Gesichter einer Stadt
Nach der Leseprobe war ich sehr gespannt auf das Buch „Theo in Golden „ und die Geschichte von Theo hat mich zu Anfang auch sehr angesprochen. Im Kern geht es darum, dass ein geheimnisvoller älterer Portugiese, namens Theo sich in der kleinen Stadt Golden niederlässt und es zunächst unklar bleibt, was ihn verleitet hat, ausgerechnet Golden als Wahlheimat auf Zeit zu wählen. Schnell wird deutlich, dass Theo ein sehr starkes Interesse für Kunst hat, und als er in einem Café eine große Anzahl von sehr ausdrucksstarken Portraits, die ein Malern namens Asher in der Kleinstadt gemalt hat, entdeckt, beschließt er, diese Bilder zu erwerben und sie den jeweils Abgebildeten zu schenken.
Diese Übergaben der Bilder an die Porträtierten bilden den roten Farben des Buches, und naturgemäß gestaltet sich jede Übergabe anders. Was Theo bereits in den gezeichneten Gesichtern gesehen hat, nämlich Schmerz, Trauer und Kummer geht über das oberflächliche Betrachten der Bilder hinaus. Dementsprechend verschenkt Theo nicht nur die Portraits, sondern auch seine Sicht auf den Betreffenden und seinen positiven Zuspruch, der den Beschenkten Hoffnung, Selbstvertrauen und auch Selbsterkenntnis gibt. Auf dieser Art und Weise gewinnt Theo eine Anzahl von Freunden in Golden, die er mit seiner selbstlosen Art auf ihren Wegen unterstützt. Theo ist der Gutmensch in Golden, der Mutmacher, der Sponsor, der geheime Förderer. Er ist sozusagen der Robin Hood, der nicht nur materielle Zuwendung spendet, sondern Zugewandheit im Sinne von Interesse, Offenheit und Freundschaft.
Die einzelnen Schicksale, die sich hinter den Portraits verbergen, gestalten sich vielfältig und sind interessant zu lesen. Auch das Schicksal Theos hat viele Wendungen genommen, und erst zum Schluss wird deutlich, welche Beweggründe ihn dazu gebracht haben, nach Golden zu ziehen.Der Autor hat eine flüssige Schreibweise und mit viel Liebe zum Detail wird neben den handelnden Personen ebenso die Natur beleuchtet.
Letztlich ein Buch, was in schwierigen Zeiten die Hoffnung auf das Gute im Menschen wecken kann, ein modernes Märchen über einen Menschenfreund mit religiösen Einschlag, eine aufbauende Lektüre mit vielen interessanten Denkansätzen.
Auch wenn problematische Schicksale geschildert wurden, war mir persönlich das Buch insgesamt etwas zu glatt und zu märchenhaft und streckenweise etwas langatmig.
Eine schöne Ablenkung in schwierigen Zeiten, die Hoffnung auf das Gute im Menschen wecken soll und dazu anregt, es nicht, bei dem ersten Blick bewenden zu lassen, sondern in vielen Situationen genauer hinzuschauen.