Rückbesinnung auf goldene Regeln des Miteinanders mit Selbstheilung für gecrashte Seele als Bonus

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granny7m Avatar

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Es ist die Geschichte eines liebenswerten älteren Mannes der neugierig durch die Stadt namens Golden streift-sorglos, anonym und flexibel auf der Suche nach dem wahren Leben, das ihm in seinen 30 Berufsjahren voll trockenen Paragrafen-jonglierens fehlte. Ein Nachholbedarf ist zu spüren, Geld spielt keine Rolle (s. Anreise mit Privatflugzeug und Chauffeur) jetzt soll das Kreative und Mitmenschliche dominieren.
Während er entlang des sanft mäandernden Fluss Oxbow spaziert, gedeiht der Plan: „eine eigene Strömung zu erzeugen, die andere mit sich forttrug“(p9) Handlung weitgehend unwichtig!
In 61 Kapiteln kreisen seine Gedanken um die Fragen: was macht die Kunst, was macht ein gutes Leben aus.
Lust am Schmökern ist die Voraussetzung, dass der Leser Freude an seinen Gedankenschleifen findet. Hoffnung, Güte, Empathie, Nächstenliebe und Zusammengehörigkeitsgefühl sind die Werte ,die zum Funkeln gebracht werden sollen .
Auf dem gelungen reduzierten Cover eine Feder feinsinnig zart gezeichnet- vordergründig ein Schreibwerkzeug von dereinst- erinnert sie auch an den kleinen Theo, der mit der Lupe derlei Wunderwerke der Natur studierte und symbolisiert die bis ins Alter erhaltene feinsinnige Aufmerksamkeit für seine Umgebung.
Der Titel weckt allerlei Assoziation-vermutlich gewollt
Zunächst „Golden“ als Standortbestimmung gemeint, Theo in einer fiktiven Stadt, es gibt zwar Städte gleichen Namens aber nicht gleicher geographischer Koordinaten.Dann metaphorisch: Theo schwimmt im Geld alias Gold.. im 7. Himmel, in goldigen Lebensumständen, Ferner ist Theo in goldener (Ver-)Fassung: die Farbe ist eben nicht grau sondern strahlend, hochwertig, seelisch aufgeräumt, schließlich befindet Theo sich im goldenen Herbst des Seniorendaseins.
Der Name der Hauptfigur ist sicher fein gewählt: THEO (griech) ,das Geschenk Gottes.. lässt eine christliche Grundierung des Textes ahnen und wird am Beispiel seiner Ideale illustriert.
Der Schreibstil ist nicht besonders poetisch ausgefeilt: er ist nicht so sehr an der Wortwahl interessiert, er erzählt „normal“ von feinsinnig Beobachtetem, ausführlich beschrieben manchmal zu langatmig, könnte straffer sein. Ungewöhnlich die fast halbseitigen Angaben zu Öffnungszeiten und Adresse des Cafés, das ein Kommunikationsort sein wird, sein unbändiges Interesse an den Schönheiten der Stadt streicht er heraus indem er 6(!) Abschnitte hintereinander mit „ihn interessierte..“ begann. Habe verstanden!
Eine Kette von Lobes- Hymnen für den Augenblick, die kleinen Momente beglückender Begegnungen bildet das Gesamtkunstwerk.
Geschickt versteht der Autor, die Spannung bis zum Ende hochzuhalten: die Antwort auf des Lesers immerwährende Frage: „warum macht Theo das?“ Die Lösung: Theo beginnt ein radikal anderes Leben zur Bewältigung unendlicher Verlustschmerzen. Bewältigung durch Reduktion- Heilung durch next level of humanity? Wer sich mit der Vita des Autors befasst, ahnt Parallelen: auch er hat 2 von seinen 3 Büchern im Nachklapp und zur Bewältigung tiefer Krisen geschaffen. Theo und Allen sind Freunde im Schmerz-so erklärt sich vielleicht auch die melancholische Grundfärbung des Textes.
Auf jeden Fall ist es Theo alias Allen gelungen, die anfangs(p9) ersehnte eigene Strömung zu erzeugen mit den Rundum-Idealen seines Menschenbildes-manchmal zu ausufernd vertreten, manchmal zu utopisch anmutend in ihrer „Reinheit“ bieten sie in jeden Fall allerlei Anregungen zum nach-denken und nach-ahmen.