seinem Kopf Gestalt anzunehmen. Die Idee, die zweiundneunzig Bilder zu kaufen und sie den Portraitierten zu schenken.

Die Atmosphäre ist stark auf eine kleine, (vielleicht nicht ganz so) fiktive Stadt im amerikanischen Süden ausgerichtet – mit Gemeinschaft, Café, persönlichen Geschichten, warmherzigen Begegnungen und einem deutlichen Feel-Good-Ton. Theo ist ein sechsundachtzigjähriger aus New York, der in Golden schnell durch seine großzügige und etwas geheimnisvolle Art Teil der Gemeinschaft wird. Theo behält seine Vergangenheit bewusst für sich. Er erzählt den Menschen in Golden nicht alles über sein früheres Leben, und genau dadurch entsteht dieses Rätselhafte um seine Person. Theos immense Empathie und seine tiefe Güte im gesamten Roman resultierten nicht aus einem glücklichen Leben, sondern aus einer tiefen, stillen Trauer. Alle Charaktere sind sympathisch und menschlich und passen perfekt zu der warmen, kleinstädtisch-amerikanischen Atmosphäre.

Die Stadt Golden hat durch seine anonyme Großzügigkeit profitiert, ihm aber blieb die ultimative Anerkennung letztendlich verwehrt.
Theos Zeit in der Kleinstadt Golden endet nach genau einem Jahr. Das Ende ist deshalb so bittersüß und traurig, weil Theo Golden verlässt, ohne die Möglichkeit gehabt zu haben, sich persönlich zu erkennen zu geben.

"Theo in Golden" von Allen Levi ist ein sanfter und hoffnungsvoller Roman, dessen Ende mir das Herz gebrochen hat.
Eine schöne Geschichte, die eine wichtige Botschaft vermittelt. "Theo in Golden" wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben. Ein außergewöhnliches Buch, das zum Nachdenken anregt und für das ich eine Leseempfehlung und fünf Sterne vergebe.