Eine Ode an die Herzlichkeit

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Ein jedes Städtchen braucht einen Theo, der - wie in Golden - durch seine Anwesenheit zumindest für eine gewisse Zeit Positivismus entfacht, wo man ihn manchmal für verloren geglaubt hatte. Das Städtchen Golden steht dabei stellvertretend für all jene Orte, an denen Menschen einander begegnen. Golden könnte ebenso eine Familie, ein Unternehmen oder schlicht ein Supermarkt sein. Manchmal braucht es nur diesen einen Menschen, der mit seiner positiven Art - einem sanften Flügelschlag gleich - eine ganze Wiese zum Erblühen bringt.

Theo, ein älterer Mann mit portugiesischen Wurzeln, kommt in die Kleinstadt Golden. In einem Café entwickelt er eine ungewöhnliche Idee, die ihm nicht nur Türen, sondern auch die Herzen der Bewohner öffnet. Denn Theo vermag in den Gesichtern der Menschen, in alltäglichen Details und vermeintlichen Unscheinbarkeiten mehr zu erkennen als das Offensichtliche. So werden Kleinigkeiten zu wertvollen Momenten, Gefühle zu neu entdeckten Schätzen, und nach und nach öffnen die Bewohner der amerikanischen Kleinstadt ihren Blick wieder für ein Miteinander. Darüber hinaus erfahren wir in Theo in Golden, welche Schicksalsschläge, Kindheitserfahrungen und persönlichen Erlebnisse Theo zu dem Menschen gemacht haben, der allein durch seine weltoffene Art so viel in Golden bewirken kann.

Theo in Golden ist wahrlich ein magisch-poetisches Buch. Was zu Beginn noch etwas künstlich und konstruiert anmutet, tritt bald in den Hintergrund, sobald man tiefer in die Handlung und die Geschichten der zahlreichen Stadtbewohner eintaucht. Die Grundidee des Romans finde ich wundervoll und ich kann gut nachvollziehen, weshalb das Buch so viele Menschen für sich gewinnen konnte. Auch mich hat die Geschichte nach und nach erreicht, wenngleich ich zunächst meinen eigenen Zugang zur Erzählweise und zur Handlung finden musste.

Die Sprache des Buches ist ausschweifend und detailverliebt - eine Erzählweise, die wunderbar zu Theo passt. Zugleich entstehen dadurch an der einen oder anderen Stelle gewisse Längen. Mitunter hatte ich das Gefühl, einzelne Kapitel überspringen zu können, ohne dabei Wesentliches zu verpassen. Doch vielleicht liegt gerade darin auch eine besondere Qualität: Literatur muss nicht immer zu tiefgründig und komplex sein. Sie darf ihre Lesenden ebenso über einen längeren Zeitraum begleiten, ihnen wiederholt kleine Funken Positivismus übermitteln und sie auf diese Weise - ganz wie Theo in Golden - nach und nach für sich gewinnen.

Ich konnte das Buch nicht am Stück lesen und war dennoch immer wieder neugierig darauf, wie die Geschichte weitergeht. So hat mich Theo in Golden über mehrere Wochen hinweg mit Unterbrechungen begleitet und mir immer wieder diesen kleinen Funken geschenkt. Am Ende bleibt für mich der Gedanke, dass es genau so richtig war: für mich und für dieses Buch.